Minutenprotokoll zur Euro-Krise Die Ereignisse des Tages im Überblick

Die Schuldenkrise spitzt sich vor dem Treffen der Euro-Finanzminister weiter zu: Italien erhält nur gegen Rekordzinsen frisches Geld, Paris und Berlin sind in der Frage von Euro-Bonds zerstritten, der EZB-Chef sagt lang geplante Termine ab. Lesen Sie die Ereignisse des Tages im Minutenprotokoll.
EZB-Präsident Mario Draghi: Wird von den Bemühungen um eine Krisenlösung stärker als geplant in Anspruch genommen

EZB-Präsident Mario Draghi: Wird von den Bemühungen um eine Krisenlösung stärker als geplant in Anspruch genommen

Foto: Boris Roessler/ dpa

Hamburg - Am Abend beraten die Finanzminister der Euro-Zone über die nächsten Schritte in der Schuldenkrise - zuvor überschlugen sich jedoch noch einmal die Ereignisse: Italien musste bei einer Anleihenaktion für neue Schulden Rekordzinsen bezahlen, für Papiere mit zehnjähriger Laufzeit lagen sie in der Spitze bei 7,454 Prozent. Immerhin konnte das Land überhaupt noch 7,5 Milliarden Euro an neuen Schulden aufnehmen.

Gleichzeitig tritt der Dissens zwischen den beiden Euro-Schwergewichten Deutschland und Frankreich immer offener zutage. Die Regierung in Paris wirbt offensiv für die Einführung von Euro-Bonds, die Bundesregierung lehnt solche Gemeinschaftsanleihen aber strikt ab. Zudem will Frankreich einen eigenen Kandidaten auf den Posten des EZB-Chefvolkswirts hieven, obwohl eigentlich der deutsche Finanzstaatssekretär Jörn Asmussen als Nachfolger des scheidenden Jürgen Stark gesetzt war.

Das Bundesverfassungsgericht sieht das geheim tagende Gremium aus neun Bundestagsabgeordneten kritisch, das über wichtige Entscheidungen über Hilfen für notleidende Euro-Staaten aus dem Rettungsfonds entscheidet. Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle meldete in der mündlichen Verhandlung über die Klage zweier SPD-Parlamentarier Zweifel daran an, dass die Abgeordneten ausreichend an der Euro-Rettung beteiligt werden. Ein Urteil werden die Verfassungsrichter voraussichtlich im Januar verkünden.

Lesen Sie hier diese und weitere Ereignisse des Tages im Minutenprotokoll:

+++ Ungarns Notenbank erhöht Leitzins +++

[15.49 Uhr] Um die Landeswährung Forint zu stützen, erhöht Ungarns Notenbank den Leitzins. Der Forint war in der Schuldenkrise ins Trudeln geraten. Die Zentralbank setzte den Schlüsselzins von 6,0 auf 6,5 Prozent nach oben. Die Geldpolitiker in Budapest reagierten mit dem Zinsschritt auf den Anstieg der Renditen am Staatsanleihenmarkt und den Verfall des Forint, nachdem die Rating-Agentur Moody's die Bonität des Landes auf Ramschstatus heruntergestuft hatte.

+++ Mögliche Abstufung: Fitch räumt USA lange Schonfrist ein +++

[15.45 Uhr] Die USA erhalten von der Rating-Agentur Fitch eine überraschend lange Schonfrist zur Lösung ihrer riesigen Schuldenprobleme. Zwar senkten die Bonitätswächter den Ausblick für die Bewertung der weltgrößten Volkswirtschaft am Montag von stabil auf negativ. Ob die USA aber ihre Spitzennote "AAA" tatsächlich verlieren, werde die Agentur wegen der Präsidentschaftswahl im nächsten November wohl erst in der zweiten Jahreshälfte 2013 entscheiden, sagte Fitch-Analyst David Riley der Nachrichtenagentur Reuters.

+++ Spanien senkt Haushaltsdefizit +++

[15.35 Uhr] Das spanische Finanzministerium hat den Fehlbetrag im Budget drücken können. Laut dem stellvertretenden spanischen Finanzminister Juan Manual López Carbajo schrumpfte das Defizit im Oktober im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17 Prozent. Der gute Schnitt sei den gekürzten Transferzahlungen an die Regionen zu verdanken. Anvisiert ist für 2011 ein Defizit von sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

+++ Großbritannien sitzt bis mindestens 2015 in der Schuldenfalle +++

[15.25 Uhr] Großbritannien wird frühestens 2015 wieder die EU-Kriterien zur Staatsverschuldung erfüllen. Das gab Schatzkanzler George Osborne in seinem Herbst-Statement zum Staatshaushalt bekannt. Das Land müsse in den nächsten vier Jahren 112 Milliarden Pfund mehr aufnehmen als ursprünglich erwartet. Im laufenden Haushaltsjahr 2011/2012 müssten laut Osborne 127 Milliarden Pfund (149 Milliarden Euro) neue Schulden aufgenommen werden. Das Defizit soll schrittweise auf 79 Milliarden Euro im Jahr 2014/2015 abgebaut werden. Die britische Wirtschaftsleistung werde 2012 nur um 0,7 Prozent wachsen.

+++ EZB-Chef sagt wegen Euro-Treffen Termine ab +++

[15.05 Uhr] Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, wird von den hektischen Bemühungen um eine Krisenlösung offenbar stärker als geplant in Anspruch genommen. Draghi werde am Mittwoch nicht wie erwartet eine Rede in Rom halten. Auch einen lang geplanten Termin in Wien am Freitag kommender Woche werde der EZB-Chef laut einem Vertrauten nicht wahrnehmen. Der Notenbank-Chef habe stattdessen Gespräche auf "europäischer Ebene". Möglicherweise wird Draghi an dem Treffen der Euro-Finanzminister am Nachmittag teilnehmen - auch sein Vorgänger Jean-Claude Trichet war häufig bei solchen Treffen zugegen.

+++ Helaba erwartet für 2012 Trendwende in der Schuldenkrise +++

[15.05 Uhr] Die Volkswirte der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) blicken trotz der Schuldenkrise in der Eurozone zuversichtlich in das kommende Jahr. "Eine geordnete Insolvenz Griechenlands sowie erste Erfolge der europäischen Strukturreformen tragen 2012 dazu bei, Schuldenkrise und Wachstumsschwäche allmählich zu überwinden", sagte Chefvolkswirtin Gertrud Traud. In der Schuldenkrise der Euro-Zone "kann der gordische Knoten gelöst werden". Die Euro-Zone werde zwar zum Jahreswechsel in eine milde Rezession fallen, Deutschland bleibe dies jedoch erspart, "solange die USA und China ihr Trendwachstum halten". Das Wachstum in Deutschland werde bei 1,2 Prozent liegen. Gemeinsame Euro-Bonds lehnte Traud strikt ab.

+++ Wagenknecht hält Rettungsschirm für gescheitert +++

[14.58 Uhr] Sahra Wagenknecht, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, hält den Euro-Rettungsschirm für gescheitert. "Der EFSF ist im Grunde nicht einsatzfähig", sagte Wagenknecht. Es sei bisher kaum gelungen, private Geldgeber zu Investitionen in den Fonds zu bewegen. Wagenknecht forderte, den EFSF mit einer Bankenlizenz auszustatten. Statt private Investoren "beknien" zu müssen, um Geld zu bekommen, könne der Rettungsfonds dann auch auf Finanzmittel der Europäischen Zentralbank zurückgreifen.

Ecclestone hält Europa für "in jeder Hinsicht am Ende"

+++ Schäuble räumt Misserfolge bei Euro-Rettung ein +++

[14.08 Uhr] Während der Verhandlung vor dem Verfassungsgericht räumt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) auch Misserfolge bei den bisherigen Maßnahmen zur Euro-Rettung ein. Vor einem Jahr sei man davon ausgegangen, dass eine Garantiesumme von 770 Milliarden Euro ausreichen würde, um die Märkte zu beruhigen. "Das ist nicht eingetreten", sagte Schäuble in Karlsruhe. "Wir haben die Ansteckung im ganzen Euro-Raum. Die Situation ist gegeben, vor der wir vor einem Jahr gewarnt haben."

+++ Verfassungsrichter zweifeln an EFSF-Sondergremium +++

[13.57 Uhr] Das Bundesverfassungsgericht äußert Zweifel, ob die Abgeordneten des Bundestags bei der Euro-Rettung ausreichend beteiligt werden. Bei der mündlichen Verhandlung über die Klage zweier SPD-Bundestagsabgeordneter sagte Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle, dass im Fall eines solchen "Kleinstgremiums" die übrigen 611 Parlamentarier "aus der Verantwortung" genommen würden. "Ich habe gewisse Zweifel, ob das richtig sein kann", sagte Voßkuhle. Auch Richter Udo di Fabio sprach von "Gefahren", wenn lediglich neun Abgeordnete "exklusiv" wichtige Informationen im Zuge der Euro-Rettung erhalten und dann entscheiden müssen. Das Gericht wird voraussichtlich im Januar sein Urteil verkünden.

+++ Ecclestone hält Europa als Formel-1-Markt für "erledigt" +++

[13.38 Uhr] Bernie Ecclestone sieht Europa nicht länger als Mittelpunkt der Formel 1. "Das Thema Europa ist erledigt. Es wird ein guter Platz für Tourismus sein, aber für nicht viel mehr. Europa gehört der Vergangenheit an", sagte der allmächtige Boss der Königsklasse im Gespräch mit der spanischen Sporttageszeitung Marca. "Ich glaube, dass Europa in jeder Hinsicht am Ende ist", sagte Ecclestone. Auch künftig werde man in der Formel 1 neue Märkte erschließen. "In den nächsten Jahren wird es so kommen, dass in Europa nur noch fünf Rennen stattfinden", sagte der 81-Jährige.

+++ Deutsche Firmen suchen dringend Arbeitskräfte +++

[13.29 Uhr] Ungeachtet der Euro-Schuldenkrise ist die Nachfrage nach Arbeitskräften im November auf ein Rekordhoch geklettert. Der Stellenindex BA-X der Bundesagentur für Arbeit stieg im Vergleich zum Oktober um acht auf 179 Punkte. Er liegt damit 29 Punkte über dem Vorjahreswert. Laut der Agentur gebe es durch das Beschäftigungsplus der vergangenen Jahre mehr offene Stellen.

+++ EBA kann Kapitalbedarf europäischer Banken noch nicht benennen +++

[13.15 Uhr] Die Europäische Bankenaufsicht EBA braucht mehr Zeit, um den endgültigen Kapitalbedarf der Banken zu ermitteln. Die Behörde kippte ihren Zeitplan, bis Ende November die Kapitallücken der einzelnen Institute zu beziffern. Die Aufseher streiten seit Wochen auch über die genaue Kapitaldefinition. Die EU-Finanzminister beraten am Mittwoch über das Thema - sollte es Einigkeit geben, werde der EBA-Aufsichtsrat die endgültigen Zahlen zur Veröffentlichung freigeben. Dies geschehe wahrscheinlich im Laufe der nächsten Woche.

+++ Euro reagiert mit Kurssprung auf Italiens Anleihenauktion +++

[13.05 Uhr] Italien zahlt für neue Schulden Zinsen in Rekordhöhe - für die Akteure an den Finanzmärkten ist es aber offenbar eine gute Nachricht, dass das Land überhaupt noch Geld bekommt: Der Euro reagierte mit einem Kurssprung auf die Versteigerung italienischer Anleihen, bei dem das Land nach Aussage von Experten "noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen" sei. Unmittelbar nach der Auktion sprang der Euro auf ein Tageshoch bei 1,3442 US-Dollar. Im späten Vormittagshandel rutschte die Gemeinschaftswährung wieder etwas zurück und stand gegen Mittag bei 1,3402 Dollar.

+++ Belgien muss höhere Zinsen für frisches Geld zahlen +++

[12.58 Uhr] Belgien muss abermals deutlich höhere Zinsen für kurzfristige Mittel zahlen. Für Staatsanleihen mit dreimonatiger Laufzeit stieg die Rendite auf 2,185 Prozent. Das ist über ein halbes Prozent mehr als noch bei einer Anleihenauktion Mitte November. Allerdings war die Nachfrage stark: Mit einer Überzeichnung von 5,61 lag sie mehr als fünfmal so hoch wie das Angebot. Händler erklärten dies mit zuletzt positiven politischen Entwicklungen - mehrere belgische Parteien haben sich vor kurzem auf ein umfangreiches Spar- und Reformpaket geeinigt.

Deutsche stoßen Zocker-Papiere ab

+++ Mitgliedstaaten gegen EU-Mechanismus zur Bankenstützung +++

[12.40 Uhr] Die Mehrheit der EU-Staaten will kein europäisches Instrument zur staatlichen Unterstützung kapitalschwacher Banken einführen. "Die Mehrheit hat eine Präferenz, nationale, eng abgestimmte Garantiesysteme zu schaffen", heißt es in einem Bericht für das Treffen der EU-Finanzminister am Mittwoch, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, einen europäischen Mechanismus zu schaffen. Dies befürworten einige Euro-Länder wie Spanien oder Italien - da ihre Bonität schlechter ist als Deutschlands oder Frankreichs, befürchten sie Nachteile für ihre Banken, wenn diese sich mit staatlichen Garantien Kapital am Markt beschaffen sollen.

+++ Schäuble verteidigt EFSF-Geheimgremium +++

[12.29 Uhr] Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat die umstrittenen Regeln für die Beteiligung des Bundestags an Euro-Hilfsmaßnahmen vor dem Bundesverfassungsgericht verteidigt. "Vertraulichkeit ist die Voraussetzung, dass wir überhaupt solche Instrumente einsetzen können", sagte Schäuble. Zwei Bundestagsabgeordnete der SPD klagen dagegen, dass wichtige Entscheidungen über Hilfen für notleidende Euro-Staaten von einem geheim tagenden Gremium aus nur neun Bundestagsabgeordneten beschlossen werden können. Sie sehen ihre Rechte als Abgeordnete verletzt.

+++ Frankreich will über Elite-Bonds verhandeln +++

[12.17 Uhr] Trotz deutscher Ablehnung wirbt Frankreich für die Einführung von Gemeinschaftsanleihen der sechs kreditwürdigsten Länder der Euro-Zone. Man erwäge einen entsprechenden Vorschlag, mit diesen Worten zitiert die Nachrichtenagentur AP einen französischen Diplomaten. Über sogenannte Elite-Bonds werde in den Vorbereitungen des EU-Gipfels kommende Woche gesprochen. Die Bundesregierung hatte am Montag Medienberichte über Gemeinschaftsanleihen der AAA-Staaten als pure Spekulation zurückgewiesen.

+++ Exporteure fürchten Schuldenkrise +++

[12.10 Uhr] Trotz eines Rekordjahres sorgen sich die deutschen Exporteure wegen der Schuldenkrise um ihr künftiges Geschäft. Im nächsten Jahr würden die Ausfuhren zwar um mindestens sechs Prozent zulegen, nach plus zwölf Prozent in diesem Jahr, erklärt der Branchenverband BGA. Nach dem hervorragenden Jahr 2011 blickten die Unternehmen damit vorsichtig optimistisch auf 2012, sagte BGA-Präsident Anton Börner. "Über allem schwebt jedoch das Damoklesschwert der Schuldenkrise mit der stetigen Gefahr eines Überschwappens auf die Realwirtschaft über den Transmissionsriemen einer Kreditklemme."

+++ Deutsche stoßen Zocker-Papiere ab +++

[12.01 Uhr] Die anhaltende Unsicherheit der Anleger setzt dem deutschen Derivatemarkt zu. Im September war in Zertifikate und Hebelprodukte 3,9 Prozent weniger Vermögen investiert worden als im August, wie eine am Dienstag veröffentlichte Statistik des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) zeigt. Demnach belief sich das Marktvolumen Ende September noch auf 100,4 Milliarden Euro. Das war der tiefste Stand seit August 2009. Viele Anleger würden sich wegen der Unsicherheit am Markt mit Investitionen zurückhalten.

+++ Dax dreht nach schwachem Start ins Plus +++

[11.51 Uhr] Der Dax schafft es nach einem schwachen Start ins Plus. Zuletzt stieg der Leitindex um 0,94 Prozent auf über 5800 Punkte, nachdem er im frühen Geschäft um bis zu ein Prozent gefallen war.

+++ Italien kommt an frisches Geld, zahlt aber Rekordzinsen +++

[11.46 Uhr] Das hochverschuldete Italien hat Milliarden am Kapitalmarkt eingesammelt, zahlt dafür aber Zinsen in Rekordhöhe. Drei Versteigerungen von Staatsanleihen mit einer Laufzeit von drei, neun und zehn Jahren haben am Dienstag nach Angaben des Finanzministeriums insgesamt 7,5 Milliarden Euro in die Kassen gespült. Die Nachfrage der Investoren überstieg das Angebot um das Eineinhalbfache. Insbesondere für die dreijährigen Papiere mussten die Investoren allerdings gelockt werden, mit einer Rendite von 7,89 Prozent. Seit Einführung des Euro lag der Zinssatz noch nie so hoch. Im Oktober waren es lediglich 4,93 Prozent.

Zinsen für Italiens Staatsanleihen auf Rekordniveau

+++ Wirtschaftsstimmung im Euro-Raum sinkt +++

[11.29 Uhr] Im Euro-Raum hat sich die Wirtschaftsstimmung im November etwas stärker als erwartet eingetrübt. Der Economic Sentiment Index sei von 94,8 Punkten im Vormonat auf 93,7 Punkte gesunken, teilt die Europäische Kommission in Brüssel mit. Volkswirte hatten einen Rückgang auf 93,9 Punkte erwartet. Unter den großen Euro-Ländern trübt sich die Stimmung am stärksten in Frankreich ein (-3,7). In den großen Krisenstaaten Italien (+0,8) und Spanien (+0,2) verbessert sich die Stimmung dagegen leicht. Für Deutschland bleibt die Lageeinschätzung nahezu unverändert. In den Index fließt vor allem das Industrie- und Dienstleistungsvertrauen ein.

+++ Griechenland unterstützt Merkels Pläne zur EU-Reform +++

[11.06 Uhr] Griechenlands Regierung stellt sich hinter die von Deutschland geforderte Änderung der EU-Verträge. "Eine begrenzte Vertragsänderung ist nötig", sagt Außenminister Stavros Dimas bei einem Treffen in Berlin. Er setze darauf, dass der EU-Gipfel am 9. Dezember die nötigen Entscheidungen zur Lösung der Schuldenkrise treffen werde. Deutschland will eine begrenzte Vertragsänderung, die europäische Eingriffsrechte in nationale Haushalte von notorischen Defizitsündern in der Euro-Zone festschreiben soll.

+++ Berichte: Société Générale verkauft 600-Millionen-Forderungen +++

[10.58 Uhr] Die französische Großbank Société Générale verkauft Forderungen im Volumen von 600 Millionen Euro zur Stärkung ihrer Bilanz. Es gehe um Ansprüche aus Immobilienkrediten, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Das Vorhaben sei Teil des Plans, sich von risikobehafteten Anlagen im Volumen von Dutzenden Milliarden Euro zu trennen, um die Bilanz angesichts der Euro-Schuldenkrise zu stärken. Die Krise brachte Frankreichs zweitgrößter Bank im abgelaufenen Quartal einen kräftigen Gewinneinbruch.

+++ Zinsen für Italiens Staatsanleihen steigen auf Rekordniveau +++

[10.49 Uhr] Vor der Auktion italienischer Anleihen haben sich die Renditen der zehnjährigen Papiere des Landes wieder ihrem jüngsten Rekordhoch von 7,5 Prozent genähert. Der Zins liegt am Dienstagvormittag in der Spitze bei 7,454 Prozent. Das hochverschuldete Land will am Dienstag neue Anleihen im Volumen von bis zu acht Milliarden Euro ausgeben. Analysten zufolge sind Renditen auf einem solch hohen Niveau langfristig nicht tragbar.

+++ Frankreich hält an Wachstumsprognose fest +++

[10.40 Uhr] Frankreich hält trotz der jüngsten pessimistischen OECD-Konjunkturprognose an seinem Wachstumsziel von 1,0 Prozent für seine Wirtschaft im Jahr 2012 fest. Budgetministerin und Regierungssprecherin Valérie Pécresse erklärt am Dienstag, ein neues Sparprogramm sei nicht nötig. Die bisherige Planung enthalte zudem eine "Sicherheitsmarge" von sechs Milliarden Euro. Die OECD betonte am Montag, die Euro-Zone rutsche kurzfristig in eine "milde" Rezession. Die OECD-Experten senkten die Wachstumsprognose für Frankreich von 2,1 auf 0,3 Prozent,

+++ Moody's warnt vor Herabstufung nachrangiger Bank-Schulden +++

[10.19 Uhr] Die Rating-Agentur Moody's wird möglicherweise die nachrangigen Schulden von 87 Banken aus 15 europäischen Staaten herabstufen - aus Sorge, die Regierungen seien im Falle einer finanziellen Schieflage der Institute möglicherweise zu knapp bei Kasse, um nachrangige Gläubiger vor Schaden zu bewahren. Betroffen von der Überprüfung sind laut einer Erklärung von Moody's vor allem zahlreiche Banken in Spanien, Italien, Österreich und Frankreich, jedoch kein Institut in Deutschland. Möglich sei, dass die nachrangigen Papiere um durchschnittlich zwei Stufen abgewertet werden.

+++ Bericht: Deutsche und Franzosen rangeln um EZB-Posten +++

[9.56 Uhr] Laut einem Bericht des "Handelsblatts" droht der Europäischen Zentralbank (EZB) ein Machtkampf zwischen Deutschland und Frankreich. Berlin und Paris erheben demnach gleichermaßen Ansprüche auf den Posten des EZB-Chefvolkswirts. Eine mit den Gesprächen vertraute Person sagte der Zeitung, es sei keinesfalls sicher, dass der deutsche Noch-Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen neuer EZB-Chefvolkswirt werde. "Das Rennen ist offen." Bisher war die Bundesregierung davon ausgegangen, dass Asmussen quasi automatisch Nachfolger des bisherigen EZB-Chefvolkswirts Jürgen Stark werde, der im September seinen Rücktritt verkündet hatte.

China schickt Investoren nach Europa

+++ Rehn verlangt von Italien neue Einsparungen +++

[9.36 Uhr] EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn will von der neuen Regierung in Italien sofortige Reformen einfordern. Die Gefahr eines Zahlungsausfalls könne schnell zunehmen, wenn nicht die passenden Gegenmaßnahmen getroffen würden, zitierte am Dienstag "La Repubblica" aus einem Dokument, das Rehn Italien bei dem Treffen der Euro-Finanzminister am Nachmittag vorlegen wollte. Hierzu seien sofort Schritte erforderlich, die den Haushalt um elf Milliarden Euro entlasten, heißt es in dem Dokument der Zeitung zufolge weiter.

+++ China schickt Investoren nach Europa +++

[9.23 Uhr] Die Regierung in Peking will im kommenden Jahr eine Delegation von Investoren nach Europa schicken. "Wir möchten noch mehr chinesische Unternehmen dazu ermuntern, europäische Unternehmen zu erwerben", zitierte die Zeitung "Global Times" den chinesischen Handelsminister Chen Deming. China sei bereit, seinen Markt zu öffnen, "beispielsweise im Finanzsektor". Die europäischen Länder müssten aber ebenfalls zu Zugeständnissen bereit sein. Der Minister ließ aber offen, welche Länder die Delegation bereisen will. Erst am Montag war bekannt geworden, dass der billionenschwere chinesische Staatsfonds CIC künftig Geld in die europäische und in die US-Infrastruktur stecken will.

+++ Dax startet mit Verlusten +++

[9.12 Uhr] Nach zwei kräftigen Erholungstagen ist der Dax schlechter in den Handel gestartet. Trotz guter Vorgaben aus Übersee nahmen Anleger vor dem Treffen der Euro-Finanzminister eine abwartende Haltung ein, hieß es am Markt. Der deutsche Leitindex fiel im frühen Geschäft um 0,6 Prozent. Nach zuvor neun schwachen Tagen mit einem Minus von mehr als elf Prozent hatte der Leitindex in den vergangenen beiden Handelsrunden die Hälfte der Verluste wieder aufgeholt.

+++ Opposition: EFSF-Hebelung wirkungslos +++

[9.02 Uhr] Die SPD-Finanzexperte Joachim Poß äußert Zweifel, dass der EFSF trotz erhöhter Schlagkraft geeignet sei, Schuldnerländern wie Italien wirksam zu helfen. "Es sieht nicht so aus, dass der Hebel die Kraft haben wird, größeren Problemländern zu helfen", sagte Poß am Dienstag im Deutschlandfunk. Auch der Grünen-Finanzpolitiker Gerhard Schick glaubt nicht an den Erfolg der sogenannten Hebelung des EFSF. Die Bundesregierung habe von den drei Varianten der Hebelung des EFSF "die kostengünstigste und stabilste - die Banklizenz - ausgeschlossen und dafür zwei andere Varianten auf den Weg gebracht, deren Wirksamkeit inzwischen allgemein bezweifelt wird", sagte Schick der Online-Ausgabe des "Handelsblatts".

+++ Uno-Chefvolkswirt wirft Deutschland Euro-Gefährdung vor +++

[8.51 Uhr] Der Chefvolkswirt der Uno-Organisation für Welthandel und Entwicklung, Heiner Flassbeck, wirft Deutschland vor, durch seine Wettbewerbsvorteile im europäischen Vergleich den "Grundstein zum Grabstein des Euros" zu legen. Im "Hamburger Abendblatt" schreibt Flassbeck, Deutschland spiele mit seinem extrem hohen Exportüberschuss eine entscheidende, aber keineswegs positive Rolle. Laut Flassbeck ist der Wettbewerbsgewinn des einen der Verlust eines anderen, "und je enger der Verbund der beiden im Handelsaustausch, umso unbestreitbarer ist das". Deutschland habe zudem mit seiner deflationären Lohnpolitik klar gegen das von der Europäischen Zentralbank gesetzte Inflationsziel von zwei Prozent verstoßen, klagte der frühere Finanzstaatssekretär.

fab/fdi/AFP/dpa/Reuters
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