Milliarden fürs Militär Russland rüstet kräftig auf

Der Krieg im Kaukasus, die angebliche Bedrohung durch das US-Raketenabwehrsystem, die Nato-Ambitionen der Nachbarstaaten - Russland setzt auf Aufrüstung, "um die Sicherheit des Landes zu verbessern". Ministerpräsident Putin kündigt eine Steigerung des Verteidigungsetats um mehr als ein Viertel an.


Moskau - Moskau steckt weitere Milliarden ins Militär. Nach Angaben von Regierungschef Wladimir Putin wird Russland seine Verteidigungsausgaben im kommenden Jahr um mehr als ein Viertel erhöhen. Der Etat stiege damit auf umgerechnet 66 Milliarden Euro.

Russische Panzer in Südossetien: Milliarden für die Rüstung
AFP

Russische Panzer in Südossetien: Milliarden für die Rüstung

Es sei eine der wichtigsten Aufgaben der Regierung, die Streitkräfte zu stärken und die Sicherheit des Landes zu verbessern, sagte Putin der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge am Dienstag in Moskau. Geplant sei ein Anstieg der Ausgaben um 27 Prozent auf 2,4 Billionen Rubel.

Das russische Militär hatte im vergangenen Monat eine großangelegte Offensive gegen Georgien unternommen, nachdem das pro-westliche Nachbarland versucht hatte, die abtrünnige Region Südossetien wiedereinzunehmen. Putin und Russlands Präsident Dmitrij Medwedew hatten daraufhin erklärt, die russische Armee brauche dringend neue Ausrüstung und Waffen.

Zudem fühlt Russland sich durch die zunehmende Osterweiterung der Nato bis vor seine Grenzen sowie durch die geplante US-Raketenabwehr in Tschechien und Polen immer stärker in seiner Sicherheit bedroht. Putin hatte noch als Präsident auch eine umfassende Modernisierung der russischen Atomwaffen angekündigt.

145 Milliarden Euro bis 2015

Im Februar warnte er die USA mit Blick auf den Raketenschild vor einem neuen Wettrüsten und sprach von "Vergeltungsmaßnahmen". Im Oktober vergangenen Jahres erklärte Putin, die Streitkräfte bis 2015 mit modernsten Kampfjets, Atom-U-Booten und Interkontinentalraketen ausstatten zu wollen. 145 Milliarden Euro will Russland bis dahin in neue Waffen stecken.

Nach den Berechnungen Putins läge der Verteidigungsetat für das laufende Jahr bei rund 52 Milliarden Euro. Für das Jahr 2007 hatte das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri das Budget noch mit rund 25 Milliarden Euro (etwa 35,4 Milliarden Dollar) angegeben. In der Liste der höchsten Rüstungsetats belegte Russland damit nur Platz sechs.

Im Vergleich zu den Rüstungsausgaben der USA liegt Russland auch mit der kräftigen Aufstockung weit zurück. Die US-Regierung gab 2007 laut Sipri 547 Milliarden Dollar für das Militär aus, umgerechnet rund 385 Milliarden Euro. Das entspricht einem weltweiten Anteil von etwa 45 Prozent. Hinter den Amerikanern folgen Großbritannien, China, Frankreich, Japan und Deutschland. Die Bundesregierung erhöht ihren Verteidigungsetat im kommenden Jahr auf 31,1 Milliarden Euro.

phw/Reuters/dpa



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