Thailands Militär an der Macht Das riskante Spiel des Putsch-Generals

Die Regierung aus dem Amt gejagt, das Volk eingeschüchtert, die Medien geknebelt: Thailands Militär hat erneut die Macht an sich gerissen. Allein mit Drohgebärden wird sich der Konflikt zwischen den verfeindeten großen Parteien aber kaum eindämmen lassen.
Von Mathias Peer
Thailands Militär an der Macht: Das riskante Spiel des Putsch-Generals

Thailands Militär an der Macht: Das riskante Spiel des Putsch-Generals

Foto: ATHIT PERAWONGMETHA/ REUTERS

Die neuen Machthaber residieren im Armeeclub. Seit Thailands Generäle die Macht an sich gerissen haben, ist das Gebäude von Soldaten abgeriegelt. Sie tragen Helme und Schutzschilde, einige sogar Maschinenpistolen und Sturmgewehre. Noch vor Kurzem sollte hier in Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien eine Lösung für Thailands Staatskrise gefunden werden. Doch mit dem Putsch sind die Friedensgespräche vorerst vorbei.

Es ist das neunzehnte Mal, dass Thailands Armee seit dem Ende der absoluten Monarchie im Jahr 1932 versucht, die Regierung aus dem Amt zu drängen. Elf Mal hatte sie damit bisher Erfolg.

Die putsch-gewöhnten Thailänder hatten schon eine Vorahnung, als sämtliche frei empfangbare Fernsehsender am Nachmittag ihr aktuelles Programm einstellten und stattdessen ein Standbild mit patriotisch klingender Musik ausstrahlten. Wenige Minuten später tauchte Militärchef Prayuth Chan-ocha zeitgleich auf sämtlichen Kanälen auf - live vom Armeeclub. Zwei Offiziere links, zwei Offiziere rechts saßen an seiner Seite, als er mit starrem Blick die vorbereitete Erklärung verlas: "Die Armee hat die Macht ergriffen, um die politischen Institutionen zu reformieren und unserem Land wieder Einigkeit zu bringen."

Die Verfassung des Landes gilt nicht mehr

Mit diesen Worten machte sich der 60-jährige Prayuth zum mächtigsten Mann des Landes. Kurz nach dem Auftritt des Generals verkündete ein Armeesprecher, dass die Verfassung des Landes nicht mehr gelte.

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Umsturz in Bangkok: Putsch der Generäle

Foto: Pongmanat Tasiri/ dpa

Dass der Putsch den seit Jahren schwärenden Konflikt beenden wird, ist unwahrscheinlich. Die Soldaten haben zwar die Protestlager der beiden gegnerischen Seiten aufgelöst, das der Gelbhemden, die gegen die Regierung protestierten, und jenes der Rothemden, die sie stellen. Doch haben diese in den vergangenen Tagen immer wieder betont, dass sie sich gegen einen Putsch zur Wehr setzen werden. 2010 wurden bei Auseinandersetzungen zwischen Rothemden und dem Militär rund 100 Menschen getötet. Thailand muss nun fürchten, dass sich die Geschichte wiederholt.

Die Rothemden, die politische Bewegung des Ex-Premiers Thaksin Shinawatra kann damit rechnen, von der Mehrheit der Thais unterstützt zu werden. Seit der Jahrtausendwende hat sie jede Wahl gewonnen - und war immer wieder aus dem Amt gedrängt worden. Thaksin selbst musste im Jahr 2006 nach einem Militärputsch abtreten und flüchtete später ins Exil.

Wo sich der entmachtete Übergangspremier, Niwatthamrong Boonsongpaisan, am Donnerstag aufhielt, war zunächst unklar. Die Armeeführung hatte den Nachfolger der bereits vor wenigen Wochen vom Verfassungsgericht abgesetzten Premierministerin Yingluck Shinawatra zum Rapport einbestellt. Zuvor wurden die Anführer der verfeindeten politischen Lager von der Armee abgeführt. Dutzende Journalisten warteten in den Abendstunden vor dem Militärkomplex, um herauszufinden, was mit den Festgenommenen geschah.

Gespenstische Atmosphäre auf den Straßen Bangkoks

Der Tag ging für die meisten Thailänder wie gewöhnlich zu Ende. Fernsehbildschirme in den Schaufenstern zeigten Standbilder, aus den Radiogeräten der Taxifahrer schallte Militärmusik. Fernseh- und Radiosender sind nicht mehr im Betrieb, auch ausländische Nachrichtenkanäle wie CNN und BBC wurden abgeschaltet.

Betreiber sozialer Netzwerke wurden aufgefordert, "Mitteilungen, die zu Gewalt und zum Gesetzesbruch aufrufen", zu verhindern. Andernfalls drohte das Militär mit der Sperrung der Dienste. Um zehn Uhr abends trat eine Ausgangssperre in Kraft. Die U-Bahnen stellten ihren Betrieb ein, die 24-Stunden-Supermärkte schlossen. Bangkoks Straßen leerten sich, Thailand hält den Atem an.

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