Minutenprotokoll Ärzte-Engpass verschärft Lage in Libyen

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4. Teil: Uno und EU entsenden Inspekteure nach Libyen


+++ Einwohner flüchten aus Ras Lanuf +++

[9.04 Uhr] Aus Angst vor Vergeltungsangriffen von Gaddafis Truppen verlassen die Einwohner von Ras Lanuf ihre Stadt. Reporter der Agentur Reuters berichten, die Menschen würden mit Autos flüchten, die Wagen beladen mit ihren Habseligkeiten. "Wir haben gehört, dass sie Menschen festnehmen und entführen. Wir müssen jetzt weg", sagte ein Familienvater mit Blick auf mögliche Angriffe von Gaddafi-Anhängern. In dem einzigen Hotel in der Stadt, das fast ausschließlich von Journalisten bewohnt wird, lief das Personal in der Nacht aufgeregt durch die Gänge. "Schnell, schnell, Sie müssen gehen", riefen die Angestellten. Auch die Rebellen haben demnach begonnen, ihre Waffen in die Wüste zu verlegen.

+++ Aufständische wollen sich neu formieren +++

[9.00 Uhr] Angesichts der Gegenoffensive der libyschen Regierungstruppen haben die Aufständischen angekündigt, sich neu zu formieren. Mohamad Samir, ein Heeresoberst auf Seiten der Aufständischen, sagt der Nachrichtenagentur AP im Ölhafen Ras Lanuf, nach Rückschlägen am Sonntag bräuchten seine Truppen Verstärkung aus dem Osten des Landes. Dieser Teil Libyens wird von Regierungsgegnern kontrolliert. Außerdem bräuchten die Rebellen schwere Waffen.

+++ "New York Times": USA bereiten Militäreinsatz in Libyen vor +++

[8.55 Uhr] Die US-Streitkräfte planen einem Bericht zufolge einen eventuellen Militäreinsatz in Libyen. Die Zeitung "New York Times" berichtet unter Berufung auf ungenannte Regierungsmitarbeiter, der Einsatz von Flugzeugen im internationalen Luftraum werde vorbereitet. Mit den Flugzeugen könne die Funkkommunikation in Libyen gestört werden. Zudem seien weitere Marineverbände vor der libyschen Küste in Stellung gegangen. Dem Zeitungsbericht zufolge liegen die beiden Angriffsschiffe "Kearsarge" und "Ponce" in Reichweite vor Tripolis. Eine Option ist dem Bericht zufolge, Sondereinsatztruppen in Libyen einzuschleusen, um die Aufständischen zu unterstützen. Diese speziell ausgebildeten Einheiten könnten die Kampfkraft der Rebellen praktisch über Nacht verbessern, schrieb die Zeitung. Diese Taktik sei auch in Afghanistan zum Sturz der Taliban 2001 eingesetzt worden. Es sei demnach auch möglich, die schlecht ausgerüsteten Aufständischen mit Waffenlieferung zu unterstützen.

+++ Opec erwägt Sondersitzung wegen Libyen-Krise +++

[8.49 Uhr] Die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) prüft wegen der Libyen-Krise eine Sondersitzung des Kartells. Die Opec verfolge die Lage genau und entscheide dann, ob solch ein Treffen nötig sei, erklärt der Energieminister aus Katar, Mohammed Saleh al-Sada. Es gebe "keinen Grund für Nervosität". Eine Reihe von Ländern sei in der Lage, den Ausfall der libyschen Ölproduktion zu ersetzen.

+++ Ölpreise steigen weiter +++

[7.48 Uhr] Die Ölpreise haben am Montag weiter zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April kostet im frühen Handel 117,22 US-Dollar. Das sind 1,25 Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) ist um 1,76 Dollar auf 106,18 Dollar gestiegen. Hauptthema am Markt ist nach wie vor die Lage in Libyen. Am Ölmarkt mehren die Kämpfe die Sorgen vor weiteren Versorgungsengpässen. Zudem wird befürchtet, dass die Unruhen auf andere wichtige Ölstaaten wie Saudi Arabien oder Kuwait übergreifen könnten.

+++ Uno und EU entsenden Inspekteure nach Libyen +++

[7.25 Uhr] - Mit Erkundungsteams wollen sich die Europäische Union und die Vereinten Nationen ein Bild von der Lage im umkämpften Libyen machen. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sei zugesagt worden, ein "humanitäres Erkundungsteam" der Vereinten Nationen dürfe nach Tripolis reisen, teilt ein Sprecher der Organisation in New York nach einem Telefonat Bans mit dem libyschen Außenminister Mussa Kussa mit. Das Erkundungsteam werde vom Uno-Büro für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) organisiert. Ob es neben der Hauptstadt Tripolis auch andere Städte besuchen dürfe, sei noch unklar. Nach Angaben des Sprechers ernannte Ban mit dem ehemaligen jordanischen Außenminister Abdelilah al-Chatib zudem einen Sondergesandten für Libyen.

Darüber hinaus soll das von der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton entsandte Expertenteam in den nächsten Tagen Informationen "aus erster Hand" über die bisherigen Hilfsaktionen sammeln und eine Einschätzung abzugeben, welche weiteren humanitären Maßnahmen nötig seien, teilt die EU mit.

+++ Gaddafi-Regierung kritisiert Diplomaten-Kontakte zu Rebellen +++

[07.20 Uhr] Dschumaa Ibrahim, ein Staatssekretär im libyschen Außenministerium, nennt es "nicht akzeptabel und illegal", dass französische und britische Diplomaten Kontakte zu den Rebellen im Osten des Landes aufgenommen hätten. Der einzige Ansprechpartner für die Regierungen dieser beiden europäischen Länder müsse die libysche Regierung sein, sagte er am Sonntagabend.

+++ Rebellen nehmen Soldaten gefangen +++

[7.06 Uhr] Libysche Rebellen haben bei Kämpfen gegen die Truppen von Muammar al-Gaddafi im Westen des Landes nach eigenen Angaben mehr als ein Dutzend Soldaten gefangen genommen. Ein Sprecher der Aufständischen sagt dem arabischen Nachrichtensender al-Dschasira, von den 14 Soldaten der Chamis-Brigade seien vier verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Die Brigade ist dem Gaddafi-Sohn Chamis unterstellt.

lgr/kgp/ffr/dpa/dapd/Reuters/AFP



insgesamt 103 Beiträge
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jappiduttiperslikkenberg, 07.03.2011
1. Wenn , . . .
Zitat von sysopIn Libyen droht ein neuer Tag blutiger Kämpfe: Gaddafis Soldaten greifen den Ölhafen Ras Lanuf an, Rebellen haben den Ort erst vor kurzem erobert. Die Menschen sind mit ihren Habseligkeiten auf der Flucht. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,749378,00.html
... wie diese begnadete intellektuelle Lichtgestalt Gaddafi verkündet, die gegen ihn rebellierenden Libyer alle al Quaida-Leute sind, sollte er gleichzeitig mal erklären, wie es kommen konnte, daß offenbar auch sein halbes Diplomatisches Corps und sein Kabinett von Herrn bin Ladin unterwandert werden konnten.
paoloDeG 07.03.2011
2. Bürger Krieg in Libyen!
Die Europäische Union erlebt zur Zeit den Krieg vor der Haustür! Die Lage ist ernster als man denkt! Deutscland liegt weit von Libyen, aber Italien und Griechenland liegen sehr nah! Tag täglich kommen meistens junge illegale Leuten nach Italien und es vird schlimmer werden! Es sieht aus wie eine Invasion! Es ist umbedingt nötig dass die europäische Union schon Heute dementsprechende Maßnahmen ergreift zusammen mit den Vereinigten Staaten von Amerika! Man soll die Küste Libyens und Tunesiens schon vom Boden aus kontrollieren und Frieden schaffen!
cycokan, 07.03.2011
3. Dilemma
Ich bin Kriegsdienstverweigerer. Allerdings einer aus einer vergangenen Zeit. Damals sah ich mich / uns als Spielball des kalten Krieges und wollte keinesfalls gegen deutsche Landsleute kämpfen. Nun bin ich in mehreren moralischen Dilemmas: ich bin weiterhin grundsätzlich gegen Waffengewalt als Fortsetzung der Politik. Ich will auch nicht von heutigen jungen Leuten verlangen, was ich damals nicht zu geben bereit war. Meine Vernunft aber meldet sich und sagt: die Unterdrückten Menschen in Libyen brauchen unsere Unterstützung, sie brauchen Rettung vor der überlegenen Waffengewalt des Diktators. Und sie brauchen sie wohl schnell, bevor die Anzahl der Opfer in unerträgliche Höhen steigt. Daraus folgt aber für jetzt und die Zukunft ein Rattenschwanz von Maßnahmen. Bei mir reift die Erkenntnis, dass wir nun eben nicht mehr passiver Spielball im Ost / West Konflikt sind, sondern wesentlicher Akteur im europäischen Rahmen sein sollten. Dieser Rolle können wir aber kaum mit der derzeitigen Ausrüstung an Qualität und Quantität der Bundeswehr entsprechen. Gleichzeitig ist es, glaube ich, keine unwahrscheinliche Prognose, dass es in der arabischen Welt, in Afrika, in Teilen Asiens noch mindestens jahrzehntelang Konfliktstoff aller Art gibt und sicher noch rund 100 Diktatoren auf dieser Welt. Wir müssen nun, mMn, auf schnellstem Weg, am besten europäisch integriert, die militärischen Kapazitäten und den politischen Mut schaffen, um jederzeit eingreifen zu können. Und wenn das nicht europäisch funktioniert, dann können wir, als großes europäisches Land, uns nicht damit entschuldigen, sondern müssen im Zweifel auch allein Einsatzfähigkeit erreichen. Es kann nicht sein, wenn die Wiki Zahlen stimmen, dass ein 6 Milionen Ölstaat über 100 - 150 moderne Jagdflugzeuge verfügt und Deutschland gerade mal 55 Eurofighter einsatzbereit hat. Es kann nicht sein, dass wir keine Transportflugzeuge besitzen, die schwere Waffen tragen können. Und letztlich kann auch nicht sein, das nicht in jedem Weltmeer mindestens ein europäischer Flugzeugträger in Einsatzbereitschaft steht. Da wird man investieren müssen, oder die Weltpolitik findet ohne Europa statt.
ThomasGB, 07.03.2011
4. ...
"Diese Taktik sei auch in Afghanistan zum Sturz der Taliban 2001 eingesetzt worden. Es sei demnach auch möglich, die schlecht ausgerüsteten Aufständischen mit Waffenlieferung zu unterstützen." Muß ich jetzt lachen ?
gunman, 07.03.2011
5. Nein!
Zitat von paoloDeGDie Europäische Union erlebt zur Zeit den Krieg vor der Haustür! Die Lage ist ernster als man denkt! Deutscland liegt weit von Libyen, aber Italien und Griechenland liegen sehr nah! Tag täglich kommen meistens junge illegale Leuten nach Italien und es vird schlimmer werden! Es sieht aus wie eine Invasion! Es ist umbedingt nötig dass die europäische Union schon Heute dementsprechende Maßnahmen ergreift zusammen mit den Vereinigten Staaten von Amerika! Man soll die Küste Libyens und Tunesiens schon vom Boden aus kontrollieren und Frieden schaffen!
Nein! Ausbrennen lassen! Alternative ist dort, für die nächsten 100 Jahre "Friedenstruppen" wie in Afghanistan zu stationieren und oder ein 2. Somalia zu erhalten. Außerdem gibt es Gadaffi seit 40 Jahren. Alles vollkommen bigott insoweit. Wer Gadaffi jetzt durch Weltpolizei beseitigen will, kann sich als nächste gleich Kim il Sung vornehmen. Dort wartet auch noch ein Volk auf Befreiung. Es geht danach im Libyen um Krieg, Politik und wie immer innerhalb der Politik ganz zum Schluss um Menschenrechte. Begreift das doch endlich oder fangt bei Zeiten, an die Dinge zu ändern.
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