Fotostrecke

Revolte in Ägypten: Panzer, Tränengas, Plünderungen

Foto: Peter Macdiarmid/ Getty Images

Minutenprotokoll zur Revolte Ärzte berichten von steigenden Todeszahlen

Nach Angaben von Ärzten sind bei den Demonstrationen gegen Ägyptens Präsident Mubarak bisher über 90 Menschen ums Leben gekommen. Die Proteste hielten bis in die Nacht an: Trotz Ausgangssperre gingen noch Tausende auf die Straße.

+++ Noch immer Demonstranten in den Straßen +++

[23.30 Uhr] Al-Dschasira berichtet, dass noch mindestens 2000 Demonstranten auf den Straßen Kairos unterwegs sind. Die Zahl der Menschen, die sich über die Ausgangssperre hinwegsetzen, sei jedoch deutlich geringer worden, bedingt auch durch die zunehmenden Plünderungen.

+++ Todeszahl steigt auf über 90 +++

[22.56 Uhr] Bei dem Versuch zwei Polizeireviere südlich von Kairo zu stürmen sind 17 Demonstranten erschossen worden. Es gab Dutzende Verletzte. Die Zahl der Toten steigt damit nach Angaben von Ärzten und Sicherheitsbeamten auf mindestens 92 Menschen seit Beginn der Proteste vor fünf Tagen.

+++ Demonstranten legen Feuer in Regierungsgebäude +++

[22.37 Uhr] Laut Reuters haben Demonstranten in Kairo mehrere Feuer gelegt. Unter anderem setzten sie die Zentrale der ägyptischen Steuerbehörde und ein Bürogebäude in der Nähe des Innenministeriums in Brand. Die Flammen seien mehrere Straßenblocks weit zu sehen, berichtete ein Journalist der Nachrichtenagentur.

+++ TV-Sender zeigt Festgenommene +++

[22.25 Uhr] Das ägyptische Staatsfernsehen zeigte am Abend erstmals Bilder von Dutzenden von Männern, bei denen es sich um festgenommene Plünderer handeln soll.

+++ Plünderer überfallen Krankenhaus +++

[22.19 Uhr] Nicht nur Privathaushalte müssen sich vor zunehmenden Beutezügen durch Plünderer fürchten. Eine Kinderkrebsklinik sei überfallen und ausgeraubt worden, berichteten laut dpa und dem Fernsehsender al-Dschasira Ärzte am Samstag. In einem Krankenhaus im Kairoer Bezirk Abbasija hätten Ärzte zur Verteidigung des Gebäudes Molotowcocktails hergestellt.

+++ Appell von Deutschland, Frankreich und Großbritannien +++

[21.33 Uhr] Der nationale wie internationale Druck auf Ägyptens Präsident Husni Mubarak steigt am fünften Tag der blutigen Proteste. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premier David Cameron haben in einer gemeinsamen Erklärung Staatsoberhaupt Mubarak und die revoltierenden Demonstranten zu Gewaltverzicht aufgerufen. Er müsse einen Transformationsprozess einleiten hin zu einer "Regierung, die sich auf eine breite Basis stützt, sowie freien und fairen Wahlen".

Ausdrücklich lobten die drei Staatsvertreter "die ausgleichende Rolle (...), die Präsident Mubarak über viele Jahre im Nahen Osten gespielt hat". Es sei nun äußerst wichtig, dass die versprochenen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Reformen "rasch und vollständig umgesetzt werden und die Erwartungen des ägyptischen Volkes erfüllen". Die Menschenrechte und demokratischen Freiheiten müssten voll respektiert werden, einschließlich der Meinungsfreiheit und der freien Nutzung von Kommunikationsmitteln wie Telefon und Internet sowie der Versammlungsfreiheit.

+++ Dutzende Tote seit Freitag +++

[20.13] Nach Angaben von Ärzten und Sanitätern sind seit Freitag mindestens 73 Menschen bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten getötet worden. Tausende seien verletzt worden. Der arabische Sender al-Dschasira berichtet von mehr als 100 Todesopfern und 1000 Verletzten.

+++ Benzinlieferungen nach Gaza stocken +++

[19.55 Uhr] Dem Gaza-Streifen könnte wegen der Unruhen im benachbarten Ägypten das Benzin ausgehen. Palästinenser berichten laut der Nachrichtenagentur Reuters von Engpässen, da der grenzübergreifende Schmuggel durch unterirdische Tunnel ins Stocken geraten ist. So langsam wie am Samstag seien die Lieferungen seit Beginn der Aufstände nicht in Gaza angekommen. Die Hamas versucht die Bevölkerung zu beschwichtigen, dennoch horten die Einwohner bereits Benzin.

+++ Amnesty International kritisiert Netzabschaltung +++

[19.29] Wegen der teilweisen Abschaltung seines Mobilfunknetzes in Ägypten ist das britische Telekommunikations-Unternehmen Vodafone scharf kritisiert worden. Diese Bereitwilligkeit sei "einfach unglaublich", sagte am Samstag der Generalsekretär von Amnesty International, Salil Shetty, im Gespräch mit dem "Handelsblatt". Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück. Man habe das mobile Telefonieren am Samstagmorgen und damit so früh es ging wieder möglich gemacht, sagte ein Sprecher in London.

+++ Anwohner stellen Bürgerwehren auf +++

[18.57 Uhr] Wegen einer dramatischen Verschlechterung der Sicherheitslage bilden verzweifelte Einwohner in vielen Vierteln von Kairo Bürgerwehren. Junge Männer und Hausmeister bewaffnen sich mit Stöcken und Messern, um Angreifer abzuwehren, wie Augenzeugen berichten. Gleichzeitig gehen beim staatlichen Fernsehen Hilferufe von Bewohnern einiger Viertel ein, die das Militär um Schutz bitten. Die Verteidigung der Viertel ist allerdings schwer, weil die Plünderer meist in großen Gruppen von 30 bis sogar 200 Mann auftauchen.

+++ Demonstranten verharren auf dem Tahrir-Platz +++

[18.49 Uhr] Auf dem Tahrir-Platz in der Innenstadt Kairos harren noch immer Tausende Menschen in der Dunkelheit aus. Die Stimmung wirkt friedlich. Das Militär hält sich zurück.

+++ Deutsche Urlauber bleiben im Land +++

[18.25 Uhr] Die Ägypten-Urlauber der drei größten deutschen Touristikanbieter brechen ihre Reisen trotz der Unruhen in dem Land nicht ab. Von den mehreren tausend aus Deutschland angereisten Touristen habe niemand eine vorzeitige Rückreise beantragt, sagten Sprecher von TUI, Thomas Cook und Rewe Touristik. In den Urlaubsregionen des Landes - etwa am Roten Meer - sei die Lage ruhig.

+++ Israel fliegt Diplomatenfamilien und Touristen aus +++

[18.11 Uhr] Israel hat Frauen und Kinder von israelischen Diplomaten in Ägypten aus Kairo ausgeflogen. An Bord der Maschine, die am Abend auf dem Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv landete, waren auch etwa 40 Touristen, wie das Außenministerium mitteilte. Die Touristen, die sich während der Unruhen der vergangenen Tage in Kairo aufgehalten hatten, hätten den Wunsch geäußert, nach Israel zurückzukehren.

+++ Regierung plant keine vorgezogenen Neuwahlen +++

[17.48 Uhr] In Ägypten wird es nach Angaben eines Parlamentssprechers trotz der anhaltenden Proteste keine vorgezogenen Neuwahlen geben. Die Präsidentenwahl ist regulär für September angesetzt.

+++ Anwohner fürchten massive Plünderungen +++

[17.11 Uhr] In den Stadtvierteln von Kairo spitzt sich die Lage mit Einbruch der Dunkelheit zu. Nachdem es bereits in den Vortagen zu Plünderungen und Übergriffen gekommen ist, rotten sich nun abseits der Hauptstraßen Männer mit Stöcken und Messern zusammen. Die ägyptische Armee schützt laut dpa nur einige zentrale Plätze in der Stadt. Einwohner berichten, dass sie sich sich aus Angst vor Überfällen in ihren Wohnungen verbarrikadiert haben.

+++ Westerwelle in "großer Sorge" +++

[17.08 Uhr] Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die Führung und die Sicherheitskräfte in Ägypten aufgefordert, keine Gewalt gegen friedliche Demonstrationen auszuüben. Die Lage dürfe nicht weiter eskalieren, sagte Westerwelle. Er sei "in großer Sorge" über die Zuspitzung der Lage in Ägypten: "Die Nachrichten und Bilder der Gewalt aus Kairo und anderen großen Städten sind erschütternd." Politisch entscheidend sei nun, dass die ägyptische Führung den Weg politischer und wirtschaftlicher Reformen einschlage, erklärte Westerwelle. "Dauerhafte Stabilisierung braucht Demokratisierung, braucht die Achtung der Menschenrechte und die Gewährung der Meinungsfreiheit."

+++ Ahmed Schafik wird neuer Ministerpräsident +++

[17.05 Uhr] Nach Angaben des Staatsfernsehens ist der ehemalige Luftfahrtminister Ahmed Schafik zum neuen Ministerpräsidenten ernannt worden. Er soll nun die neue Regierung bilden. Schafik war früher Chef der ägyptischen Luftwaffe und steht dem Militär somit ebenfalls nahe.

+++ US-Außenministerium erhöht den Druck auf Mubarak +++

[16.51 Uhr] Der Sprecher des US-Außenministeriums, P.J. Crowley, hat in einer Twitter-Nachricht den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak zu echten Reformen aufgefordert. "Die ägyptische Regierung kann nicht einfach die Karten neu mischen und dann wieder auf stur schalten", schreibt Crowley. Der Ansprache von Mubarak und seinem Versprechen zu Reformen müssten nun Taten folgen.

+++ Panzer fahren vor dem Präsidentenpalast auf +++

[16.33 Uhr] Rund um den Präsidentenpalast in Kairo sind Panzer aufgefahren. Aus einzelnen Stadtteilen werden Prügeleien und Plünderungen gemeldet, etliche Hauptstraßen sind abgesperrt.

+++ Omar Suleiman neuer Vizepräsident +++

[16.20 Uhr] Erstmals in seiner 30-jährigen Herrschaft hat Husni Mubarak einen Vizepräsidenten ernannt. Den Posten nimmt der Geheimdienstchef Omar Suleiman ein. Sollte Mubarak sein Amt niederlegen oder das Land verlassen, würde Suleiman an seine Stelle treten. Im Staatsfernsehen wurde die Amtseinführung Suleimans gezeigt, der salutiert und Mubarak dann die Hand gibt. Suleiman war Abgesandter Mubaraks bei den Nahost-Friedensgesprächen und wird schon seit Jahren als Nachfolger des Dauerpräsidenten gehandelt. Er gilt als armeenah.

+++ Rätselraten um Aufenthaltsort Mubaraks +++

[16.17 Uhr] Wo ist Husni Mubarak? Gerüchteweise will er sich noch am Samstag erneut zu Wort melden, eine Bestätigung gibt es dafür aber nicht. Möglicherweise hält er sich im Präsidentenpalast auf, laut al-Dschasira spricht er gerade mit Beratern darüber, wie mit den Protesten umzugehen ist.

+++ Auswärtiges Amt rät von Städtereisen in Ägypten ab +++

[16.08 Uhr] Das Auswärtige Amt rät von Reisen in ägyptische Städte ab. Neben Kairo, Alexandria und Suez sollten auch die "urbanen Zentren im Landesinneren" gemieden werden, heißt es in den aktualisierten Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes. Ausgenommen von der Warnung seien nur die Tourismuszentren am Roten Meer.

Reisenden in Ägypten wird empfohlen, Menschenansammlungen und Demonstrationen weiträumig zu meiden. Genau wie diejenigen Ausländer, die in Ägypten leben, sollten Touristen in den örtlichen Medien das Geschehen verfolgen und sich so etwa über staatlich verfügte Ausgangssperren informieren.

Deutsche, die sich längerfristig in Ägypten aufhalten, können sich bei der Botschaft in Kairo registrieren. Sie werden dann per E-Mail über aktuelle Entwicklungen und Warnungen informiert. Wie viele Deutsche sich derzeit in Ägypten aufhalten, ist laut Ministerium nicht bekannt.

+++ Deutsch-Ägypter demonstrieren in Berlin +++

[16.04 Uhr] Rund 250 Ägypter haben in Berlin für Demokratie und Freiheit in ihrem Heimatland demonstriert. Auf einer Kundgebung wurden Rufe laut wie "Die Revolution wird siegen" oder "Mubarak, wir sind arm geworden, was machen Sie mit unserem Geld?". Auf Transparenten war außerdem zu lesen: "Mubarak, hast Du genügend Gefängnisse für 80 Millionen Ägypter?" Nach Polizeiangaben verlief die Veranstaltung ohne Zwischenfälle.

+++ Britisches Flugzeug dreht von Kairos Flughafen ab +++

[15.49 Uhr] Ein Flugzeug der Gesellschaft British Midland International ist auf dem Weg nach Kairo während des Fluges abgedreht und nach London zurückgekehrt. Als Grund gibt ein Sprecher der Airline die "sich rapide verändernden Verhältnisse" in Ägypten an. An Bord des Fluges BD771 waren 64 Passagiere und sechs Crewmitglieder.

Die Ausgangssperre, an die sich niemand hält

+++ Armee schlägt Angreifer vor Bankgebäude zurück +++

[15.44 Uhr] In der Innenstadt um den Tahrir-Platz protestieren Zehntausende friedlich, die Armee greift nicht ein. Vor einem Bankgebäude in einem Vorort der Hauptstadt allerdings haben Soldaten angeblich Hunderte Angreifer vertrieben, die sich mit Holzlatten Zutritt zu dem Gebäude verschaffen wollten, in dem Banknoten gedruckt werden. Die mutmaßlichen Plünderer flohen, nachdem mehrere Panzer am Ort des Geschehens aufgefahren waren und die Soldaten Warnschüsse abgegeben hatten.

+++ Demonstranten tragen Leichname durch die Straßen +++

[15.33 Uhr] In der Live-Übertragung von al-Dschasira sind Demonstranten zu sehen, die in Kairo offenbar Tote durch die Straßen tragen. Den Angaben des Senders zufolge kamen zudem drei Menschen ums Leben, als eine aufgebrachte Menge versuchte, das Innenministerium zu stürmen. Eine Bestätigung gibt es dafür nicht.

+++ Deutsche Nachrichtensender ohne Live-Berichterstattung +++

[15.29 Uhr] Während al-Dschasira kontinuierlich live aus Ägypten berichtet und der US-Sender CNN ebenfalls einen Großteil seines aktuellen Programms den Geschehnissen in Kairo und anderen Großstädten widmet, zeigen die deutschen Nachrichtensender zeitlose Dokumentationen. Auf n-tv ist "Tierische Krawallmacher" zu sehen, auf N24 eine Sendung über Garnelenfischerei.

+++ Auch in Alexandria trotzen Demonstranten der Ausgangssperre +++

[15.19 Uhr] Nicht nur in Kairo ignorieren die Demonstranten die Ausgangssperre der Regierung, auch in der zweitgrößten Stadt des Landes, Alexandria, sind nach Angaben von Augenzeugen weiter Tausende auf der Straße. "Ich habe nicht das Gefühl, dass es überhaupt eine Ausgangssperre gibt", zitiert Reuters den Zeugen.

+++ Einflussreicher Geistlicher prophezeit Ende des Mubarak-Regimes +++

[15.13 Uhr] Der einflussreiche Geistliche Qaradawi hat sich zu Wort gemeldet. "Dies ist das Ende des Mubarak-Regimes", wird er zitiert. Außerdem fordert er laut al-Dschasira die Demonstranten zum Gewaltverzicht auf.

+++ Stahlmagnat Ezz zieht sich aus Regierungspartei zurück +++

[15.04 Uhr] Der reiche Geschäftsmann Ahmed Ezz hat sich aus der Spitze der Regierungspartei von Husni Mubarak zurückgezogen. Ezz gilt als enger Vertrauter von Mubaraks Sohn. Die Demonstranten hatten sich bei ihren Rücktrittsforderungen auch an den Stahlmagnaten gewandt und eins seiner Büros in Kairo verwüstet.

+++ Ausgangssperre tritt in Kraft, Demonstranten bleiben +++

[15 Uhr] Die Ausgangssperre ist in Kraft. Noch immer sind die Massen in Kairo unterwegs. Die Armee greift nicht ein. Unbestätigten Berichten zufolge marschieren Demonstranten in Richtung des Gebäudes, in dem das Staatsfernsehen untergebracht ist.

Aus Tausenden werden Zehntausende

+++ Ägypter demonstrieren auch in London +++

[14.50 Uhr] Auch in der britischen Hauptstadt London gehen Menschen mit ägyptischen Wurzeln auf die Straße und fordern Freiheit für Ägypten. Sie halten Fahnen und Spruchbändern hoch.

+++ Menschenmassen strömen durch die Hauptstadt +++

[14.44 Uhr] In den Straßen von Kairo sind nach wie vor gewaltige Menschenmengen unterwegs. Ausschreitungen sind nicht zu sehen. Demonstranten halten Transparente hoch, "Das Volk hat gesprochen" steht auf einem davon zu lesen. Unbestätigten Angaben zufolge haben tausend Protestierende das Innenministerium angegriffen, die Polizei soll angeblich zurückfeuern. Dies lässt sich aber nicht überprüfen. In einer Viertelstunde tritt die Ausgangssperre in Kraft.

+++ Armee warnt vor Missachtung der Ausgangssperre +++

[14.19 Uhr] Kurz vor Ablauf der Frist für die Ausgangssperre verbreitet das Staatsfernsehen einen neuen Appell der Armee. Wer sich nicht an die Anordnung halte, bringe sich in "Gefahr". Auf Live-Bildern aus Kairo ist aber zu sehen, wie sich die Soldaten weiterhin passiv verhalten. Die Straßen sind voller Menschen, die Stimmung wirkt friedlich. Polizisten sind nicht zu sehen.

+++ Beginn der Ausgangssperre rückt näher +++

[14.10 Uhr] In 50 Minuten beginnt die offizielle Ausgangssperre. Auf Live-Bildern aus Kairo ist zu sehen, dass noch immer Tausende Menschen auf den Straßen unterwegs sind. Die Armee ist zwar präsent, macht aber bisher keine Anstalten, die Gegend zu räumen.

+++ Acht Personen in Kairoer Gefängnis erschossen +++

[14.06 Uhr] In einem Gefängnis am Stadtrand von Kairo sind angeblich acht Menschen erschossen worden. Das berichtet der Sender al-Dschasira.

+++ Proteste in Alexandria, Suez und Port Said +++

[14.01 Uhr] Aus dem ganzen Land werden wütende Proteste gemeldet. In Suez rufen die Demonstranten, sie wollten nicht weichen, bis Präsident Mubarak seinen Rücktritt erklärt. Auch in Alexandria und Port Suez marschieren die Menschen. Immer wieder wird von Vandalismus und Plünderungen berichtet.

+++ Zahl der Demonstranten in Kairo wächst stetig +++

[13.31 Uhr] Auf den Straßen der Hauptstadt schwillt die Masse der Demonstranten immer weiter an. Auf Fernsehbildern ist zu sehen, wie sich die Menge am Ufer des Nil auf Polizeiketten zubewegt. Es scheint aber friedlich zu bleiben. Beobachter haben den Eindruck, dass die Stimmung unter den Protestierenden geradezu euphorisch ist. Die zumeist jungen Männer hätten das Gefühl, wirklich etwas bewegen zu können, sagte ein Experte dem Sender al-Dschasira. Inzwischen sind demnach allein in Kairo mehr als 50.000 Menschen auf den Beinen.

+++ Behörden geben Zahl der Toten vom Freitag mit 38 an +++

[13.26 Uhr] Bei den gewaltsamen landesweiten Protesten gegen die Regierung in Ägypten sind am Freitag nach Informationen des Gesundheitsministeriums 38 Menschen getötet worden. Wie Vertreter des Ministeriums am Samstag in Kairo mitteilten, kamen jeweils zwölf Menschen in der Hauptstadt sowie in der Stadt Suez ums Leben. Rund 1900 Menschen seien verletzt worden, unter ihnen 500 Polizisten. Seit Beginn der Proteste am Dienstag hat es somit fast 50 Todesopfer und 2500 Verletzte gegeben.

+++ Ägyptens Börse am Sonntag geschlossen +++

[13.08 Uhr] Die Börse in Ägypten wird am Sonntag geschlossen bleiben. Das meldet Reuters unter Berufung auf die Finanzaufsicht.

+++ Brandanschläge in Alexandria und Luxor +++

[13.03 Uhr] Al-Dschasira meldet, eine aufgebrachte Menge habe in Luxor ein Büro der Regierungspartei in Brand gesetzt. In Alexandria seien mehrere Polizeistationen in Flammen aufgegangen. Dort sind nach Angaben des Senders mindestens 23 Menschen bei den Protesten ums Leben gekommen.

+++ Regierung weitet Ausgangssperre aus +++

[12.45 Uhr] Die Behörden in Ägypten haben die Ausgangssperre nach Angaben des Staatsfernsehens deutlich ausgeweitet. Für alle größeren Städte, vor allem Kairo, Suez und Alexandria, gilt die Sperre nun ab 16 Uhr Ortszeit (in Deutschland 15 Uhr) am Samstag bis 8 Uhr am Sonntag.

+++ Zehntausende auf dem Tahrir-Platz in Kairo +++

[12.41 Uhr] Auf dem zentral gelegenen Tahrir-Platz in Kairo haben sich mehrere zehntausend Demonstranten versammelt. Laut al-Dschasira sind es etwa 50.000 Menschen. Sie halten Transparente hoch und skandieren Parolen. Zu sichtbaren Ausschreitungen ist es noch nicht gekommen.

+++ Iran ruft Mubarak zu Gewaltverzicht auf +++

[12.33 Uhr] Iran hat die Proteste gegen die Regierung in Ägypten als "Welle des islamischen Erwachens" bezeichnet. Das Außenministerium in Teheran rief die Führung in Kairo auf, die Gewalt gegen diese Bewegung zu beenden. "Der Protest der Muslime in Ägypten ist ein Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit und Ausdruck ihres nationalen und religiösen Willens", sagte Ministeriumssprecher Ramin Mehmanparast nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars. Der erzkonservative Ajatollah Ahmad Chatami sagte beim Freitagsgebet, "die politische Achse des neuen Nahen Ostens wird bald die islamische Führerschaft und eine Demokratie sein, die auf Religion basiert". Und: "All die Proteste in Ägypten, Tunesien, Jordanien und Jemen sind durch die iranische islamische Revolution inspiriert."

Demonstranten erobern die Straßen von Kairo

+++ Generalstabschef Anan zurück in Kairo +++

[12.29 Uhr] Der Generalstabschef der ägyptischen Armee, Sami Anan, ist in Ägypten eingetroffen. Er sei auf dem Flughafen von Kairo gelandet, hieß es von Mitarbeitern des Airports. Anan hatte sich in den vergangenen Tagen zu militärischen Gesprächen in den USA aufgehalten und kürzte seinen Aufenthalt angesichts der tagelangen Proteste nun ab. Die ägyptische Armee soll derzeit vor allem die seit Freitag geltenden nächtlichen Ausgangssperren in Kairo, Alexandria und Suez überwachen.

+++ Reuters gibt Opferzahl mit 74 Toten an +++

[12.25 Uhr] Reuters schätzt die Anzahl der Todesopfer bei den Protesten in Ägypten auf 74. Die Nachrichtenagentur beruft sich dabei auf Angaben von Krankenhäusern und Augenzeugen, räumt aber ein, dass die wirklichen Zahlen sich deutlich von der eigenen Einschätzung unterscheiden könnten. Allein seit Freitag seien 68 Tote gemeldet worden. Die Anzahl der Verletzten schätzt Reuters auf rund 2000. Offizielle Angaben gibt es dazu aber nicht. Die Angaben zu Todesopfern liegen bei al-Dschasira deutlich höher: bei 95.

+++ ElBaradei fordert Mubarak erneut zum Rücktritt auf +++

[12.16 Uhr] Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei hat in einem Interview mit al-Dschasira den Präsidenten Husni Mubarak zum Rücktritt aufgefordert. Mubarak müsse abtreten und einen Plan zur Übergabe der Macht ausarbeiten, sonst werde die Gewalt auf den Straßen nicht aufhören, sagte ElBaradei. Mubaraks Ansprache bezeichnete er als "enttäuschend". Bereits am Freitag hatte sich ElBaradei ähnlich geäußert und war danach unter Hausarrest gestellt worden.

+++ Polizei schießt mit scharfer Munition in Alexandria +++

[11.49 Uhr] Aus Alexandria meldet ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Reuters schwere Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten. Tausende Menschen seien auf den Straßen unterwegs, die Polizei setze Tränengas und scharfe Munition ein. Angeblich sind dort seit Freitag 20 Menschen ums Leben gekommen.

+++ Ägyptische Regierung tritt zurück, Mubarak bleibt +++

[11.45 Uhr] Das ägyptische Kabinett hat nach Angaben von al-Dschasira seinen Rücktritt eingereicht. Präsident Husni Mubarak bleibt aber im Amt, wie er bereits am Freitagabend angekündigt hatte. Das neue Kabinett soll noch am Samstag benannt werden.

+++ Angeblich mindestens 30 Tote in Kairo, darunter zwei Kinder +++

[11.31 Uhr] Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert eine Quelle aus einem Krankenhaus in Kairo, der zufolge am Freitag zwischen 13 und 23 Uhr mindestens 30 Tote in die Leichenhalle der Klinik gebracht worden sind. Unter den Opfern sind demnach zwei Kinder im Alter von vier und sieben Jahren.

+++ Regierung tritt in Kairo zusammen +++

[11.26 Uhr] Nach Angaben der Nachrichtenagentur Mena trifft sich das noch amtierende Kabinett in Kairo, um seine Abdankung offiziell einzureichen. Präsident Mubarak hatte in einer Fernsehansprache am Freitagabend angekündigt, die Regierung zu entlassen und eine neues Kabinett einzusetzen. Das Treffen leitet laut Mena der Ministerpräsident Ahmed Nasif.

+++ Demonstranten plündern Supermarkt in Kairo +++

[11.22 Uhr] Am Stadtrand von Kairo wird eine Filiale der französischen Supermarktkette Carrefour geplündert, wie Augenzeugen der Nachrichtenagentur AFP sagten. Demnach rennen Dutzende Menschen mit gestohlenen Artikeln durch die Straßen am Rande des von vielen Ausländern bewohnten Viertels Maadi.

+++ Schwere Zusammenstöße in der Hafenstadt Ismailija +++

[11.20 Uhr] In der ägyptischen Hafenstadt Ismailija berichten Augenzeugen von schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Tausende Hafenarbeiter waren demnach in der Stadt am Suezkanal auf der Straße unterwegs. Sie protestierten den Angaben zufolge dagegen, von der Arbeit weggeschickt worden zu sein. Die Polizei setzte Gummigeschosse und Tränengas gegen sie ein.

+++ TUI bietet Umbuchungen und Stornierungen an +++

[11.05 Uhr] Der Reiseveranstalter TUI bietet Ägypten-Urlaubern mit Anreisedatum bis zum 3. Februar gebührenfreie Umbuchungen an. Wer eine Reise nach Kairo gebucht hat, kann sogar kostenlos stornieren. Alle anderen Reisen nach Ägypten sollen weiterhin stattfinden. Die Touristenregionen am Roten Meer sind von den Protesten derzeit nicht betroffen.

+++ Armee ruft zur Einhaltung der Ausgangssperre auf +++

[10.51 Uhr] Das Staatsfernsehen verbreitet einen Aufruf der ägyptischen Armee. Die Bürger sollten sich nicht auf den Straßen versammeln und sich an die nächtliche Ausgangssperre halten, heißt es in dem Appell. Wer dagegen verstoße, müsse mit "rechtlichen Konsequenzen" rechnen.

+++ TV-Reporter berichtet von Leichen auf den Straßen+++

[9.27 Uhr] Der Reporter des TV-Kanals al-Dschasira berichtet, er habe mehr als 20 Tote in den Straßen der Hafenstadt Alexandria gesehen. Nähere Angaben machte der Sender nicht, die Information lässt sich nicht aus anderen Quellen bestätigen. Die BBC berichtet, in der Nacht seien mindestens 26 Menschen gestorben, in der dpa ist von 25 Toten die Rede, Tausende wurden verletzt.

+++ Hausbewohner helfen Demonstranten mit Wasser +++

[9.24 Uhr] Nach fast zehn Stunden anhaltender Proteste sind viele Demonstranten erschöpft und durstig, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Yassin Musharbash. Mit Handzeichen bitten sie die Bewohner der Häuser in der Innenstadt um Wasser. Nicht wenige werfen Flaschen aus dem Fenster.

+++ Prinzen flüchten aus Ägypten +++

[8.58 Uhr] Angesichts der blutigen Proteste haben mehrere arabische Prinzen und Geschäftsleute das Land verlassen. Sie seien mit Privatflugzeugen noch am Freitag in Richtung Riad, Dubai und Amman gestartet, um den Unruhen zu entkommen, meldet die Agentur dpa. Dagegen habe bislang kein ägyptischer Politiker das Land verlassen, erklärte ein Verantwortlicher am Internationalen Flughafen von Kairo am Samstag.

+++ Hunderte auf den Straßen von Kairo +++

[8.32 Uhr] Im Zentrum Kairos haben sich Hunderte Demonstranten versammelt. Laut Nachrichtenagentur Reuters rufen sie "Geh, geh!" und fordern damit den Rücktritt von Präsident Mubarak. Armeesoldaten beobachteten die Szene, griffen aber nicht ein. Die Demonstranten riefen ihnen zu: "Friedlich, friedlich."

+++ Polizei feuert vereinzelt Tränengas-Granaten +++

[8.15 Uhr] Die Demonstranten sind die ganze Nacht am Tahrir-Platz geblieben, die Armee hat mindestens drei Panzer und mehrere weitere Fahrzeuge dort aufgestellt. Tränengasgranaten sind zu hören. Offenbar ist die Polizei auch noch in den Straßen, die Demonstranten geben nicht auf und sind mit Mubaraks Erklärung nicht zufrieden.

+++ Obama appelliert an Mubarak +++

[0.43 Uhr] Der US-Präsident hat mit seinem ägyptischen Amtskollegen telefoniert. Obama teilt mit, er habe Mubarak zu Reformen und Demokratisierung gedrängt. Auf die Ankündigungen müssten nun Taten folgen. Mubarak hatte in der Nacht die Entlassung seines Kabinetts angekündigt.

itz/ffr/can/Reuters/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.