Missbrauchsaffäre in Zentralafrika Frankreich ermittelt gegen eigene Soldaten

In der Zentralafrikanischen Republik sollen französische Soldaten Frauen und Kinder missbraucht haben - nun werden Ermittler in Paris aktiv. Auch Uno-Blauhelmsoldaten müssen sich dafür verantworten.

Blauhelmsoldaten vor Gericht im Kongo
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Blauhelmsoldaten vor Gericht im Kongo


In der Affäre um Missbrauchsvorwürfe gegen französische Soldaten und Uno-Blauhelme in Zentralafrika hat die Staatsanwaltschaft in Paris erste Ermittlungen eingeleitet. Unter Verdacht stehen Militärangehörige, die zwischen 2013 und 2015 in der Stadt Dékoa stationiert waren, wie die Nachrichtenagentur AFP und AP mit Verweis auf Justizkreise meldet.

Demnach ist bislang nicht bekannt, wie viele Soldaten beschuldigt werden. Auch über die Zahl der mutmaßlichen Opfer und ihr Alter gibt es noch keine Informationen.

Nach Angaben der Uno hatten mehr als hundert Frauen und Mädchen ausgesagt, von ausländischen Soldaten sexuell missbraucht worden zu sein. Die Anschuldigungen richten sich demnach gegen französische Soldaten sowie Uno-Blauhelme aus Burundi und Gabun.

Frankreich hatte in seiner ehemaligen Kolonie im Dezember 2013 angesichts der tödlichen Gewalt zwischen christlichen und muslimischen Milizen die Operation Sangaris gestartet. Seit September 2014 sind in Zentralafrika zudem Blauhelmsoldaten der Uno-Truppe Minusca im Einsatz.

Verdächtige weisen Schuld von sich

Drei Mitglieder dieser Blauhelm-Truppe müssen sich seit Montag in einem ersten Prozess in der Demokratischen Republik Kongo verantworten. Die Beschuldigten plädierten vor dem Gericht im Militärgefängnis von Ndolo nördlich der Hauptstadt Kinshasa auf nicht schuldig. Ihnen wird Vergewaltigung beziehungsweise versuchte Vergewaltigung vorgeworfen.

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Uno-Blauhelme unter Verdacht: Schutztruppen, die nicht schützen
Die Nichtregierungsorganisation Aids-Free World hatte in der vergangenen Woche über Vorwürfe dreier Mädchen berichtet, ein Kommandeur der französischen Militäreinheit Sangaris habe sie im Jahr 2014 in einem Lager zu Sex mit einem Hund gezwungen. Alle drei hätten später ein wenig Geld erhalten.

Strafrechtliche Konsequenzen hat es bislang in keinem der Fälle aus dem vergangenen Jahr gegeben. Laut den Uno-Einsatzregeln obliegt es den Heimatländern der Soldaten, Anklage zu erheben. Menschenrechtsgruppen kritisieren, dass die Beschuldigten oft nicht zur Verantwortung gezogen würden oder nur geringe Strafen erhielten.

vks/AFP/AP

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