Milliarden für den IWF Briten verweigern Euro-Zone Hilfe

200 Milliarden Euro wollten die EU-Finanzminister zur Stärkung des IWF sammeln - nur 150 Milliarden brachten sie zusammen. Hauptgrund dafür ist der Widerstand Großbritanniens. Es hält seinen Beitrag bis mindestens Januar zurück. Mit dem Geld soll der Währungsfond Krisenländer unterstützen.

Britischer Finanzminister George Osborne: Geld kommt vielleicht im Januar
REUTERS

Britischer Finanzminister George Osborne: Geld kommt vielleicht im Januar


Brüssel - Die EU-Staaten können entgegen einem erst vor zehn Tagen gefassten Beschluss den Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht wie geplant mit 200 Milliarden Euro stärken. Großbritannien hält zumindest vorläufig seinen Beitrag von etwa 25 Milliarden Euro zurück. Dies geht aus einer Erklärung hervor, die der Vorsitzende der 17 Staaten mit Eurowährung, Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, am Montag in Luxemburg nach einer Telefonkonferenz der EU-Finanzminister veröffentlichte.

In seiner Erklärung taucht die beim EU-Gipfel vom 9. Dezember beschlossene Summe von 200 Milliarden Euro nicht mehr auf. Mit diesem Geld sollte der IWF gestärkt werden, um Krisenländern helfen zu können.

Schon während der Konferenz hatte sich abgezeichnet, dass die Briten der sofortigen Hilfe für den IWF nicht zustimmen würden. Finanzminister George Osborne lehnte nach Angaben aus Kreisen seines Ministeriums eine Beteiligung an dem geplanten Paket ab. Er habe schließlich erreicht, dass der Betrag von 200 Milliarden Euro nicht mehr in der Abschlusserklärung auftauche, berichtete die Nachrichtenagentur PA.

Großbritannien wartet Gipfel im Januar ab

Nun soll der IWF vorerst 150 Milliarden Euro erhalten, um Notprogramme für Krisenländer zu finanzieren. Der Großteil davon wird von den Notenbanken der Euroländer bereitgestellt. Die Nicht-Euro-Länder Tschechien, Dänemark, Polen und Schweden wollten sich ebenfalls an den Zahlungen an den IWF beteiligen, um den Euro zu stärken.

Großbritannien hatte schon vor der Konferenz mehrfach klar gemacht, dass es eine Aufstockung des IWF nicht unterstütze, die Gelder ausschließlich zur Rettung von Euro-Ländern zur Verfügung stelle. Stattdessen wolle Großbritannien einer IWF-Aufstockung im Rahmen eines G20-Beschlusses beim nächsten Gipfel im Januar in Mexiko zustimmen.

Dort hoffen die Europäer auch auf internationale Unterstützung: Eurogruppenchef Juncker bat nach der Telefonkonferenz erneut die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer sowie andere Geberstaaten um Unterstützung. Sie sollen der Eurozone durch Kredite an den IWF helfen. Die EU würde einen solchen Beitrag finanziell starker IWF-Mitglieder im Namen der "globalen finanziellen Stabilität" begrüßen, sagte Juncker.

Der IWF ist bereits bei den Hilfsprogrammen für Griechenland, Irland und Portugal mit im Boot. Sein Anteil an den Rettungspaketen beträgt jeweils ein Drittel. Neu ist, dass nun die nationalen Notenbanken über den Umweg IWF in mögliche Rettungsaktionen eingespannt werden.

usp/dpa/Reuters/AFP



insgesamt 39 Beiträge
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fortion 19.12.2011
1. Gut Gewirtschaftet
Zitat von sysop200 Milliarden Euro wollten die EU-Finanzminister zur Stärkung des IWF sammeln - nur 150 Milliarden brachten sie zusammen. Hauptgrund dafür ist der Widerstand Großbritanniens. Es hält seinen Beitrag bis mindestens Januar zurück. Mit dem Geld soll der Währungsfond Krisenländer unterstützen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804745,00.html
Ich kann diese Reaktion nachvollziehen. Die Briten handeln durchaus klug. Mit großer Sicherheit kann man annehmen, daß sie mit dem Geld bei sich zuhause Besseres anzufangen wissen. Wozu also sollten sie es sinnlos vertun?
Lekcad 19.12.2011
2.
Zitat von fortionIch kann diese Reaktion nachvollziehen. Die Briten handeln durchaus klug. Mit großer Sicherheit kann man annehmen, daß sie mit dem Geld bei sich zuhause Besseres anzufangen wissen. Wozu also sollten sie es sinnlos vertun?
Verzichten die Briten dann auch für den gleichen Zeitraum auf EU-Subventionen?
kurosawa 19.12.2011
3. und wie...
Zitat von fortionIch kann diese Reaktion nachvollziehen. Die Briten handeln durchaus klug. Mit großer Sicherheit kann man annehmen, daß sie mit dem Geld bei sich zuhause Besseres anzufangen wissen. Wozu also sollten sie es sinnlos vertun?
... wurde dieses geld noch einmal erwirtschaftet? das ist doch des pudels kern. wie kommt das UK zu dem geld? nicht umsonst moechte UK die city schuetzen.
1Piantao, 19.12.2011
4. Richtig !
Zitat von fortionIch kann diese Reaktion nachvollziehen. Die Briten handeln durchaus klug. Mit großer Sicherheit kann man annehmen, daß sie mit dem Geld bei sich zuhause Besseres anzufangen wissen. Wozu also sollten sie es sinnlos vertun?
Jede andere Reaktion England´s wäre total inkonsequent. Es ist auch die Belohnung, oder besser gesagt die Genugtuung dafür das sie damals sich gegen den Euro entschieden hatten. Das Dilemma ist absolut ein Euro-Länder Thema.
weltbetrachter 19.12.2011
5. deutscher Beitrag - ohne nennenswerte Mitsprache
Der deutsche Beitrag beläuft sich wohl auf etwa 45 Milliarden Euro. Da zahlen wir allein fast ein Drittel der Gesamtsumme. -- Aber mehr als mal wieder den Zahlmeister zu machen ist nicht drin. Zu sagen haben wir in all den Gremien nicht viel. -- DAFÜR sind eben andere da. Und wenn die Briten sich weiter weigern, denn wird es wohl wieder einen Deppen treffen. DAS ist dann der Punkt in dem Frau Merkel immer hochspringt und Deutschland anbietet noch mehr zu zahlen. -- Die eigene Infrastruktur leidet, für Bildung ist kein Geld da, aber international machen wir noch einen auf "dicke Hose" - da sollten wir uns auch entlich den Realitäten parallel zu unserem Land stellen.
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