Militäroffensive im Swat-Tal Armee berichtet von Schlag gegen Taliban-Anführer

Neue Kämpfe erschüttern den Nordwesten Pakistans: Dabei ist nach Angaben der Armee ein wichtiges Taliban-Mitglied in der Region verletzt worden. Dutzende Extremisten kamen außerdem bei US-Raketenangriffen ums Leben.


Islamabad - Er gilt als Anführer der Taliban im Swat-Tal, der den bewaffneten Dschihad gegen Pakistans Regierung lenkt: Maulana Fazlullah. Wie die pakistanische Armee berichtet, wurde er bei einem Luftangriff verletzt.

Flüchtlinge in Pakistan: Nach heftigen Kämpfen aus Swat-Tal geflohen
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Flüchtlinge in Pakistan: Nach heftigen Kämpfen aus Swat-Tal geflohen

Aus "glaubwürdigen Informationen" gehe hervor, dass Maulana Fazlullah getroffen worden sei, sagte Generalmajor Athar Abbas am Mittwoch. Nähere Angaben machte er nicht. Bereits Ende Juni hatte die Armee erklärt, Fazlullah sei in der nordwestlich von Islamabad gelegenen Region möglicherweise verletzt worden. Seit April führt Pakistans Armee dort eine Offensive gegen die Taliban.

Rund zwei Millionen Menschen mussten bislang aus ihren Häusern im Swat-Tal fliehen. Sie sind zwischen die Fronten eines mörderischen Konfliktes geraten: Wo einst Touristen Wintersport genossen, erschüttern seit Anfang Mai heftige Kämpfe zwischen Armee und Extremisten die Region.

Angeführt von dem selbsternannten Geistlichen Fazlullah, kontrollieren die aufständischen Taliban seit 2008 mit ihrer radikalen Auslegung der Scharia das Grenzgebiet. Fazlullah, der früher als Hilfsarbeiter an einem Skilift arbeitete, veröffentlicht ständig neue Regeln und Todeslisten. Polizisten werden die Ohren abgeschnitten, wenn sie den Befehlen Islamabads folgen. "Wir haben das Gefühl", sagt ein Lehrer aus der Region, "dass alle - die Amerikaner, unsere eigene Armee und die Taliban - nur Verachtung für uns übrig haben."

Am Mittwoch töteten zudem vermutlich von US-Drohnen abgefeuerte Raketensalven in der Region Süd-Waziristan mindestens 50 Menschen. Das teilten pakistanische Geheimdienstkreise mit. In der an Afghanistan grenzenden Region wird der pakistanische Taliban-Führer Baitullah Mehsud vermutet, für dessen Ergreifung die Regierung eine Belohnung von 50 Millionen Rupien - umgerechnet 437.500 Euro - ausgesetzt hat.

Ziel des ersten Raketenangriffs sei ein Trainingslager der Taliban auf einem Berg nahe der afghanischen Grenze gewesen. Die mutmaßliche US-Drohne feuerte den Geheimdienstkreisen zufolge sechs Raketen auf die Taliban-Stellung im Gebiet Karwan Manza ab. Zehn Aufständische seien getötet worden.

Wenige Stunden später hätten Raketen 20 Kilometer weiter östlich vier Fahrzeuge mit militanten Taliban getroffen. Dabei seien Dutzende Aufständische getötet worden.

Bereits in den vergangenen Wochen hatten US-Drohnen Angriffe in Süd-Waziristan geflogen. Die USA haben nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP seit dem vergangenen August mehr als 40 derartige Militäraktionen auf Ziele im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan durchgeführt. Washington hat diese Angriffe bislang nicht offiziell bestätigt. Da dabei auch Zivilpersonen getötet wurden, ist das amerikanisch-pakistanische Verhältnis derzeit angespannt.

Fakten über Pakistan
Staatsgründung
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Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Zunächst bestand es aus den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan, zwischen denen mehr als 1500 Kilometer Entfernung lagen. Beiden Teilen mangelte es jedoch an einer gemeinsamen nationalen Identität. Nach einem Krieg, bei dem Indien dem Osten half, entstand 1971 als neuer Staat Bangladesch .
Kaschmir-Konflikt
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Seit der Staatsgründung führte Pakistan zwei große Kriege mit dem Nachbarn Indien um die Grenzregion Kaschmir , 1947/48 und 1965. Der Fürstenstaat Kaschmir hatte sich zunächst zu Indien zugehörig erklärt. Der islamische Staat Pakistan beanspruchte das überwiegend von Muslimen bewohnte Kaschmir jedoch für sich und gewann die Herrschaft über den westlichen und nördlichen Teil der Region. Doch auch Indien betrachtete Kaschmir als sein Territorium. Die von der Uno 1948 vorgeschlagene und vom indischen Premierminister versprochene Volksabstimmung, in der die kaschmirische Bevölkerung selbst über ihre Zukunft entscheiden sollte, wurde nie durchgeführt.

Seit den achtziger Jahren kämpfen im indischen Teil Kaschmirs muslimische Rebellen für die Unabhängigkeit der Region oder einen Anschluss an Pakistan. 1999 kam es wieder zu größeren militärischen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Toten, und 2001 standen die Atommächte Indien und Pakistan erneut am Rande eines Krieges. 2004 wurde ein Friedensprozess zwischen Neu-Delhi und Islamabad eingeleitet.

Der pakistanische Geheimdienst ISI steht im Verdacht, Kontakte zu islamistischen Terroristen zu pflegen. Indien wirft Pakistan die Unterstützung muslimischer Terroristen vor. Auch hinter der Anschlagserie in Mumbai 2008 vermutet Neu-Delhi islamistische Terroristen aus Pakistan.

Islam
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Mit der Verfassung von 1956 wurde Pakistan die erste islamische Republik der Welt. Der Islam ist Staatsreligion, gleichzeitig garantiert die Verfassung jedoch Religionsfreiheit. 96 Prozent der Pakistaner sind Muslime, der Präsident muss ebenfalls Muslim sein. Seit der Staatsgründung haben Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen über die Rolle des Islam im Staatsverständnis die Innenpolitik beherrscht.

Immer wieder gab es auch islamistische Tendenzen. So führte Diktator Zia ul-Haq die Scharia , die islamische Rechtsprechung, ein. 1997 erkannte Pakistan als erster Staat das extremistische Taliban -Regime in Afghanistan an und unterstützte es bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 . Während die Zentralregierung in Islamabad zu einem der wichtigsten Verbündeten der USA im Anti-Terror-Krieg avancierte, erstarkte die islamistische Opposition im Land.

Macht der Taliban
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In den Stammesgebieten in der nordwestlichen Provinz an der Grenze zu Afghanistan hat die pakistanische Zentralregierung nur begrenzten Einfluss. Dort herrschen islamistische Extremisten und pakistanische Taliban , die sich teilweise auf die Hilfe der regionalen Stammesführer stützen. Die Enttäuschung über die korrupte staatliche Justiz und Verwaltung erhöhte die Attraktivität des Islamismus in der Bevölkerung.

Verstärkung erhielten die radikalen Islamisten von afghanischen Taliban aus den Reihen von Mullah Omar sowie Qaida -Kämpfern, die aus Afghanistan geflohen sind. Militante betreiben hier in Waziristan auch Ausbildungslager für international operierende Dschihadisten.

Kampf gegen die Extremisten
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Die pakistanische Armee führte ab 2003 wiederholt Militäraktionen im Nordwesten gegen die Taliban - und Quaida -Terroristen durch. Als Reaktion verübten Terroristen verheerende Anschläge in pakistanischen Städten.

Die Amerikaner versuchen, die islamistischen Extremisten in ihren pakistanischen Verstecken mit ferngesteuerten Präzisionsraketen zu treffen. Doch diese Drohnen -Angriffe sind bei der Bevölkerung äußerst unpopulär und treiben die Menschen in die Arme der militanten Islamisten.

Das pakistanische Militär scheute zunächst die ernsthafte Konfrontation mit den Extremisten. Die Armee und der pakistanische Geheimdienst ISI haben diese Gruppierungen zum Teil Anfang der achtziger Jahre selbst aufgebaut, um im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan mitzumischen, und haben sie später im Kaschmir-Konflikt eingesetzt. Und noch immer betrachten viele Offiziere die Taliban nicht als ihren eigentlichen Gegner – der wahre Feind sei Indien .

Um die Aufständischen in den Stammesgebieten ruhigzustellen, versuchte schon Präsident Pervez Musharraf , Abkommen mit ihnen zu schließen, und versagte. Im April 2009 scheiterte ein Friedensabkommen, das sein Nachfolger, Staatschef Asif Ali Zardari , ausgehandelt hatte: Die Taliban sollten die Waffen niederlegen und im Gegenzug in der Region Malakand, zu der das Swat-Tal und fünf weitere Distrikte gehören, die Scharia anwenden dürfen. Mit Hilfe des islamischen Rechts können sich die Taliban die Bevölkerung legal gefügig machen - wer sich gegen ihre Herrschaft auflehnt, wird geköpft. Statt einer Feuerpause brachten sie vom Swat-Tal aus mehrere Distrikte unter ihre Kontrolle und rückten bedrohlich nahe an die Hauptstadt Islamabad heran, bis die Armee im Frühjahr 2009 eingriff und die Gebiete zurückeroberte. Im Oktober 2009 begann das Militär außerdem einen Krieg gegen die Taliban in der Region Südwaziristan.

Atomwaffen
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1985 wurde in Pakistan erstmals Uran angereichert, seit 1998 besitzt das Land nachweislich Atomwaffen : Nur Tage nach indischen Atomtests zündete Pakistan im Mai 1998 in der Nähe der unbewohnten Chagai-Berge erfolgreich Kernwaffen. Die genaue Zahl der atomaren Sprengköpfe ist nicht bekannt, aber es sollen 60 bis 100 sein, die an verschiedenen Stellen im Land gelagert und von rund 10.000 Soldaten bewacht werden.

Damit gehört Pakistan neben den fünf offiziellen Atommächten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China sowie Indien, Israel und Nordkorea zum Kreis der neun Nuklearmächte, was die Bedeutung des verarmten Landes stark erhöht.

Militärbeobachter befürchten, Nuklearwaffen aus dem pakistanischen Waffenarsenal könnten aufgrund der Instabilität des Landes in die Hände von Extremisten fallen. Diese hätten damit ein Mittel in der Hand, dem Westen ihre Bedingungen zu diktieren. Geschürt wird die Angst vor diesem Horrorszenario dadurch, dass die Taliban in den vergangenen Monaten ihre Basis in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ausgebaut haben. Im April 2010 rückten sie bis auf 100 Kilometer Entfernung auf die Hauptstadt Islamabad vor, bevor sie vom pakistanischen Militär zurückgedrängt wurden.

kgp/AP/AFP/Reuters



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