Militärschlag Pakistan startet Offensive gegen Taliban in Peshawar

Pakistan hat mit einer großangelegten Militäroffensive gegen die Taliban in der Region Peshawar begonnen. Zuvor waren die Zufahrtsstraßen abgeriegelt und eine Ausgangssperre verhängt worden. Die Taliban kündigten ein Ende der Friedensgespräche an.


Islamabad - Der Einsatz der pakistanischen Sicherheitskräfte konzentrierte sich nach Angaben des Polizeichefs der Nordwestprovinz zunächst auf die Ortschaft Bara an der afghanischen Grenze. Über Peschawar wurde Sicherheitskreisen zufolge eine Ausgangssperre verhängt. Starke Truppenkontingente wurden in die Gegend verlegt. Die Krankenhäuser in Peshawar wurden nach Zeitungsberichten in Alarmbereitschaft versetzt.

Pakistanische Sicherheitskräfte in Peschawar: Kampf gegen die Taliban
AFP

Pakistanische Sicherheitskräfte in Peschawar: Kampf gegen die Taliban

Soldaten blockierten die Hauptstraße nach Khyber. Die Gegend um den Khyber-Pass gilt seit langem als Hochburg für Schmuggler und andere Kriminelle. Seit vergangenem Jahr sind dort jedoch auch verstärkt Kämpfer der radikal-islamischen Taliban aktiv. Ihr Erscheinen in der Region um die zwei Autostunden von Islamabad entfernte Stadt Peshawar gilt als Ausdruck für den politischen und militärischen Fehlschlag, das Vordringen von Islamisten zu stoppen. Das Khyber-Stammesgebiet ist auch eine wichtige Route für Nachschublieferungen an die internationalen Truppen im Nachbarland Afghanistan.

Als wahrscheinliches Ziel der Offensive galt der Führer der Bewegung Laster und Tugend, Haji Namdar. Die Organisation wird verdächtigt, zahlreiche Anschläge auf die Koalitionstruppen in Afghanistan verübt zu haben. Namdar versucht, in der Region eine strenge Auslegung des Islams durchzusetzen. Er befindet sich allerdings im Konflikt mit Baitullah Mehsud, der als Taliban-Führer in Pakistan gilt.

"Regierung wendet fortwährend Gewalt an"

Weiteres mögliches Ziel der Soldaten ist Menghal Bagh, dessen Anhänger Anschläge in Peshawar verübten. Namdars Gruppe erklärte, eine militärische Operation werde nur neue Probleme schaffen. "Wir sind bereit zu Gesprächen mit der Regierung", sagte ein Sprecher.

Der pakistanische Taliban-Führer Baitullah Mehsud verkündete als Konsequenz aus der Offensive das Ende der Gespräche mit der Regierung. "Wir setzen die Friedensgespräche aus, weil die Regierung fortwährend Gewalt gegen uns anwendet", sagte Mehsud. Die pakistanische Regierung hatte Friedensverhandlungen mit Aufständischen in der von Stämmen kontrollierten Grenzregion zu Afghanistan aufgenommen. Trotz der Gespräche gab es in den vergangenen Wochen wiederholt Angriffe der Rebellen. Der jetzt eingeleitete Einsatz sei nur der Beginn mehrerer Militäroperationen gegen seine Bewegung, so der Taliban-Sprecher weiter. Mehsud drohte mit landesweiten Vergeltungsaktionen.

Ministerpräsident Jusuf Raza Gilani hielt sich am Samstag in Peschawar auf, der mit einer Million Einwohnern größten Stadt im Nordwesten von Pakistan. Sein Besuch hänge aber nicht mit der bevorstehenden Militäroperation zusammen, hieß es offiziell. Weiter verlautete, die Streitkräfte hätten einen Notfallplan erarbeitet, sollten die Extremisten versuchen, Peschawar anzugreifen.

als/sam/Reuters/AP/AFP



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