Milliarden-Kontinent Afrika Musterland Ruanda bekämpft die Überbevölkerung

Afrikas Bevölkerung explodiert, 1,2 Milliarden Menschen leben auf dem Kontinent - Tendenz rasant steigend. Die Folgen sind dramatisch: Hunger, Armut, Umweltzerstörung. Nun steuern Regierungen verzweifelt gegen. Als Musterbeispiel gilt das ehemalige Bürgerkriegsland Ruanda.

Horand Knaup

Von , Nairobi


Der Fortschritt heißt Domitille Mushimimana, ist 47 Jahre alt, Bauersfrau und Mutter. Domitille wohnt im Dörfchen Gafunzo im Süden von Ruanda. Sie hat sieben Kinder im Alter von 8 bis 24 Jahren. Das ist ein guter Durchschnitt in Ruanda, aber eigentlich zu viel, um alle Kinder auch ausreichend ernähren, versorgen und ausbilden zu können. "Ich werde meinen Kindern sehr raten, weniger Nachwuchs in die Welt zu setzen", sagt Bäuerin Mushimimana.

Der Fortschritt und Frauen wie Domitille Mushimimana sind noch die Ausnahme in Afrika, zumindest was das Bevölkerungswachstum und Familienplanung angehen. Nirgendwo auf der Welt vermehren sich die Menschen so schnell wie zwischen Kairo und Kapstadt. 1,2 Milliarden Menschen bevölkern inzwischen den Kontinent, davon sind rund 70 Prozent unter 25 Jahre alt.

Die Prognosen sind beängstigend: In Uganda, heute rund 34 Millionen Einwohner stark, erwartet die Regierung 2030 bereits 55 Millionen und 2050 sagenhafte 130 Millionen Menschen.

Für Nigeria gibt es Uno-Prognosen, die die Zahl der Einwohner von derzeit 160 Millionen bis zum Jahr 2100 auf 730 Millionen anwachsen sehen. Eine britische Studie aus dem vergangenen Jahr prophezeite dem Land bereits ein "demographisches Desaster".

Im Wüstenstaat Niger liegt die durchschnittliche Kinderzahl bei 7,1, im kleinen Burundi bei 6,8 und selbst im fortschrittlichen Kenia immer noch bei nahezu fünf Kindern pro Frau.

Überall fehlt es an Energie und zunehmend auch an Nahrung

Vor wenigen Jahren noch war das Problem Bevölkerungszuwachs für die afrikanischen Regierungen ein Nicht-Thema. Staatenlenker wie Yoweri Museveni in Uganda propagierten fröhliches Wachstum - schließlich hätten sich auch die britischen Ex-Kolonialherren seit dem 19. Jahrhundert kräftig vermehrt. Mit beträchtlichem wirtschaftlichem Erfolg, wie man schließlich wisse.

Auch in Kenia gibt es noch ungebrochene Anhänger einer rasch wachsenden Kopfzahl: "Die Vorstellung eines dynamischen Kenia mit 85 Millionen Menschen ist eine, die wir begrüßen sollten", verkündete erst kürzlich ein Richter des Obersten Gerichtshofes. Und in einem Gastbeitrag in der Tageszeitung "Daily Nation" hieß es: "Eine geringere Fruchtbarkeit mag die Ökonomie eines weniger entwickelten Landes anfänglich beflügeln, weil dadurch, dass es weniger Kinder gibt, Ressourcen freigesetzt werden, aber langfristig wären die Folgen einer schrumpfenden Bevölkerung desaströs."

Vermutlich wäre im Falle von Kenia schon viel gewonnen, wenn die Bevölkerung nur noch langsam wachsen würde. Doch generell sind die Probleme in vielen Ländern inzwischen so dramatisch geworden, dass sie nicht mehr zu ignorieren sind. Der tropische Regenwald, der sich vor 200 Jahren noch in einem breiten Gürtel vom Kongo bis zum Indischen Ozean hinzog, ist in Kenia und Uganda abgeholzt. In Kenia steht noch ein karger Rest von rund hundert Quadratkilometern, Uganda will gerade ein Drittel seines geschützten Mabira-Waldes für eine Zuckerplantage opfern.

Überall fallen die Bäume, weil in Schwarzafrika noch immer 70 Prozent der Energie mit Holzkohle erzeugt wird. Überall kommen die Regierungen nicht mehr mit dem Bau von Straßen, Krankenhäusern und Schulen nach, überall fehlt es an Energie und zunehmend auch an Nahrung - nicht zuletzt wegen des rapiden Bevölkerungswachstums.



insgesamt 62 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sorum11 31.10.2011
1. Dilemma
Der Spiegel brachte schon Artikel über die Klimaflüchtlinge aus afrikanischen Ländern, die irgendwann in Scharen über die Meere kommen werden, das wird in der Tat noch "heiter". Es stellt sich hier aber ein unlösbares Dilemma: a) Ist aus moralischer Sicht ein dickes US-Baby mit rosigem Gesicht "mehr wert" als ein ostafrikanisches, unterentwickeltes Kind? contra b) Was bringen diese und Milliarden andere Menschen aus 2. und 3.Welt-Ländern als z.B. Bauern überhaupt für eine Wertschöpfung ein? Keine Innovationen, keine Evolution, nichts. Wir im reichen Westen haben es längst überwunden, scharenweise Kinder zum Überleben in einer Agrarnation bekommen zu müssen, 3/4 der Welt aber nicht. Wo soll das noch hinführen? Wird die Natur für Dezimierung sorgen, oder Biolabore? ... .. .
hansulrich47 31.10.2011
2. Es ist fast schon zu spät!
Endlich mal ein Bericht, der das wirkliche Problem angeht. Leider sind afrikanischen Politikern immer noch hungernde Massen wichtiger als satte Bürger, denn die lassen sich nicht zum Rauben und Morden ins Nachbarland oder gegen die Opposition aufstacheln. Das Problem mit den jungen Leuten ohne Zukunft hat das gesammte Nordafrika! Was für eine Arbeit soll ein junger Ägypter finden? Die Asiaten sind fixer, und haben die bessere Ausbildung? Die Pille für alle und Kondome umsonst, und den Papst und seine Bande raushalten, das könnte helfen .....
Porgy, 31.10.2011
3. Auch die Afrikaner selbst haben Verantwortung
Zitat von sysopAfrikas Bevölkerung explodiert, 1,2 Milliarden Menschen leben auf dem Kontinent - Tendenz rasant steigend. Die Folgen sind dramatisch: Hunger, Armut,*Umweltzerstörung. Nun steuern Regierungen verzweifelt gegen. Als Musterbeispiel gilt das ehemalige Bürgerkriegsland Ruanda. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,794677,00.html
Afrikaner müssen lernen, dass sie selbst auch Verantwortung für ihre Situation haben. Die Haltung "Ist doch egal wie viele Kinder wir kriegen. Europa/der Westen wird's schon richten." ist keine akzeptable Haltung. Das klang auch gestern in diesem Beitrag des ARD-"Weltspiegel" völlig zu Recht durch: http://www.daserste.de/weltspiegel/beitrag_dyn~uid,gw3bttiwzsd1kbeg~cm.asp Hoffentlich wird Ruanda diesbezüglich zum Vorbild.
roland.vanhelven 31.10.2011
4. oh mann
1,2 Mrd sind fuer einen Kontinent wie Afrika gar nichts. und Bill Gates und Warren Buffet raffen mit ihren impf programmen sowieso schon genug nieder. was ich hier lese hoert sich an wie Deutschland 1936. mannomann...
Lutz W. 31.10.2011
5. Der Planet steht kurz vor seinem Ende
Zitat von sysopAfrikas Bevölkerung explodiert, 1,2 Milliarden Menschen leben auf dem Kontinent - Tendenz rasant steigend. Die Folgen sind dramatisch: Hunger, Armut,*Umweltzerstörung. Nun steuern Regierungen verzweifelt gegen. Als Musterbeispiel gilt das ehemalige Bürgerkriegsland Ruanda. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,794677,00.html
In Afrika und Südamerika werden die Wälder gerodet und man kann nichts dagegen unternehmen. Die Meere werden weltweit verseucht und überfischt. Die Luft wird aufgeheizt und vergiftet. Grenzenlose Gier treibt gewissenlose Menschen an, den Planeten immer schneller zu ruinieren. Die Ursachen sind vielfältig, *eine Lösung gibt es nicht.* Wir werden den Problemen, gleich welcher Art, immer hinterher laufen, immer einen Schritt zu weit hinten sein. Wenn die Menschheit nicht sehr kurzfristig zu einer anderen Bewusstseinsebene aufsteigt, ist hier auf der Erde sehr bald Armaggedon und danach Wüste. Viel zu selten wird einem klar, wie gut man es hier (noch) hat.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.