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Ägyptens Übergangspräsident Mansur Amtseid des Platzhalters

Ägypten hat einen neuen Präsidenten - für den Übergang. Adli Mansur ist jetzt Staatsoberhaupt, erst vor wenigen Tagen war er zum Obersten Richter des Landes ernannt worden. Nach dem Militärputsch gegen Mohammed Mursi bleiben die Generäle aber die wichtigsten Akteure im Land.

Kairo - Adli Mansur muss Ägypten in der nächsten Zeit führen. Nachdem das Militär Präsident Mohammed Mursi gestürzt hat, ist Mansur nun als Interimspräsident eingeschworen worden.

Vor gerade mal zwei Tagen war Mansur zum Präsidenten des obersten ägyptischen Verfassungsgerichts bestimmt worden. Bis dahin kannte kaum jemand in Ägypten den 67 Jahre alten Juristen. Adli Mansur ist seit 1992 am Verfassungsgericht tätig, zuletzt war er Vizepräsident.

Hinter den Kulissen werden allerdings weiterhin General Abd al-Fattah al-Sisi und der Militärapparat die Fäden ziehen. Das Militär ist und bleibt einer der wichtigsten politischen Akteure in Ägypten, seit es sich 1952 an die Macht putschte. Daran haben weder der Sturz von Mubarak 2011 noch die kurze Regentschaft der Muslimbrüder mit Mursi etwas geändert.

Wie groß der politische Einfluss der Generäle ist, hat Militärchef Sisi eindrucksvoll am Mittwochabend demonstriert. Nach einem 48-Stunden-Ultimatum informierte er kurzerhand Mursi, dass er nicht mehr Präsident sei. Dabei war dieser Ägyptens erstes demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt.

Der Islamist Mursi steht jetzt unter Hausarrest. Auch führende Mitglieder der ihn unterstützenden Muslimbrüder wurden von den Streitkräften eingesperrt. Nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Mena sitzen sie im Gefängnis Tora am Rande von Kairo. Dort ist auch der vor gut zwei Jahren gestürzte Machthaber Husni Mubarak inhaftiert. Bei Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern Mursis kamen mindestens 14 Menschen ums Leben.

Internationale Gemeinschaft ist besorgt

Der Entmachtung Mursis waren tagelange Massenproteste gegen den islamistischen Politiker vorausgegangen. Seine Gegner warfen ihm vor, die Revolution aus dem Jahr 2011 verraten zu haben und die Islamisierung der ägyptischen Gesellschaft voranzutreiben. Die islamistisch geprägte Verfassung soll nun außer Kraft gesetzt und überarbeitet werden. Zudem soll es rasche Neuwahlen zum Präsidentenamt geben.

Die Regierungschefs vieler Länder mahnen jetzt zur Ruhe, es dürfe keine Gewalt ausbrechen. Viele hoffen auf rasche Neuwahlen. So forderte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in der Nacht zu Donnerstag alle Beteiligten auf, rasch zu einem demokratischen Prozess zurückzukehren. Außenminister Guido Westerwelle mahnte, allen Verantwortlichen müsste es jetzt darum gehen, "besonnen aufeinander zuzugehen und gemeinsam nach Wegen aus der ernsten Staatskrise zu suchen. Eine Lösung kann nur durch Dialog und politischen Kompromiss erreicht werden".

kgp/dpa/AFP