Minutenprotokoll Tag der Flucht und der Freude

5. Teil: Revolutionsbilder im Teehaus


+++ Demonstrationen vor Regierungsgebäude in Suez +++

[13.58 Uhr] In Suez haben Tausende Demonstranten nach den Freitagsgebeten einen Ring um die Regierungsgebäude geschlossen, meldet CNN in seinem Live-Blog.

+++ Fernsehen in den Teehäusern +++

[13.54 Uhr] SPIEGEL-ONLINE-Reporter Hasnain Kazim: "In den Teehäusern um den Tahrir-Platz läuft überall der Fernseher - zu sehen sind nur internationale Sender, nicht das ägyptische Staatsfernsehen. Gebannt lauschen die Menschen hier, etwas abseits der Menschenmassen, den Nachrichten. Auch Demonstranten kommen hierher, um sich bei einem Tee zu stärken. Für Erstaunen sorgt die Meldung, die gerade läuft: Mubarak sei nach Scharm al-Scheich abgeflogen. 'Hoffentlich kommt er da zur Besinnung', sagt ein alter Mann und zieht an seiner Wasserpfeife."

+++ Proteste in Mahala, Tanta, Ismalilia und in Suez +++

[13.49 Uhr ] Auch in den anderen ägyptischen Großstädten bewegt der Protest die Massen: Ein al-Dschasira-Reporter berichtet per Tweet aus Alexandria an seine Redaktion. "Wieder Freitag, wieder ein Menschenmeer von Hunderttausenden. Sie gehen in Alexandria für die Freiheit auf die Straße!" Dasselbe Bild, berichtet der TV-Sender, in "Mahala, Tanta, Ismalilia und in Suez", die Menschen "ziehen durch die Straßen und skandieren: "Mubarak muss weg!"

+++ Israels Ben Elieser telefonierte mit Mubarak +++

[13.42 Uhr] Der frühere israelische Verteidigungsminister Ben Elieser berichtet von einem Telefonat mit Mubarak vor dessen TV-Ansprache. "Er wusste, dass dies der Anfang vom Ende für ihn war." Es komme Mubarak nur noch auf einen ehrenvollen Abgang an.

+++ ElBaradei auf Twitter: "Wir werden siegen" +++

[13.19 Uhr] Mohamed ElBaradei ruft die Demonstranten per Twitter zum Durchhalten auf: "Die ganze Nation ist auf den Straßen. Der einzige Ausweg für das Regime ist, endlich zu gehen. Die Macht des Volkes kann nicht unterdrückt werden. Wir werden siegen." Er hoffe noch immer, dass die Armee sich den Protesten anschließe.

+++ Wo ist Mubarak? +++

[13.16 Uhr] Am Donnerstag war Husni Mubarak noch im Staatsfernsehen zu sehen - und der 82-Jährige enttäuschte Millionen Ägypter, weil er sich weiter an seine Macht klammert. Aber wo ist der ägyptische Präsident jetzt? Der arabische TV-Sender al-Arabija berichtet, Mubarak habe zusammen mit seiner Familie die Hauptstadt Kairo verlassen.

+++ Demonstranten fürchten Gewalt vor Präsidentenpalast +++

[13.12 Uhr] SPIEGEL-ONLINE-Reporter Hasnain Kazim: "Manche Demonstranten rechnen mit Gewalt, sollten tatsächlich Hunderttausende zum Palast strömen. 'Das wäre für die Regierung ein Vorwand, gewaltsam gegen uns vorgehen zu lassen', sagt einer. Das Gebäude wird von der Präsidentengarde gesichert."

+++ Proteste auch vor dem Präsidentenpalast +++

[13.05 Uhr] Auch vor Husni Mubaraks Präsidentenpalast im Stadtteil Heliopolis gibt es jetzt immer massiveren Protest. Laut Augenzeugen wird die Anlage von der Armee scharf bewacht. Vor dem Gebäude sind demnach über tausend Demonstranten, die Lage wirkt angespannt. Arabische Nachrichtensender berichten, es seien weitere Demonstranten auf dem Weg zu Mubaraks Amtssitz. Augenzeugen berichten von ersten Rangeleien mit den Soldaten.

+++ "Tahrir ist voll, geht zum Präsidentenpalast" +++

[12.58 Uhr] Die britischen Zeitungen "Guardian" und "Telegraph" berichten, dass die Demonstranten ihre Mitstreiter nun dazu drängen, sich auch in anderen Teilen von Kairo zu sammeln. Der Tahrir-Platz ist so voll, dass nun offenbar per Twitter die Losung ausgegeben wird: "Tahrir ist voll, geht zum Präsidentenpalast." Ein Reporter des "Guardian" vermutet, dass die Protestler versuchen könnten, auch andere Straßen zu besetzen.

+++ Polizei verstärkt Präsenz in Scharm al-Scheich +++

[12.49 Uhr] Rechnen die Sicherheitskräfte auch mit Protesten in Scharm al-Scheich? Dem Rundfunksender BBC zufolge hat die Polizei ihre Präsenz in dem Badeort erhöht. So seien jetzt mehr Polizisten am dortigen Flughafen im Einsatz. Auch der Straßenabschnitt, der zur Familienvilla von Präsident Husni Mubarak führt, werde kontrolliert. Es ist unklar, an welchem Ort sich der ägyptische Präsident derzeit aufhält.

+++ Es wird immer enger auf dem Tahrir-Platz +++

[12.48 Uhr] Die Mubarak-Gegner müssen jetzt schon über die Barrikaden klettern, die am Tahrir-Platz errichtet wurden - sie waren von den Demonstranten errichtet worden, um sich vor gewalttätigen Anhängern des Regimes zu schützen. Aber jetzt sind sie ein Hindernis für die Menschenmassen. Immer mehr Demonstranten strömen auf den zentralen Kairoer Platz.

+++ Laute Proteste in Alexandria +++

[12.43 Uhr] Spruchbänder, Flaggen, Protestrufe: Auch in Alexandria sind die Straßen voller Demonstranten. Nach dem Ende der Freitagsgebete steigt jetzt der Lärmpegel.

+++ "Bald gehört ganz Kairo den Revolutionären" +++

[12.30 Uhr] SPIEGEL-ONLINE-Reporter Hasnain Kazim: "Auf dem Tahrir-Platz tauchen immer neue Spruchbänder auf, die offensichtlich in der Nacht gedruckt wurden. Bilder von aktuellen Ministern sind mit Worten wie 'Lügner', 'Verbrecher' und 'Folterer' versehen. 'Und mit euch sollen wir zufrieden sein?', fragen die Demonstranten auf den Plakaten. 'Wahnsinn!', sagt ein Mann. 'Bald gehört ganz Kairo den Revolutionären.'"

+++ Die Massen rücken zusammen +++

[12.27 Uhr] SPIEGEL-ONLINE-Reporter Hasnain Kazim: "Nichts geht mehr auf dem Tahrir-Platz, es geht nicht vor und nicht zurück in der Menschenmenge - nichts für Menschen mit Platzangst. Die Stimmung ist dennoch gut, die Demonstranten zuversichtlich, dass die Revolution erfolgreich sein wird. Ein paar Kinder sind allerdings verängstigt durch das Gedränge und den Lärm - sie klammern sich an ihre Eltern."

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Seite 1
ch@rybdis 11.02.2011
1. Verlust der Rechtschreibung?
Das in der deutschen Presse immer noch von "Bundesmarine" gesprochen wird, obwohl seit der Wiedervereinigung die offizielle Bezeichnung "Deutsche Marine" lautet - daran habe ich mich bereits gewöhnt. Ebenfalls übersehe ich "galant", dass immer noch von OffizierSanwärtern gesprochen/geschrieben wird. Hier sei den Autoren zu Gute gehalten, dass der DUDEN beide Möglichkeiten anbietet, also auch die in Militärkreisen übliche Schreibweise ohne Fugen-s. Aber das jetzt von "Generälen" geschrieben wird, obwohl die korrekte Bezeichnung "Generale" lautet, lässt mich betrübt in die Zukunft schauen. Nun ja, die Teilnehmer der vergangenen PISA-Studien müssen ja auch langsam mal im Berufsleben ankommen ...
trubeldubel 11.02.2011
2. wenn Gerüchte gestreut werden....
irgendwie ist es interessant zu sehen, wie leicht Massen manipuliert werden können. Der wird erstmal ein kleines Gerücht gestreut. Von wem wohl? Von dem, der einen neuen Statthalter für die Ägypter stellen wird. Dieses Gerücht wird von allen möglichen Medien national und international aufgenommen und verbreitet. Zudem wird dann berichtet, dass schon viele Menschen in Richtung Platz gehen. Nun kommt der Herdentrieb, der hier bewusst eingeplant wurde: Da muss ich auch hin. Und so werden es immer mehr. Die Medien verbreiten Volksfeststimmung. Also wer nun nicht erwartet, dass Mubarak zurücktritt, ist eigentlich ein Feind. Die Stimmung wird immer mehr durch schnellere Gerüchtemeldungen (und es sind immer nur Gerüchte, keine Fakten) verbreitet. Es ist abzusehen, wie es weitergeht. Die Erwartung, dass ein Rücktritt kommt, ist sehr groß, da hochgepuscht. Sollte Mubarak nicht zurücktreten, wird es Randale geben. Somit hat die amerikanische Administration erreicht, was sie wollte. Suez-Kanal gerettet, Militärbasen gerettet, Öl-Pipelines gesichert - was will man mehr? Der Stellvertreter, der dies ausführt ist das Ägyptische Volk. Nun brauchen wir nur noch abzuwarten und dann einen Nachfolger installierten. Der Betrogene ist das Volk.
fatherted98 11.02.2011
3. Folgt man den.....
...naiven Kommentaren der Deutschen Medien wird das Militär heute sicher die Demokratie ausrufen und für nächste Woche Neuwahlen organisieren. Vorher werden schnell Parteien gegründet und neben einer Liberalen, Christlich-Demokratischen und einer Sozialdemokratischen wird es auch die Grünen geben...die Linke lassen wir weg. Dann wird gewählt und alles ist so wie bei uns...und Mubarak wandert für seine letzten Jahre nach Chile aus...ach wie schön....
gaga007 11.02.2011
4. Eine Diktaur getauscht ?
Nun wird also das Militär doch reagieren ... ?! Nur wie wird es reagieren - sollten die Ägypter sich eine Militär-Diktatur "herbei-gestreikt" haben ? Eine klammheimliche Schadenfreude wäre nicht zuverheimlichen.
Habeshah 11.02.2011
5. Duden ändern
Zitat von ch@rybdisDas in der deutschen Presse immer noch von "Bundesmarine" gesprochen wird, obwohl seit der Wiedervereinigung die offizielle Bezeichnung "Deutsche Marine" lautet - daran habe ich mich bereits gewöhnt. Ebenfalls übersehe ich "galant", dass immer noch von OffizierSanwärtern gesprochen/geschrieben wird. Hier sei den Autoren zu Gute gehalten, dass der DUDEN beide Möglichkeiten anbietet, also auch die in Militärkreisen übliche Schreibweise ohne Fugen-s. Aber das jetzt von "Generälen" geschrieben wird, obwohl die korrekte Bezeichnung "Generale" lautet, lässt mich betrübt in die Zukunft schauen. Nun ja, die Teilnehmer der vergangenen PISA-Studien müssen ja auch langsam mal im Berufsleben ankommen ...
Wenn der Spiegel so schreibt wie die Menschen reden wir sicher der Duden bald nachziehen. DIE SPRACHE LEBT
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