Militärschlag Amerikaner bombardieren Ziele im Irak

Amerikanische und britische Kampfflugzeuge haben Angriffe auf fünf Ziele in der Nähe der irakischen Hauptstadt Bagdad geflogen. Die Angriffe hätten militärischen Kommando- und Radareinrichtungen gegolten. US-Präsident Bush sprach von einer "Routineoperation".


In Bagdad heulten die Sirenen
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In Bagdad heulten die Sirenen

Washington/Bagdad - Knapp einen Monat nach dem Amtsantritt von US-Präsident George W. Bush haben Kampfflugzeuge der Alliierten am Freitag erstmals seit über zwei Jahren Angriffe auf Ziele in der unmittelbaren Nähe der irakischen Hauptstadt Bagdad geflogen. Das bestätigte das Pentagon in Washington. Es seien fünf Ziele bombardiert worden. Die Angriffe hätten militärischen Kommando- und Radareinrichtungen gegolten. Aus dem Weißen Haus verlautete, Präsident George Bush habe die Angriffe am Vortag angeordnet. In einer Pressekonferenz mit dem mexikanischen Präsidenten Vicente Fox, bezeichnete Bush den Angriff als eine Routineoperation. Die Alliierten hätten in den vergangenen Jahren immer wieder die Einhaltung der Flugverbotszonen durchgesetzt. So auch diesmal, sagte Bush.

US-Generalleutnant: Alle Ziele erreicht

Generalleutnant Gregory Newbold erklärte, mit dem zweistündigen Angriff seien alle Ziele erreicht worden. Er schloss weitere Attacken vorerst aus. Newbold begründete die Angriffe mit zunehmenden Provokationen der Iraker in den vergangenen zwei Monaten. So sei der Radius des Radars ausgeweitet worden und habe damit weit in die Flugverbotszonen hereingereicht, wo es eine Bedrohung der alliierten Flugzeuge dargestellt hätten. Außerdem hätten die Iraker ihre Technik verbessert. Newbold sagte, es habe sich damit um einen Akt der Selbstverteidigung gehandelt.

An der "Routineoperation" seien 24 Flugzeuge beteiligt gewesen, sagte der Pentagonsprecher. Es soll sich um Kampfflugzeuge vom Typ F-15, F-16 und F-18 gehandelt haben. Nach diesen Angaben blieben die Flugzeuge während der Operation in der Flugverbotszone.

Irakisches Fernsehen: "Barbarischer Angriff der Amerikaner"

Das amerikanischen Fernsehen übertrug Bilder aus Bagdad, auf denen das Feuer von Abwehrraketen zu sehen und Alarmsirenen zu hören waren. Korrespondenten vor Ort berichteten im US-Fernsehen, dass nach dem Angriff im Rundfunk Militärmusik gespielt wurde. Im irakischen Fernsehen war von einem "barbarischen Angriff der Amerikaner und der Zionisten" die Rede. Nach offiziellen irakischen Angaben hat es bei dem Angriff Verletzte gegeben. Das vom Sohn des irakischen Präsidenten Saddam Hussein, Uday, betriebene Jugendfernsehen des Iraks meldete, bei dem Luftangriff auf Bagdad seien mehrere Zivilisten verletzt worden. Gezeigt wurden Bilder aus dem El Jarmuk-Krankenhaus in der irakischen Hauptstadt, auf denen acht Personen zu sehen waren, darunter Frauen und Kinder.

In der Vergangenheit hatten die Amerikaner mehrfach Ziele in der Flugverbotszone angegriffen. Nach Angaben von Experten wurde aber seit zwei Jahren keine Ziele außerhalb der Zone attackiert. Im Dezember 1998 hatten die USA und Großbritannien mit massiven Luftangriffen auf den Irak auf Behinderungen internationaler Waffenkontrollen durch Bagdad reagiert.



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