Streit in Tschechien Präsident verweigert schwulem Dozenten Professur

Tschechiens Präsident Zeman weigert sich, einen schwulen Akademiker zum Professor zu ernennen. Hintergrund ist offenbar ein Plakat, das der katholische Literaturdozent auf einer Homosexuellen-Demo hochgehalten hatte. An der Uni regt sich Widerstand, Studenten rufen zu Protesten auf.
Staatsoberhaupt Zeman: Streit um schwulen Dozenten

Staatsoberhaupt Zeman: Streit um schwulen Dozenten

Foto: MICHAL CIZEK/ AFP

Prag/Hamburg - Tschechiens Präsident Milos Zeman hat in seinem Land eine Debatte über die Rechte von Homosexuellen ausgelöst. Der 68-Jährige weigert sich, den Literaturwissenschaftler Martin C. Putna zum Professor zu ernennen.

Putna bekennt sich offen zu seiner Homosexualität und gilt als einer der bekanntesten katholischen Intellektuellen Tschechiens. In seinen Arbeiten und Aufsätzen setzt sich der 44 Jahre alte Literaturdozent an der Karls-Universität besonders mit dem Verhältnis zwischen Homosexualität und Christentum auseinander. Bereits seit 1998 ist Putna habilitiert.

Präsident Zeman sagte der Zeitung "Lidové noviny", er respektiere Putnas sexuelle Orientierung. Etwas anderes sei es allerdings, durch Prag mit einem Transparent mit der Aufschrift "Katholische Tunten grüßen Bátora" zu laufen. Zeman spielte dabei auf die Beteiligung Putnas an der Schwulendemo "Prague Pride" an, die vom rechtskonservativen Aktivisten Ladislav Bátora wiederholt kritisiert wurde. Vor zwei Jahren war Putna bei der "Prague Pride" mit diesem Schild aufgetreten. Bátora hatte eine Gegendemonstration zu der Schwulenparade organisiert.

In Tschechien ernennt der Präsident traditionell bei einem jährlichen Festakt die neuen Professoren. Kritiker werfen dem Anfang März angetretenen Zeman politische Einflussnahme und Störung der akademischen Freiheiten vor. Der Vorstand des Tschechischen Hochschulrats bezeichnete das Verhalten des Präsidenten als "präzedenzlosen Eingriff in die Autonomie der Hochschulen" und rief ihn auf, seine Position darzulegen. Für Donnerstag haben Studentenvertreter zu Protesten aufgerufen.

syd/dpa