Militärprozess US-Soldat wegen Tötung afghanischer Zivilisten vor Gericht

Als Letzter kommt der mutmaßliche Anführer des "Kill Teams" vor Gericht: Der US-Unteroffizier Calvin Gibbs soll mit Soldaten seiner Truppe aus purer Mordlust Zivilisten in Afghanistan getötet haben. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe.


Washington - Vor einem US-Militärgericht im Bundesstaat Washington hat der Mordprozess gegen den mutmaßlichen Anführer einer Einheit begonnen, die in Afghanistan aus Lust am Töten Jagd auf Einheimische gemacht haben soll.

Auf dem Stützpunkt Lewis-McChord südlich von Seattle wurden am Freitag die Geschworenen bestimmt, die über den angeklagten 26-jährigen Unteroffizier Calvin Gibbs richten sollen. Gibbs werden Mord in drei Fällen und weitere Verbrechen zur Last gelegt, ihm droht eine lebenslange Haftstrafe.

Gibbs beteuerte bei der Prozesseröffnung seine Unschuld. Neben Gibbs waren vier weitere US-Soldaten angeklagt worden, von denen drei nach Schuldbekenntnissen zu Haftstrafen verurteilt wurden und nun gegen ihn aussagen sollen. Bei einer Anhörung vor Prozessbeginn sagten Gibbs' Anwälte, dass ihr Mandant mit den Tötungen nichts zu tun gehabt habe. Sie zogen die Glaubwürdigkeit der anderen Soldaten in Zweifel, die "in einem Kriegsgebiet Joints geraucht" hätten.

Die Eröffnungsplädoyers sind in der kommenden Woche geplant, das Urteil wird für kommenden Freitag erwartet. Da es sich um ein Militärgericht handelt, werden ausschließlich Militärs als Geschworene herangezogen.

Die Einheit soll zwischen Januar und Mai 2010 in der südlichen afghanischen Provinz Kandahar drei Zivilisten ermordet haben. In den Ermittlungen waren grausige Details ans Licht gekommen, die Soldaten behielten demnach Gebeine ihrer Opfer als Trophäen.

Der SPIEGEL und SPIEGEL TV hatten fünf Monate lang die Geschichte des sogenannten Kill Teams in den USA und Afghanistan recherchiert. Im März veröffentlichte das Magazin Fotos, auf denen zwei der Angeklagten neben Leichen posieren.

abl/AFP



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