Minutenprotokoll Rekordproteste am Freitag erwartet

Erst Jubel, dann brutale Enttäuschung: Berichte über einen schnellen Rücktritt Husni Mubaraks lockten am Abend Zigtausende auf den Tahrir-Platz in Kairo, dann zerplatzen ihre Hoffnungen. Lesen sie die Ereignisse des Tages im Minutenprototokoll nach.
Minutenprotokoll: Rekordproteste am Freitag erwartet

Minutenprotokoll: Rekordproteste am Freitag erwartet

Foto: Felipe Trueba/ dpa

+++ Rekordproteste für Freitag erwartet +++

[0.45 Uhr] Noch immer sind Tausende Menschen auf den Straßen Kairos und anderer Städte unterwegs. Al-Dschasira berichtet, die Lage sei, von kleineren Zwischenfällen abgesehen, ruhig. Auch der Tahrir-Platz leert sich langsam. Zum Freitagsgebet werden die Massen jedoch zurückkehren. Dann werden Proteste erwartet, die alle bisherigen in den Schatten stellen könnten. Ägypten steht ein denkwürdiger - und womöglich entscheidender - Tag bevor.

+++ Suleiman "keine glaubwürdige Figur" +++

[0.40 Uhr] Stephen Grand vom Think Tank Brookings Institution fordert laut "Guardian", die USA müssten ihren ganzen Einfluss nutzen, damit Mubarak erkenne, dass er gehen muss. Suleiman habe gezeigt, "dass er keine glaubwürdige Figur ist". Das Weiße Haus hat ein Statement angekündigt. Wann sich US-Präsident Barack Obama äußern will, ist noch unklar.

+++ ElBaradei: Mubarak und Suleiman sind "Zwillinge" +++

[0.24 Uhr] Der Oppositionelle und Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei übt heftige Kritik am Duo Mubarak/Suleiman: Im CNN-Interview sagte er, Präsident und Vizepräsident seien "Zwillinge". "Keiner von beiden ist für die Menschen akzeptabel", so ElBaradei weiter. Zur Armee, die bei den kommenden Protesten eine entscheidende Rolle spielen könnte, sagte ElBaradei, es sei unklar, auf welcher Seite die Streitkräfte stünden.

+++ Parlamentssprecher präzisiert neue Machtverteilung +++

[0.08 Uhr] Parlamentssprecher Ahmed Fathi Srour bestätigt die Aussagen des ägyptischen Botschafters in den USA: Husni Mubarak habe seine Machtbefugnisse als Präsident an Vize Omar Suleiman übergeben. Diese umfassen demnach unter anderem die Aufsicht über die Polizei, das Innenministerium und andere Schlüsseleinrichtungen. Laut CNN wies Srour darauf hin, dass die Verfassung es ausdrücklich verbiete, andere Befugnisse an den Vizepräsidenten zu übertragen. Daher bleibe das Recht, das Parlament aufzulösen, die Regierung zu entlassen oder Verfassungsänderungen anzuregen bei Mubarak.

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TV-Ansprache: Mubarak schockiert die Massen

Foto: Khaled Elfiqi/ dpa

+++ Ägyptischer Botschafter: Suleiman ist "de facto" Präsident" +++

[23.54 Uhr] Erstmals hat sich ein ägyptischer Offizieller zur neuen Machtverteilung an der Staatsspitze geäußert. Sameh Shoukry, Botschafter in den USA, teilte CNN am Telefon mit, dass Mubarak alle Befugnisse an Vizepräsident Suleiman übertragen habe. Mubarak sei damit zwar rechtlich gesehen noch Präsident, Suleiman aber "de facto". Diese Informationen, so Shoukry, habe er vom Vizepräsidenten. Auf die Frage, ob Mubarak damit letztlich machtlos sei, sagte er: "Das ist sicherlich eine Interpretation, die man machen kann." Ob Mubarak seine Befugnisse zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückbekommen könne? "Das ist eine technische konstitutionelle Frage, zu der ich nichts sagen kann", so Shoukry.

+++ Sarkozy nennt Mubarak-Rücktritt "unumgänglich" +++

[23.47 Uhr] Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat einen Rücktritt Mubaraks als unumgänglich bezeichnet. Zugleich erklärte er am Donnerstagabend, Ägypten dürfte sich nicht in eine "religiöse Diktatur" verwandeln. Er hoffe, dass der Staat "den Weg der Demokratie findet und nicht den Weg einer anderen Diktatur, einer religiösen Diktatur", sagte Sarkozy im französischen Fernsehen.

+++ ElBaradei: "Ägypten wird explodieren" +++

[23.41 Uhr] Einer der führenden Oppositionellen, Mohamed ElBaradei, fürchtet um sein Land. Er twittert: "Ägypten wird explodieren. Die Armee muss das Land jetzt retten."

+++ Demonstranten umringen Gebäude des Staatsfernsehens +++

[23.34 Uhr] Offenbar weitet sich der Protest vom Tahrir-Platz auf weitere Orte aus. Laut CNN bilden Demonstranten eine Menschenkette um die Büros des staatlichen Fernsehens. Die Personen, die zum Präsidentenpalast gehen, haben noch einen ordentlichen Weg vor sich: Der Amtssitz ist etwa 20 Kilometer entfernt vom Tahrir-Platz.

+++ Obama trifft sich mit Sicherheitsberatern +++

[23.32 Uhr] Der "Guardian" berichtet, dass US-Präsident Barack Obama Mubaraks Rede in der Air Force One verfolgt habe. Obama will sich demnach direkt nach seiner Landung mit seinen Sicherheitsberatern treffen.

+++ Bewaffneter Angriff auf ägyptische Sicherheitskräfte +++

[23.29 Uhr] An der Grenze Ägyptens zum Gaza-Streifen hat es offenbar einen bewaffneten Überfall auf die staatlichen Sicherheitskräfte gegeben. Laut der Nachrichtenagentur Reuters griffen Unbekannte die Gebäude eines Grenzpostens in Rafah mit Schusswaffen und Granaten an. Berichte über Verletzte gibt es bisher nicht.

+++ Westerwelle: "Rede war nicht der erhoffte Schritt nach vorn"+++

[23.20 Uhr] Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat enttäuscht auf die Ansprache von Staatspräsident Mubarak reagiert. "Diese Rede hat keine neuen Perspektiven aufgezeigt. Sie war nicht der erhoffte Schritt nach vorn", sagte Westerwelle am Donnerstag in New York. "Ich fürchte, dass diese Rede keine befriedende Entwicklung in Ägypten entfalten kann." Die Sorgen der Bundesregierung seien "eher größer und nicht kleiner" geworden.

+++ Mubaraks Motive bleiben unklar +++

[23.15 Uhr] Was Mubarak mit seiner Rede bezweckt, ist unklar. Die BBC zitiert einen Experten, der Machtspiele zwischen Mubarak und dem Militär hinter den Kulissen vermutet. Es sei bizarr, dass der Präsident ausgerechnet an einem Donnerstag die Massen derartig gegen sich aufbringe. Freitag sei in der arabischen Welt traditionell ein heikler Tag für Proteste. CNN vermutet, Mubarak verfolge die Strategie der Provokation um ein hartes Vorgehen gegen die Demonstranten zu rechtfertigen.

+++ Marsch auf den Präsidentenpalast beginnt +++

[23.06 Uhr] Wie die BBC und al-Dschasira übereinstimmend berichten, haben sich Tausende Demonstranten auf den Weg zu Mubaraks Amtssitz gemacht. "Auf zum Palast. Wir gehen als Millionen von Märtyrern", lautet ihr Schlachtruf. Eine andere Gruppe ist offenbar unterwegs zu den Studios des staatlichen Fernsehens. Die Stimmung in Kairo bleibt aufgeheizt.

+++ USA: "Nicht was wir wollten" +++

[23.01 Uhr] Mubarak hat mit seiner Ansprache offenbar nicht nur bei den Demonstranten in Ägypten für Unverständnis gesorgt. "Es ist nicht passiert, was uns gesagt wurde, und es ist nicht das passiert, was wir wollten", zitiert CNN einen US-Regierungsmitarbeiter.

+++ Militärexperte: Armee hält zu Mubarak +++

[22.54 Uhr] Die BBC zitiert den Militärexperten Ali Shukri von der Universität Oxford. Er glaubt, dass die ägyptische Armee sich auf die Seite der Regierung schlagen und "Mubarak bis zum Ende unterstützen" wird. Laut Shukri komme nun der Moment, an dem die Armee vor Ort eine Entscheidung treffen müsse.

+++ Suleiman fordert Ende der Revolte +++

[22.37 Uhr] Nach Präsident Mubarak hält nun auch Vizepräsident Suleiman eine im staatlichen TV übertragene Rede. "Ich verspreche euch, dass ich mit all meiner Kraft für das Volk arbeiten werde." Er wolle einen zivilisierten Dialog mit der Jugend-Bewegung. "Die Menschen in Ägypten sind Helden", sagt er. "Lasst uns miteinander reden." Er fordert ein Ende der Revolte. "Geht zurück in eure Häuser, geht zurück zu eurer Arbeit. Hört nicht auf die Aufrufe aus dem Ausland."

+++ Erste Rangeleien zwischen enttäuschten Demonstranten +++

[22.35 Uhr] An mehreren Stellen auf dem Tahrir-Platz kommt es laut SPIEGEL-ONLINE-Reporter Hasnain Kazim zu lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten. Sie streiten sich über das weitere Vorgehen: Soll man die Nacht hindurch protestieren oder soll man jetzt nach Hause gehen und am Freitag weitermachen? In dem Gedränge gibt es Rangeleien. Bisher bleibt die Lage aber weitgehend friedlich. "Ich hoffe, dass es auch morgen ruhig zugeht und dass die Stimmung nicht kippt", sagt ein Demonstrant. Er werde jetzt mit seinen Freunden zum etwa 20 Kilometer entfernten Präsidentenpalast gehen. Dort haben die Menschen bislang nicht demonstriert - die Lage könnte sich also noch in der Nacht zuspitzen.

+++ Demonstranten ziehen zum Präsidentenpalast +++

[22.27 Uhr] Ein CNN-Reporter berichtet, dass manche Demonstranten sich in Richtung des Präsidentenpalastes aufmachen. Dort hatte sich Präsident Mubarak am frühen Abend mit seinem Stellvertreter Omar Suleiman besprochen.

+++ Wütende Demonstranten kündigen Proteste und Konfrontationen an +++

[22.21 Uhr] Die Lautstärke auf dem Tahrir-Platz wächst laut SPIEGEL-ONLINE-Reporter Hasnain Kazim immer weiter. Hunderttausende Menschen verlangen den Rücktritt Mubaraks, nachdem dieser seine Rede gehalten und kein Wort von Rücktritt hat fallen lassen. Die Anspache war teilweise über Lautsprecher zu hören, viele Menschen verfolgten sie über das Telefon. Schon während der Rede, als das Wort Rücktritt nicht fiel, äußerten Demonstranten, Mubarak solle gefälligst zurücktreten. "Was soll dieser Unsinn? Was soll das?", rief ein enttäuschter Mann. Mehrere Demonstranten erklärten, sie würden sich jetzt auf lang anhaltende Proteste und Konfrontationen mit der Staatsmacht einstellen. Viele verließen enttäuscht den Platz.

+++ Wut auf dem Tahir-Platz +++

[22.14 Uhr] Auf dem Tahir-Platz macht sich Enttäuschung unter den Demonstranten breit. Viele rufen: "Nieder, nieder mit Husni Mubarak" oder "tritt zurück, tritt zurück". Bei vielen ist auch Wut zu spüren. Manche winken als Zeichen der Enttäuschung mit ihren Schuhen.

+++ "Der Mann hat nichts verstanden" +++

[22.05 Uhr] Ein junger Demonstrant auf dem Tahrir-Platz verfolgt laut SPIEGEL-ONLINE-Reporter Hasnain Kazim die Rede von Präsident Mubarak über sein Telefon. Ständig sagt er dabei: "Oh nein. Oh nein." Dann murmelt er: "Der Mann hat nichts verstanden. Das klingt nicht wie eine Rücktrittserklärung."

+++ Mubarak will nicht erneut antreten +++

[22.01 Uhr] Mubarak wiederholt in seiner Rede seine schon früher getroffene Aussage. Bei der nächsten Wahl will er nicht wieder antreten. "Ich werde bis zum Ende meine Verantwortung übernehmen. Ich werde in Ägypten begraben werden. Möge Gott Ägypten zur Seite stehe." Einen Teil seiner Befugnisse will er an seinen Stellvertreter Omar Suleiman übertragen.

+++ Mubarak bleibt im Amt +++

[21.54 Uhr] Der Präsident will die Verfassung in mehreren Punkten ändern. Damit wolle er den Ausnahmezustand aufheben und die Voraussetzung für freie Wahlen schaffen. Er selber will im Amt bleiben. Es müsse das Vertrauen geschaffen werden, dass die bisher erreichten Veränderungen nicht mehr rückgängig gemacht werden könnten. "Ich kann euch vor allem anderen sagen, dass das Blut eurer Märtyrer nicht umsonst geflossen ist." Er werde die bestrafen, die Demonstranten verletzt oder getötet haben.

+++ Mubarak kündigt freie Wahlen an +++

[21.51 Uhr] Mubarak verspricht freie und offene Wahlen. Damit soll die Macht an einen vom Volk gewählten Machthaber übergehen und die Forderungen vom Volk sollen damit erfüllt werden. Er kündigt einen sanften Übergang der Macht an. Kein Wort von Rücktritt bisher.

+++ Mubarak räumt Fehler ein +++

[21.48 Uhr] Fehler sind in jedem politischen System möglich, sagt Mubarak. Schwierig werde es nur dann, wenn man aus diesen Fehlern nichts lerne und nicht darauf reagiere. Eine Einmischung aus dem Ausland lehnt er ab.

+++ Mubarak beginnt seine Rede +++

[21.46 Uhr] Eine Dreiviertelstunde später als erwartet sendet das ägyptische Statsfernsehen die Ansprache Präsident Mubaraks.

Gebanntes Warten auf Mubaraks TV-Auftritt

+++ "Sind schon jetzt stolz auf das ägyptische Volk" +++

[21.44 Uhr] Die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz geben sich laut SPIEGEL-ONLINE-Reporter Hasnain Kazim gelassen: "Mir ist egal, ob Mubarak gleich eine Rede hält und zurücktritt oder das erst in ein paar Tagen macht", sagt ein junger Mann. "Mit dieser Demonstration beweisen wir Ägypter, dass wir ein demokratisches, freiheitsliebendes Volk sind, das seinem Willen friedlich und eindrucksvoll Ausdruck verschaffen kann." Andere Demonstranten sagen, sie seien "schon jetzt stolz auf das ägyptische Volk". Man erlebe gerade "eine historische Nacht", die ihren Ursprung in einer "jugendlichen Revolte" habe.

+++ Mubarak will Macht an seinen Vize abgeben +++

[21.40 Uhr] Der arabische Sender al-Arabija zitiert bereits vorab aus der angekündigten Rede Mubaraks. Demnach will der Präsident - wie es nachmittags schon gerüchteweise hieß - die Macht an seinen Stellvertreter, Vizepräsident Omar Suleiman, übergeben.

+++ ElBaradei: "Wir sind fast da" +++

[21.29 Uhr] Mohamed ElBaradei, einer der führenden Oppositionellen Ägyptens, twittert: "Ich verfolge die Situation genau. Wir sind fast da." Ob er damit Mubaraks Rede oder den erwarteten Rücktritt des Präsidenten meint, ist unklar.

+++ TV kündigt Ansprache "in Kürze" an +++

[21.21 Uhr] Das ägyptische Staatsfernsehen kündigt an, dass die Ansprache Präsident Husni Mubaraks in Kürze beginnen werde.

+++ Warten auf die Ansprache +++

[21.13 Uhr] Die Menschen auf dem Tahrir-Platz und viele weitere Ägypter warten gebannt auf die angekündigte TV-Ansprache von Präsident Husni Mubarak. Doch bisher gibt es noch keine Anzeichen für den Beginn der Rede. Laut BBC zeigt das staatliche ägyptische Fernsehen den Wetterbericht.

+++ Zurücktreten, aber "Präsident" bleiben +++

[21.07 Uhr] Die britische Zeitung "Guardian" weist darauf hin, dass man bei der Mitteilung des Informationsministers, wonach Mubarak nicht zurücktreten wird, Nuancen beachten müsse: Wenn Präsident Mubarak die Macht abgebe, aber seinen Titel behalte, sei das streng genommen kein Rücktritt.

+++ "Wir sind drei Millionen!" +++

[21.03 Uhr] Die Menschen demonstrieren jetzt eindrucksvoll ihre Macht: Skandierten Gruppen an unterschiedlichen Ecken des Tahrir-Platzes bis vor wenigen Minuten noch verschiedene Sprüche, rufen sie jetzt gemeinsam: "Wir sind drei Millionen!" So viele Menschen sollen sich auf dem zentralen Platz der Demonstrationen in Kairo befinden. Dabei handelt es sich allerdings nur um eine Schätzung der Menschen vor Ort, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Hasnain Kazim. Obwohl Präsident Mubarak sich noch nicht an die Öffentlichkeit gewandt hat und unklar ist, ob er wirklich zurücktritt, liegen sich manche Menschen schon jetzt in den Armen und haben Tränen in den Augen.

+++ Widersprüchliche Meldungen +++

[20.52 Uhr] Die Situation in Ägypten ist unübersichtlich. Der Informationsminister erklärt kurz vor der erwarteten Mubarak-Rede erneut, der Präsident werde definitiv nicht zurücktreten. Möglicherweise deuten die widersprüchlichen Meldungen von Militärs und Informationsministerium auf einen Machtkampf hinter den Kulissen hin.

+++ Regimegegner Ghonim stößt zu den Demonstranten +++

[20.49 Uhr] Wael Ghonim verkündet über Twitter, dass er sich auf dem Weg zum Tahrir-Platz befindet. Der Google-Mitarbeiter gilt als einer der Organisatoren der Proteste vom 25. Januar, die den Aufruhr in Ägypten ausgelöst hatten. Zwölf Tage lang hatte Ghonim in Haft gesessen, am Dienstag feierten ihn nach seiner Freilassung Zehntausende im Zentrum Kairos.

+++ "Marsch der Millionen" vorgezogen +++

[20.37 Uhr] Der für Freitag angekündigte "Marsch der Millionen" hat offensichtlich schon heute abend begonnen, ausgelöst durch die Gerüchte um den bevorstehenden Rücktritt Mubaraks: SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Hasnain Kazim berichtet, der Tahrir-Platz ist überfüllt. Man kommt nur noch sehr langsam voran. Trotz des Gedränges ist die Stimmung weitgehend gut gelaunt bis euphorisch, die Menschen warten mit Spannung auf die für 22 Uhr Ortszeit angekündigte Rede von Mubarak.

+++ Ägyptisches Staatsfernsehen zeigt Live-Bilder vom Tahrir-Platz +++

[20.29 Uhr] Eine halbe Stunde vor der erwarteten Ansprache Mubaraks im Fernsehen herrscht auf dem Tahrir-Platz angespannte Ruhe. Das ägyptische Staatsfernsehen überträgt derzeit Live-Bilder von dem Platz und den vielen tausend Menschen dort.

+++ Victory-Zeichen vor den Armeepanzern +++

[20.15 Uhr] Soldaten und Demonstranten scherzen miteinander: Viele Protestler jubeln den an den Zugängen zum Tahrir-Platz postierten Armeeangehörigen zu. Die Menschen lassen sich vor den Panzern fotografieren und zeigen das Victory-Zeichen. Die Soldaten an den Kontrollposten, die sich bislang nicht gern ablichten ließen, machen jetzt fröhliche - womöglich erleichterte? - Gesichter. Die strengen Kontrollen und das Abtasten von Menschen, die zum Tahrir-Platz wollen, lassen mit zunehmendem Menschenstrom nach. Allerdings macht das Gedränge vielen Menschen zu schaffen, da zahlreiche Demonstranten, darunter auch Familien mit Kindern, nun den Platz verlassen wollen.

+++ Lautstärke auf dem Tahrir-Platz wächst +++

[20.08 Uhr] Mit der Nervosität steigt auch der Lärmpegel unter den Demonstranten. Die Lautstärke auf dem Tahrir-Platz ist enorm: Menschen singen, jubeln, machen Krach mit Trommeln und Trompeten. Auf den Straßen um den Tahrir-Platz herum hupen Autos wie nach einer gewonnenen Fußball-Weltmeisterschaft.

+++ Gerüchten zufolge redet Mubarak in einer Stunde +++

[19.59 Uhr] Das seit Tagen ohnehin überlastete Mobilfunknetz fällt in Kairo immer wieder aus. Tausende von Menschen telefonieren auf dem Tahrir-Platz, um sich über die neuesten Entwicklungen zu informieren, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Hasnain Kazim. "Ist er endlich weg?", fragt eine Frau in ihr Telefon. Minütlich werden an allen Ecken Informationen per Lautsprecher bekanntgegeben, zum Beispiel, dass Mubarak sich "in etwa einer Stunde" äußern werde. Andere koordinieren per Handy ihren Protest, erläutern Freunden, wo sie sich gerade aufhalten und wo sie hinkommen sollen.

+++ Obama unterstützt Wandel in Ägypten +++

[19.47 Uhr] US-Präsident Barack Obama nutzt einen Auftritt in Michigan, um sich zur Lage in Ägypten zu äußern. Die USA würden alles tun, um einen geordneten Übergang zu unterstützen. "Wir wollen alle Ägypter wissen lassen, dass Amerika weiterhin alles unternehmen wird, um einen Übergang zur Demokratie zu unterstützen."

+++ Topseller auf dem Tahrir-Platz +++

[19.36 Uhr] Einer der beliebtesten Artikel auf dem Tahrir-Platz neben Flaggen in Rot-Weiß-Schwarz sind derzeit aufblasbare Stäbe aus Plastik, die man gegeneinander schlagen und damit enormen Krach machen kann. Aufschrift: "Egypt 2006". Dabei handelt es sich um Reste von Fanartikeln für ägyptische Fußballfans für die Afrikameisterschaft in Ägypten.

+++ Kritik an möglicher Mubarak-Nachfolge +++

[19.22 Uhr] Viele Demonstranten auf dem Tahrir-Platz äußern sich enttäuscht über die Aussicht, Mubaraks Vize Omar Suleiman könnte die Macht übernehmen. Damit sei zwar gewährleistet, dass es eine funktionierende Regierung gebe, aber Suleiman sei doch nur "ein Mann Mubaraks". Die Nachfolge über die Stellvertreter sei "keine echte Lösung", das sehe man daran, dass Staatschef General Gamal Abdel Nasser 1970 von seinem Vize Anwar Sadat und der wiederum 1981 von seinem Vize Husni Mubarak abgelöst wurde. Suleiman dürfe bestenfalls eine "Übergangslösung" sein, um baldige Wahlen zu ermöglichen.

+++ Staats-TV dementiert Rücktritt +++

[19.10 Uhr] Das staatliche ägyptische Fernsehen zitiert das Informationsministerium mit den Worten, Präsident Mubarak werde nicht zurücktreten. Eine entsprechende schriftliche Erklärung von Informationsminister Anas el Fikki wurde eingeblendet.

+++ Obama hält sich zurück +++

[18.59 Uhr] US-Präsident Barack Obama will die Berichte über einen bevorstehenden Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak zunächst nicht bewerten. "Wir müssen einfach sehen und abwarten, was passiert." Nach den Worten von CIA-Chef Leon Panetta gibt es eine "große Wahrscheinlichkeit", dass Mubarak noch im Laufe des Tages die Macht abgibt.

Die Ereignisse überschlagen sich

+++ Mubarak trifft Premier Schafik +++

[18.56 Uhr] Der ägyptische Präsident Husni Mubarak hat seine engste Führung zu vertraulichen Gesprächen versammelt. Nachdem er bereits im Präsidentenpalast in Kairo mit seinem Stellvertreter Omar Suleiman unter vier Augen gesprochen hat, ist nun der Premierminister dran. Das Staatsfernsehen berichtet, Regierungschef Ahmed Schafik sei zu einem Treffen hinter verschlossenen Türen eingetroffen.

+++ Sprechchöre hallen über den Platz +++

[18.49 Uhr] Die Tausende Menschen auf dem Tahrir-Platz skandieren Parolen gegen die Regierung: "Menschen steht auf! Protestiert gegen die Regierung". Immer wieder ist auch die Forderung zu hören: "Nieder mit Mubarak".

+++ Verletzte am Eingang zum Tahrir-Platz +++

[18.41 Uhr] An den Eingängen zum Tahrir-Platz herrscht großes Gedränge. Viele Demonstranten wollen wegen der bald beginnenden Ausgangsperre nachhause gehen - vor allem Familien mit Kindern. Gleichzeitig strömen immer noch neue Demonstranten auf den Platz, die schauen wollen, was passiert. SPIEGEL-ONLINE-Reporter Hasnain Kazim hat beobachtet, dass es bereits mehrere Verletzte dabei gegeben hat.

+++ Skepsis auf dem Tahrir-Platz nimmt zu +++

[18.30 Uhr] Die Nachricht von der bevorstehenden Ansprache Mubaraks hat sich auf dem Tahrir-Platz herumgesprochen, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Hasnain Kazim. Zwar jubeln viele Menschen, trotzdem hat sich eine gewisse Skepsis unter den Demonstranten breit gemacht. Man wolle abwarten was passiert, sagt ein Mann. Es müsse eine vernünftige Lösung für die Übergangszeit nach einem möglichen Rücktritts Mubaraks gefunden werden, so die Meinung vieler Protestierender. Unabhängig von den Ereignissen des Abends werde die Massen-Demo am Freitag auf jeden Fall stattfinden. Ein junger Mann betont, dass es sich bei den Ereignissen in Kairo und den anderen ägyptischen Großstädten um eine weltliche und keine islamische Revolution handelt.

+++ Mubarak berät mit Suleiman +++

[18.26 Uhr] Der ägyptische Präsident Husni Mubarak und sein Stellvertreter Omar Suleiman beraten nach Angaben des staatlichen Fernsehens über die Lage. Das Treffen finde im Präsidentenpalast statt.

+++ Erste Sorgen unter den Demonstranten +++

[18.17 Uhr] Unter den Demonstranten auf dem Tahrir-Platz sind auch einige, die wegen der kommenden Stunden besorgt sind. Ein führendes Mitglied der oppositionellen Muslimbrüder sagt, es "sieht aus wie ein Militärputsch". Das Problem sei nicht der Präsident, sondern das Regime.

+++ Neue Demonstranten strömen auf den Tahrir-Platz +++

[18.09 Uhr] Der zentrale Tahrir-Platz im Zentrum Kairos füllt sich mit immer mehr Demonstranten. Reporter berichten, dass nach den Meldungen über den bevorstehenden Rücktritt Mubaraks ein neuer Zustrom begonnen habe. Viele schwenken Fahnen.

+++ Muslimbrüder sind "begeistert" +++

[17.59 Uhr] Ein Sprecher der Muslimbruderschaft auf dem Tahrir-Platz sagt SPIEGEL-ONLINE-Reporter Hasnain Kazim, er sei "begeistert", wenn Mubarak wirklich zurücktrete. "Das hat unsere Jugend geschafft", sagte er, "obwohl wir ihnen das niemals zugetraut hätten."

+++ Staatsfernsehen kündigt Ansprache Mubaraks an +++

[17.53 Uhr] Das ägyptische Staatsfernsehen kündigt eine Rede Mubaraks an. Er werde sich am Donnerstagabend vom Präsidentenpalast aus ans Volk wenden. Die Menschen auf dem Tahrir-Platz jubeln.

+++ CNN: Mubarak zum Rücktritt bereit +++

[17.51 Uhr] Husni Mubarak hat nach einem Bericht des US-Senders CNN zugestimmt, die Macht an seinen Vize Omar Suleiman zu übergeben. Das hat der Sender nach eigenen Angaben von einem hohen US-Regierungsbeamten erfahren, der Kontakte zur ägyptischen Regierung habe. Aus dem Weißen Haus habe es jedoch vorsichtig geheißen, dass es erst "auch wirklich passieren muss".

+++ Ist Mubarak schon in Scharm al-Scheich? +++

[17.41 Uhr] Der TV-Sender al-Arabija meldet, der Präsident habe die Hauptstadt bereits verlassen. Er soll sich in der Touristenhochburg Scharm al-Scheich aufhalten.

+++ Dementi vom Informationsministerium +++

[17.37 Uhr] Ein Sprecher des ägyptischen Informationsministeriums dementiert Gerüchte, Mubarak sei bereits zurückgetreten. Er sei noch an der Macht und werde "nicht zurücktreten".

+++ Vize Suleiman übernimmt angeblich die Macht +++

[17.35 Uhr] Nach Informationen des US-Senders NBC soll nach einem Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak Vizepräsident Omar Suleiman an die Staatsspitze rücken. Das Militär habe mitgeteilt, der Rücktritt sei eine Antwort auf legitime Forderungen des Volkes, berichtete der Sender. Der US-Sender CNN zitiert den neuen Generalsekretär der herrschenden Nationalen Demokratischen Partei, Hossam Badrawi, mit den Worten an die Demonstranten: "Sie haben gewonnen." Mubarak werde Schritte ergreifen, die den Forderungen der Jugend entsprächen und im besten Interessen des Landes seien.

+++ CIA mischt sich in die Spekulationen ein +++

[17.28 Uhr] Der US-Geheimdienst CIA schaltet sich in die öffentliche Debatte ein. Die Wahrscheinlichkeit sei "sehr hoch", dass Mubarak noch am Donnerstag abtrete.

+++ "In wenigen Stunden" Entscheidung über Mubaraks Schicksal +++

[17.16 Uhr] Nach Angaben eines Regierungsmitarbeiters wird sich " in wenigen Stunden" entscheiden, ob der Präsident nach 30 Jahren an der Macht sein Amt aufgibt - oder nicht.

+++ NBC kündigt Rücktritt für den Abend an +++

[17.01 Uhr] Der US-Sender NBC verkündet, Mubarak werde definitiv am Donnerstagabend zurücktreten.

+++ Armee berät über Krisenplan +++

[16.43 Uhr] Der Hohe Armeerat Ägyptens tagt und berät über Notmaßnahmen. Ziel ist nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Mena, "die Nation zu schützen".

+++ Mubarak-Ansprache noch am Abend erwartet +++

[16.23 Uhr] Der ägyptische Präsident Husni Mubarak könnte einem Bericht der BBC zufolge noch am Abend zurücktreten und die Macht an seinen Stellvertreter Omar Suleiman übertragen. Hossan Badrawi, Generalsekretär der ägyptischen Regierungspartei NDP, sagte dem britischen Sender BBC, er hoffe, dass Mubarak die Macht übertrage. Mubarak werde "sehr wahrscheinlich" am Abend zur Nation sprechen. Auch von der Armee wurde in Kürze ein Statement erwartet.

+++ Premier bestätigt Mubaraks Rückzugspläne +++

[16.20 Uhr] Der ägyptische Premier Ahmed Schafik bestätigt die Vermutungen. Dem britischen Sender BBC sagt er, Mubarak werde möglicherweise zurücktreten. Die Lage werde sich in Kürze klären.

+++ CNN berichtet, Mubarak trete als Armeechef ab +++

[16.18 Uhr] Die Meldungen überschlagen sich. Der ägyptische Präsident Husni Mubarak tritt CNN zufolge als Armeechef zurück. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht.

+++ Chef der Regierungspartei kündigt Einlenken Mubaraks an +++

[16.17 Uhr] Der Vorsitzende der Regierungspartei sagt, er gehe davon aus, dass Präsident Husni Mubarak auf die Forderungen der Demonstranten eingeht. Und die Hauptforderung ist seit mehr als zwei Wochen: Rücktritt.

+++ Armee-Kommandeur verkündet möglichen Rücktritt Mubaraks +++

[16.11 Uhr] Auf dem Tahrir-Platz meldet sich ein hochrangiger Militärvertreter zu Wort. Er sagt, es würden "alle Forderungen der Demonstranten erfüllt".

+++ Ruhiger Tag, Demonstranten sammeln sich für den Protest-Freitag +++

Der Donnerstag verläuft friedlich in Kairo. Auf dem Tahrir-Platz haben sich wieder Zehntausende versammelt. Aus der Umgebung strömen die Menschen in die Innenstadt. Für Freitag ist wieder ein "Marsch der Millionen" angekündigt.

ler/ffr/jok/AP/Reuters/dpa/AFP/dapd
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