Minutenprotokoll Ärzte-Engpass verschärft Lage in Libyen

Getty Images

3. Teil: Ben Dschawad fällt an Gaddafis Truppen


+++ Uno will Notzugang zu bombardiertem Misurata +++

[11.44 Uhr] Hilfsorganisationen bräuchten jetzt einen Notzugang zu der Stadt Misurata, fordert Uno-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos. In dem Ort 150 Kilometer östlich von Tripolis gebe es Menschen, die "verletzt sind und im Sterben liegen und sofort Hilfe brauchen". Schwere Kämpfe hatten Misurata am Sonntag erschüttert, als Regierungstruppen angriffen. Einem Krankenhausarzt zufolge kamen mindestens 18 Menschen ums Leben.

+++ Aufständische lehnen Gespräche mit Gaddafi kategorisch ab +++

[11.40 Uhr] Die Rebellen sehen weiter keinen Spielraum für einen Dialog mit Muammar al-Gaddafi. Grundlage jeglicher Gespräche sei ein Rücktritt des Machthabers, bekräftigte ein Vertreter der Aufständischen in Bengasi.

+++ Al-Dschasira: US-Aufklärer kundschaftet Flugbewegungen aus +++

[11.37 Uhr] Seit mehreren Tagen erkundet offenbar ein US-Aufklärungsflugzeug vom Typ Awacs die Region um Libyen - das jedenfalls berichtet der arabische Fernsehsender al-Dschasira. Den Angaben zufolge hält die Besatzung ständigen Kontakt zur Luftraumüberwachung auf Malta. Besonderes Interesse fand demnach der Privatjet von Muammar al-Gaddafi.

+++ Viele Verletzungen sind Unfälle +++

[11.12 Uhr] In ein Krankenhaus in Brega werden Verwundete eingeliefert. Viele Kämpfer hätten sich selbst verletzt, berichtet ein Arzt der al-Dschasira-Reporterin Jacky Rowland. Das zeige einmal mehr, so die Journalistin, dass unter den Aufständischen viele Freiwillige seien, die noch nie zuvor mit einer Waffe hantiert hätten. "Viele Verletzungen - und sogar Todesfälle - sind Unfälle", sagt Rowland. "Das zeigt einmal mehr das fehlende Wissen und fehlende Disziplin in der Truppe."

+++ Gaddafi-Anhänger feiern in Tripolis +++

[11.01 Uhr] Die BBC zeigt Bilder von feiernden Menschen am Sonntag in Tripolis: Einige tausend Menschen schwenken die grüne Nationalflagge, Kinder halten Porträts von Muammar al-Gaddafi. Musik wird gespielt, die Menschen tanzen. Sie rufen "Muammar, Gott und niemand anderes". In Tripolis glaubten viele, dass im Osten Libyens Extremisten an die Macht gelangt seien, berichtet ein BBC-Reporter.

+++ Gaddafi-Getreue im Westen "zuversichtlich" +++

[10.52 Uhr] Offenbar schlägt die Stimmung in Libyen um. Nach Angaben des BBC-Reporters Wyre Davies sind die Gaddafi-Getreuen im Westen des Landes "zunehmend zuversichtlich. Sie haben das Gefühl, dass sie einen guten Lauf haben", und versuchten, Gebiete wieder unter Kontrolle zu bekommen, die zuletzt in der Hand der Rebellen waren. Die Stadt Misurata sei in den vergangenen 24 Stunden unter heftigem Beschuss gewesen, ebenso Sawija westlich von Tripolis. Die Gaddafi-Truppen würden alles daran setzen voranzukommen.

+++ Gaddafi diffamiert Rebellen als Terroristen +++

[10.48 Uhr] Für den Aufstand gegen ihn macht Gaddafi erneut "bewaffnete Extremisten" und das Terrornetzwerk al-Qaida verantwortlich. "Diejenigen, die derzeit in Bengasi eine Waffe tragen, gehören zu al-Qaida", sagt er im französischen Fernsehsender France 24. Die Hafenstadt Bengasi ist die Hochburg der Aufständischen.

+++ Die Freiwilligenarmee der Rebellen +++

[10.38 Uhr] Ein BBC-Journalist berichtet, wer auf Seiten der Aufständischen gegen Gaddafi kämpft: "Es sind hauptsächlich Freiwillige. Ihre Ausrüstung und Uniformen haben sie zuvor erobert", beschreibt Reporter John Simpson die Rebellen. "Wenn sie eine Strategie haben, ist sie mir nicht wirklich klar." Theoretisch müssten die Truppen immer westwärts marschieren, bis sie Tripolis erreichten. Dass Gaddafis Militär nun aber Ben Dschawad zurückerobert hat, sei ein bedeutender Rückschlag.

+++ Sorgen statt Euphorie in Bengasi +++

[10.32 Uhr] Die ostlibysche Stadt Bengasi ist eine Hochburg der Rebellen. Doch die anfängliche Euphorie ebbe ab, berichtet ein Reporter von al-Dschasira. Gaddafi, das wird immer deutlicher, kann nicht so schnell aus dem Amt gedrängt werden wie die Präsidenten von Tunesien oder Ägypten. Im Vergleich zu den Regierungstruppen sind die Aufständischen schlecht ausgestattet und ausgebildet. Ein Mann in Bengasi befürchtet etwa, dass Gaddafi seine Gegner in eine Falle locken wolle. Viele junge Männer seien an die Front gegangen, keiner könne Bengasi jetzt noch verteidigen.

+++ Ben Dschawad fällt an Gaddafis Truppen +++

[10.23 Uhr] Die BBC meldet, die Regierungstruppen würden jetzt Ben Dschawad kontrollieren.

+++ "Die Rebellen sind klar im Nachteil" +++

[10.21 Uhr] BBC-Reporter John Simpson berichtet von den heftigen Kämpfen am Rande der Stadt Ben Dschawad: "Während der Dunkelheit ließen die Schusswechsel und der Granatbeschuss nach, aber als die Sonne aufging, ging es mit den Explosionen wieder los. Die Rebellen sind klar im Nachteil", meldet er. Gaddafis Truppen seien nun "besser ausgerüstet und stärker" im Vergleich zu den Kämpfen im Osten in der vorigen Woche. Simpson zitiert Aufständische, in der Stadt würden Anwohner von Regierungstruppen zum Bleiben gezwungen, um die "als menschliche Schutzschilde" zu missbrauchen. Die Rebellen wollten nun schwere Geschütze beschaffen, um sich besser zur Wehr setzen zu können.

+++ Gaddafis Luftwaffe attackiert Ras Lanuf +++

[9.57 Uhr] Die Luftwaffe von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi greift die von Rebellen kontrollierte Stadt Ras Lanuf an. Das berichten Journalisten der Nachrichtenagentur AFP, die vor Ort sind. Ras Lanuf war von den Gaddafi-Gegnern am Freitag eingenommen worden. Am Sonntag wurde die Ortschaft von der libyschen Luftwaffe angegriffen. Die Aufständischen konnten sich aber in Ras Lanuf halten. Bei den Kämpfen kamen nach jüngsten Angaben mindestens sieben Menschen ums Leben, mehr als 50 wurden verletzt.

+++ Gaddafi-Truppen rücken auf Ölstadt Ras Lanuf vor +++

[9.15 Uhr] Die Regierungskräfte rücken laut Augenzeugen auf die Ölstadt Ras Lanuf im Osten des Landes vor. Auch ein Kampfflugzeug sei am Himmel ausgemacht worden.



insgesamt 103 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
jappiduttiperslikkenberg, 07.03.2011
1. Wenn , . . .
Zitat von sysopIn Libyen droht ein neuer Tag blutiger Kämpfe: Gaddafis Soldaten greifen den Ölhafen Ras Lanuf an, Rebellen haben den Ort erst vor kurzem erobert. Die Menschen sind mit ihren Habseligkeiten auf der Flucht. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,749378,00.html
... wie diese begnadete intellektuelle Lichtgestalt Gaddafi verkündet, die gegen ihn rebellierenden Libyer alle al Quaida-Leute sind, sollte er gleichzeitig mal erklären, wie es kommen konnte, daß offenbar auch sein halbes Diplomatisches Corps und sein Kabinett von Herrn bin Ladin unterwandert werden konnten.
paoloDeG 07.03.2011
2. Bürger Krieg in Libyen!
Die Europäische Union erlebt zur Zeit den Krieg vor der Haustür! Die Lage ist ernster als man denkt! Deutscland liegt weit von Libyen, aber Italien und Griechenland liegen sehr nah! Tag täglich kommen meistens junge illegale Leuten nach Italien und es vird schlimmer werden! Es sieht aus wie eine Invasion! Es ist umbedingt nötig dass die europäische Union schon Heute dementsprechende Maßnahmen ergreift zusammen mit den Vereinigten Staaten von Amerika! Man soll die Küste Libyens und Tunesiens schon vom Boden aus kontrollieren und Frieden schaffen!
cycokan, 07.03.2011
3. Dilemma
Ich bin Kriegsdienstverweigerer. Allerdings einer aus einer vergangenen Zeit. Damals sah ich mich / uns als Spielball des kalten Krieges und wollte keinesfalls gegen deutsche Landsleute kämpfen. Nun bin ich in mehreren moralischen Dilemmas: ich bin weiterhin grundsätzlich gegen Waffengewalt als Fortsetzung der Politik. Ich will auch nicht von heutigen jungen Leuten verlangen, was ich damals nicht zu geben bereit war. Meine Vernunft aber meldet sich und sagt: die Unterdrückten Menschen in Libyen brauchen unsere Unterstützung, sie brauchen Rettung vor der überlegenen Waffengewalt des Diktators. Und sie brauchen sie wohl schnell, bevor die Anzahl der Opfer in unerträgliche Höhen steigt. Daraus folgt aber für jetzt und die Zukunft ein Rattenschwanz von Maßnahmen. Bei mir reift die Erkenntnis, dass wir nun eben nicht mehr passiver Spielball im Ost / West Konflikt sind, sondern wesentlicher Akteur im europäischen Rahmen sein sollten. Dieser Rolle können wir aber kaum mit der derzeitigen Ausrüstung an Qualität und Quantität der Bundeswehr entsprechen. Gleichzeitig ist es, glaube ich, keine unwahrscheinliche Prognose, dass es in der arabischen Welt, in Afrika, in Teilen Asiens noch mindestens jahrzehntelang Konfliktstoff aller Art gibt und sicher noch rund 100 Diktatoren auf dieser Welt. Wir müssen nun, mMn, auf schnellstem Weg, am besten europäisch integriert, die militärischen Kapazitäten und den politischen Mut schaffen, um jederzeit eingreifen zu können. Und wenn das nicht europäisch funktioniert, dann können wir, als großes europäisches Land, uns nicht damit entschuldigen, sondern müssen im Zweifel auch allein Einsatzfähigkeit erreichen. Es kann nicht sein, wenn die Wiki Zahlen stimmen, dass ein 6 Milionen Ölstaat über 100 - 150 moderne Jagdflugzeuge verfügt und Deutschland gerade mal 55 Eurofighter einsatzbereit hat. Es kann nicht sein, dass wir keine Transportflugzeuge besitzen, die schwere Waffen tragen können. Und letztlich kann auch nicht sein, das nicht in jedem Weltmeer mindestens ein europäischer Flugzeugträger in Einsatzbereitschaft steht. Da wird man investieren müssen, oder die Weltpolitik findet ohne Europa statt.
ThomasGB, 07.03.2011
4. ...
"Diese Taktik sei auch in Afghanistan zum Sturz der Taliban 2001 eingesetzt worden. Es sei demnach auch möglich, die schlecht ausgerüsteten Aufständischen mit Waffenlieferung zu unterstützen." Muß ich jetzt lachen ?
gunman, 07.03.2011
5. Nein!
Zitat von paoloDeGDie Europäische Union erlebt zur Zeit den Krieg vor der Haustür! Die Lage ist ernster als man denkt! Deutscland liegt weit von Libyen, aber Italien und Griechenland liegen sehr nah! Tag täglich kommen meistens junge illegale Leuten nach Italien und es vird schlimmer werden! Es sieht aus wie eine Invasion! Es ist umbedingt nötig dass die europäische Union schon Heute dementsprechende Maßnahmen ergreift zusammen mit den Vereinigten Staaten von Amerika! Man soll die Küste Libyens und Tunesiens schon vom Boden aus kontrollieren und Frieden schaffen!
Nein! Ausbrennen lassen! Alternative ist dort, für die nächsten 100 Jahre "Friedenstruppen" wie in Afghanistan zu stationieren und oder ein 2. Somalia zu erhalten. Außerdem gibt es Gadaffi seit 40 Jahren. Alles vollkommen bigott insoweit. Wer Gadaffi jetzt durch Weltpolizei beseitigen will, kann sich als nächste gleich Kim il Sung vornehmen. Dort wartet auch noch ein Volk auf Befreiung. Es geht danach im Libyen um Krieg, Politik und wie immer innerhalb der Politik ganz zum Schluss um Menschenrechte. Begreift das doch endlich oder fangt bei Zeiten, an die Dinge zu ändern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.