Militärübung Südkorea führt umstrittenes Grenzmanöver durch

Die Spannungen an der koreanischen Grenze nehmen zu: Trotz massiver Drohungen Nordkoreas hat das südkoreanische Militär Schießübungen nahe der umstrittenen Seegrenze abgehalten. Zuvor hatte sich der Uno-Sicherheitsrat nicht auf eine gemeinsame Haltung zu dem Konflikt einigen können.

Südkoreanisches Militär: Auf der Insel Yeonpyeong hat das umstrittene Manöver begonnen
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Südkoreanisches Militär: Auf der Insel Yeonpyeong hat das umstrittene Manöver begonnen


New York - Südkorea hat am Montag sein angekündigtes Artilleriemanöver im Bereich der Insel Yeonpyeong abgehalten. Die Streitkräfte führten Schießübungen nahe der umstrittenen Seegrenze im Gelben Meer durch. Sie dauerten etwa anderthalb Stunden und seien kurz nach 16.00 Uhr (8.00 Uhr MEZ) beendet worden, sagte ein Sprecher des Generalstabs in Seoul. Zwischenfälle wurden nicht gemeldet. Südkorea erklärte, das Militär habe zusätzlich Kampfjets in die Luft gebracht, um mögliche Angriffe aus Nordkorea abzuwehren.

Der Beginn der Übung hatte sich um einigen Stunden verzögert. Grund dafür war dichter Nebel in der Region. Auch hatte Südkorea die Bewohner mehrerer Inseln im Grenzgebiet zum Norden aufgefordert, sich in Schutzräumen in Sicherheit zu begeben. Laut der Bezirksregierung von Ongjin befinden sich auf Yeonpyeong derzeit 150 Menschen.

Militärische Antworten aus dem Norden blieben jedoch aus. Eine Reaktion "lohnt sich nicht", zitierte die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Montag Vertreter der Armee. Nordkorea "verspürt nicht nach jeder verachtenswerten militärischen Provokation das Bedürfnis nach Vergeltung", hieß es. Es war die erste offizielle Reaktion aus Pjöngjang auf die Schießübungen nahe der umstrittenen Grenze.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete jedoch, dass Nordkorea vor Beginn des Manövers die militärische Bereitschaft seiner Artillerie entlang der Westküste erhöht hatte. Die Agentur zitierte einen Vertreter der südkoreanischen Regierung mit der Aussage, dass einige nordkoreanische Kampfflugzeuge, die sich zuvor in einem Hangar befanden, diesen mittlerweile verlassen hätten.

Nordkorea hatte den Süden bereits kürzlich vor einem Manöver mit scharfer Munition und einer sich daraus ergebenden "Katastrophe" gewarnt. "Intensität und Umfang" eines potentiellen Gegenschlags würden schlimmer ausfallen, als bei dem Angriff auf Yeonpyeong vor einem Monat, teilte Nordkorea jüngst mit. Durch ein vergleichbares Manöver hatten sich die nordkoreanischen Streitkräfte am 23. November offenbar provoziert gefühlt und die Insel mit Granaten beschossen. Dabei waren vier Menschen ums Leben gekommen.

Sicherheitsrat scheitert mit Korea-Resolution

Japan hatte Nordkorea kurz vor Beginn des Manövers zu Besonnenheit aufgerufen. "Die japanische Regierung fordert Nordkorea dringend auf, während dieser Übungen keine provokativen Handlungen als Ausrede zu unternehmen", sagte der japanische Regierungssprecher Yoshito Sengoku am Montag vor der Presse in Tokio.

Stunden vor Beginn des Manövers war der Uno-Sicherheitsrat mit dem Vorhaben gescheitert, eine Resolution zum Korea-Konflikt zu verabschieden. Der Rat war in New York wegen der wachsenden Spannungen zwischen beiden Staaten zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengekommen. Die amerikanische Uno-Botschafterin Susan Rice sagte, die USA und andere Ratsmitglieder hätten eine Verurteilung Nordkoreas für zwei tödliche Angriffe in diesem Jahr gefordert. Doch China habe sich dem strikt widersetzt, berichteten Diplomaten.

Russland hatte auf die Einberufung der Uno-Sitzung gedrungen. Es war das dritte Korea-Krisentreffen im laufenden Jahr. Die Einberufung einer Dringlichkeitssitzung unterstrich die Sorgen der Weltgemeinschaft. Vertreter Chinas und der USA bezeichneten die Situation als "extrem prekär" und sprachen von einem "Pulverfass".

Nordkorea will angeblich wieder Atominspekteure zulassen

Allerdings gibt es auch Signale der Deeskalation. Im Streit um sein Atomprogramm hat sich Nordkorea nach einem TV-Bericht überraschend bereiterklärt, wieder internationale Atominspekteure ins Land zu lassen. Außerdem wolle das kommunistische Land über den Verkauf von 12.000 atomaren Brennstäben ins Ausland, vielleicht auch nach Südkorea, verhandeln, berichtete der US-Nachrichtensender CNN am Montag auf seiner Webseite. Aus den Brennstäben könnte Nordkorea ausreichend Plutonium für den Bau von mehreren Atombomben gewinnen, hieß es. Nähere Details wurden zunächst jedoch nicht bekannt.

Nordkorea habe diesen Schritten nach Diskussionen mit dem Gouverneur des US-Bundesstaates New Mexico, Bill Richardson, zugestimmt. Richardson war in den vergangenen Tagen als Teil inoffizieller Bemühungen um eine Entspannung des Konflikts auf der koreanischen Halbinsel in Pjöngjang. Nordkorea hatte im April 2009 die sogenannten Sechs-Länder-Gespräche über ein Ende seines Atomprogramms einseitig abgebrochen. Außerdem hatte es erneut internationale Atominspekteure des Landes verwiesen. Trotz der Spannungen mit Südkorea hatte sich das Regime in den vergangenen Monaten zu einer Fortsetzung der Verhandlungen mit den USA, China, Südkorea, Russland und Japan bereit gezeigt. Konkrete Zusagen gab es aber bisher nicht.

ler/dapd/Reuters



insgesamt 78 Beiträge
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Silvester72 20.12.2010
1. Lasst den Krieg beginnen....
Durch die beiderseitigen Provokationen wird es wohl bald der Krieg neu aufflammen. Nord- und Südkorea nehmen sich beide nicht viel. Der eine greift an, der andere provoziert durch seine Manöver. Ich gehe direkt davon aus, das wir spätestens 2011 einen Krieg in Korea erleben werden. Nur dann dürfte von den Staaten und von den Menschen keine Hilfe für beide Länder kommen. Denn das es dazu kam, war die Schuld beider !!!
caheid, 20.12.2010
2. Die folgenden Fehler traten bei der Verarbeitung auf:
Wenn sich 2 Idioten treffen, dann gibts es ab und an, dass die sich in die Haare kriegen. Und wenn sich dann deren grosse Brueder einmischen, dann laesst sich das noch weniger verhindern, wenn die einfach die Position der Streithaene einnehmen. Das ist dann eher kindisch und gewinnen tut an Schluss einmal mehr keiner was. Nochnichtmal der Staerkere.
Sapientia 20.12.2010
3. Was natürlich nicht geschehen würde, ....
Zitat von sysopDie Spannung an der koreanischen Grenze nehmen zu: Trotz massiver Drohungen Nordkoreas hat das*südkoreanische Militär Schießübungen nahe der umstrittenen Seegrenze abgehalten. Zuvor hatte sich der Uno-Sicherheitsrat nicht auf eine gemeinsame Haltung zu dem Konflikt einigen können. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,735563,00.html
würden die USA dort nicht im Hinblick auf Nordkorea provokant mitmischen....
kaktebenestydno 20.12.2010
4. Na Gott sei Dank
Zitat von Sapientiawürden die USA dort nicht im Hinblick auf Nordkorea provokant mitmischen....
überlassen die USA die Geschichte dort nicht einfach ihrem (chinesischen) Schicksal.
Centurio X 20.12.2010
5. Vielleicht ist es genau...
Zitat von Sapientiawürden die USA dort nicht im Hinblick auf Nordkorea provokant mitmischen....
...die Sprache, die der Nordkoreanische Nero röm. 2 und sein wohlgenährter Sohn verstehen. Die sogenannte Sonnenscheinpolitik des ancien Regimes von Südkorea hat jedenfalls nur zu Provokationen von Seiten des Tyrannen von Nordkorea geführt!
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