Bankbesuch von tschechischem EU-Abgeordneten Das 350-Millionen-Euro-Rätsel

Der EU-Parlamentarier Miloslav Ransdorf will mit offenbar falschen Papieren bei einer Schweizer Bank Hunderte Millionen Euro abheben. Er wird von der Polizei verhaftet. Nun versucht sich der tschechische Kommunist an einer Erklärung.
Politiker Ransdorf: Reines Gewissen?

Politiker Ransdorf: Reines Gewissen?

Foto: imago/CTK Photo

Der tschechische Europaabgeordnete Miloslav Ransdorf, 62, ist wegen eines seltsamen Bankbesuchs in Erklärungsnöte geraten. Die Schweizer Polizei hatte den Politiker am Donnerstag in einer Bank in Zürich festgenommen. Nach Darstellung des slowakischen Innenministers, Robert Kalinak, hatte Ransdorf versucht, zusammen mit drei Slowaken die Auszahlung von umgerechnet gut 350 Millionen Euro zu veranlassen, dabei aber gefälschte Papiere vorgelegt.

"Die Bank stellte fest, dass die Ausweise nicht der Wirklichkeit entsprachen, und rief die Polizei", sagte Kalinak der Nachrichtenagentur CTK. Die Polizei habe die Vierergruppe festgenommen und später herausgefunden, dass zwei der Slowaken, die Ransdorf begleiteten, wegen Betrugs- und Steuerdelikten vorbestraft seien.

Ransdorf sitzt seit 2004 für die kommunistische Partei KSCM im Europaparlament. Er gilt als ausgemachter Experte für Karl Marx. In den Achtzigerjahren hatte er Vorlesungen über antike und mittelalterliche Philosophie an der Karls-Universität in Prag gehalten. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa war Ransdorf in den vergangenen Jahren wiederholt wegen Schulden in die Schlagzeilen geraten.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Politiker in die Kritik gerät. 2013 hatte ein niederländischer Reporter Ransdorf dabei ertappt, wie er sich in die Anwesenheitsliste des EU-Parlaments eingetragen hatte, um das Tagesgeld für Abgeordnete in Höhe von 300 Euro zu kassieren. Schon nach wenigen Minuten verließ Ransdorf seinen Arbeitsplatz wieder. Als der Reporter den Tschechen darauf ansprach, wurde Ransdorf handgreiflich (siehe Video ).

Versuch einer Erklärung

Mit dem seltsamen Bankbesuch des Kommunisten befasst sich nun die Staatsanwaltschaft. Ransdorf selbst ist seit Samstag wieder auf freiem Fuß. Am Sonntag nahm er zu dem Vorgang erstmals Stellung - ließ aber viele Fragen unbeantwortet. Er habe im Auftrag eines Bankkunden mit den Initialen "V. H." gehandelt, beteuerte Ransdorf schriftlich. Dessen Vollmacht habe er der Bank vorgelegt. Dass sie gefälscht sein könnte, wies Ransdorf zurück. Er habe ein reines Gewissen.

Der Vorsitzende der tschechischen Kommunisten, Vojtech Filip, verlangte weitere Erklärungen. Ransdorf habe in Zürich "keine Parteiaufgabe erfüllt", sagte er im Sender CT.

Filips Ansicht nach könnte der Besuch mit sogenannten nachrichtenlosen Konten von Juden aus dem Zweiten Weltkrieg zusammenhängen. Dabei handelt es sich um Konten, bei denen die Banken den Kundenkontakt verloren haben, da deren Besitzer vermutlich verstorben sind. Es bestehe ein Interesse daran, diese Vermögenswerte ihren ursprünglichen Besitzern oder deren Erben zuzuordnen, sagte Filip.

ssu/dpa/Reuters
Mehr lesen über