Ministerkonferenz Islamische Staaten versprechen Reformen

Etwa 20 Staaten der islamischen Welt haben in der marokkanischen Hauptstadt Rabat die Einleitung demokratischer und wirtschaftlicher Reformen zugesagt. Die westlichen Industriestaaten versprachen im Gegenzug umfangreiche Hilfen.

Rabat - Das gemeinsame Ministertreffen zwischen Staaten der islamischen Welt und der westlichen Industrienationen war das erste seiner Art. Es endete heute in der marokkanischen Hauptstadt mit der Zusage des Westens an die islamischen Länder, deren Reformprozess in jeder Hinsicht zu unterstützen. US-Außenminister Colin Powell sagte nach Abschluss des Treffens: "Dies war eine sehr erfolgreiche und historische Konferenz".

Das auf der Konferenz verabschiedete Reformprojekt soll den islamischen Staaten die Teilnahme am Prozess der Globalisierung ermöglichen und zugleich zur Bekämpfung des Terrorismus beitragen. An der Konferenz hatten die Außen- und Finanzminister aus den Ländern der G-8-Gruppe und aus etwa 20 Ländern des Nahen und Mittleren Ostens sowie Nordafrikas teilgenommen. Bundesaußenminister Joschka Fischer bezeichnete die Modernisierung der islamischen Welt als ein "Generationenprojekt". Fischer ergänzte: "Wir stehen (in diesem Prozess) erst am Anfang des ersten Kapitels".

Das - von US-Präsident George W. Bush initiierte - Reformvorhaben ist in weiten Teilen der islamischen Welt umstritten. In mehreren Ländern wurde der Vorwurf laut, die Amerikaner wollten den islamischen Staaten das System des Westens aufzwingen. Die USA wiesen diese Befürchtungen zurück. "Ein wirklicher Wandel kann nur aus den jeweiligen Ländern selbst komme", sagte Powell.

Ägypten beklagte sich darüber, dass die G-8-Gruppe bisher ihre finanzielle Zusagen nicht eingehalten habe. Der Generalsekretär der Arabische Liga, Amre Mussa, warnte davor, die islamische Welt mit dem Terrorismus zu identifizieren. "Der Terror ist nicht einer bestimmten Kultur oder Gesellschaft eigen. Extremisten gibt es überall."

Die Minister beschlossen, 2005 eine Folgekonferenz in Bahrain abzuhalten. Die Initiative sieht vor, dass die G-8-Länder den Staaten des Nahen und Mittleren Ostens (ohne Israel) sowie Nordafrikas konkrete Hilfen bei der Demokratisierung sowie bei Sozial- und Wirtschaftsreformen leisten. Erst vor zwei Wochen hatten in Rabat bis zu 50 000 Menschen gegen die Politik der USA demonstriert.