Mission in Syrien Beobachter fordern Abzug von Assads Scharfschützen

Die Beobachtermission in Syrien ist heftig umstritten, doch nun hat die Arabische Liga offenbar erstmals konkrete Forderungen an das Regime gestellt. Assad müsse seine Heckenschützen umgehend abziehen. In der Protesthochburg Homs werden die Nahrungsmittel knapp.

Proteste in Homs: Aktivisten sprechen von Dutzenden Toten
REUTERS

Proteste in Homs: Aktivisten sprechen von Dutzenden Toten


Kairo - Beobachter der Arabischen Liga haben in Syrien den sofortigen Abzug der Heckenschützen verlangt. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Delegierte der Beobachtermission hätten in der Protesthochburg Duma mit eigenen Augen Schützen gesehen, die sich auf Hausdächern verschanzt hielten.

In Duma und anderen Städten Syriens gab es am Freitag Massenproteste gegen die Regierung von Baschar al-Assad. Mehr als eine halbe Million Menschen gingen auf die Straße. Sie skandierten Sprechchöre gegen den Diktator Assad. "Baschar, wir wollen dich nicht", riefen sie, und "Syrer, erhebt eure Hände".

Das Regime reagierte brutal. Syrischen Aktivisten zufolge wurden 32 Menschen getötet. Die meisten von ihnen seien in der seit Wochen umkämpften Oppositionshochburg Homs gestorben. Auch bei den Demonstrationen in anderen Landesteilen sei es zu heftigen Ausschreitungen gekommen.

Nach Uno-Schätzungen sind seit Beginn des Aufstandes gegen das Regime im März mehr als 5000 Menschen getötet worden. Seit etwa einer Woche sind die Beobachter der Arabischen Liga im Land. Ihre Aufgabe ist es, bis Ende Januar den Rückzug der syrischen Armee und die Freilassung politischer Gefangener zu überwachen. Ziel der Mission ist ein Ende des Blutvergießens.

Doch Menschenrechtler üben scharfe Kritik an den Beobachtern. Der Aktivist Omar Idlibi sagte, dass die Delegierten von der syrischen Führung massiv getäuscht würden. In der Provinz Idlib nahe der türkischen Grenze habe die Armee ihre Panzer versteckt, als die Beobachter kamen. Nach dem Besuch sei das Militär wieder aufgefahren.

Probleme bei der Nahrungsversorgung

Die Vereinten Nationen unterstützen die Beobachtermission dagegen. Die Bemühungen der Arabischen Liga um eine friedliche Lösung der Krise in dem Land seien wichtig, teilte ein Uno-Sprecher mit. Es sei entscheidend, dass die syrische Regierung der Beobachtermission ungehinderten Zugang gewähre und uneingeschränkt mit ihr kooperiere. Der Sicherheitsrat ist in der Frage, ob die Gewalt in Syrien in einer Resolution verurteilt werden soll, weiter tief gespalten.

Laut einem CNN-Bericht gibt es in der Rebellenhochburg Homs Probleme bei der Nahrungsversorgung. Es sei für die Bürger deutlich schwieriger geworden, etwas zu essen zu finden. Ein Mann wird zitiert, der sagt, er habe seit zehn Tagen kein Brot gegessen. "Wegen der ganzen Checkpoints und der Feuergefechte ist es fast unmöglich geworden, durch die Stadt zu laufen."

Die syrische Opposition hat sich auf Regeln für eine Zeit nach Assad geeinigt. Das Nationale Koordinierungsgremium für einen Demokratischen Wandel (NCB) habe mit dem Syrischen Nationalrat (SNC) "die politischen und demokratischen Regeln für die Übergangsphase" nach dem Ende von Assads Herrschaft festgelegt, hieß es am Samstag. Die Gruppen vereínbarten demnach unter anderem die Achtung der Bürgerrechte und die "Gründung eines bürgerlich-demokratischen Staates".

Die Übergangsphase werde "mit dem Sturz des Regimes und all seiner Symbole beginnen", hieß es in dem im Internet veröffentlichten Dokument. Es fordert unter anderem den Schutz der Zivilbevölkerung, lehnt dazu aber eine ausländische Militärintervention ab. Unterstützung äußert das Dokument für die aus Deserteuren gebildete sogenannte Freie Syrische Armee, die gegen Assads Truppen kämpft. Die Übereinkunft soll laut NCB nun als offizielles Dokument bei der Arabischen Liga hinterlegt werden.

cte/dpa/dapd/AFP



insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
vHayekFan 31.12.2011
1. und weiter?
Gibts auch irgendwo ne Quelle zum Wortlaut der Äußerungen der Mission? Sollte mich doch wundern, wenn die nur die "Heckenschützen" der einen Seite zum Rückzug auffordern (mal davon abgesehen, dass wohl nicht ganz leicht feststellbar ist, zu welcher Seite jemand gehört der sich aufm Dach verschanzt, geschweige denn auf wessen Befehl er handelt).
Thom-d 31.12.2011
2.
Es ist unklar, wer diese Hechenschützen sind. Sind es die bekannten Terroristen, die auf Zivilisten und Sicherheitskräfte schiessen, oder sind es Sicherheitskräfte, die die Terroristen bekämpfen? Im zweiten Fall darf man nicht deren Rückzug verlangen. Es ist auch merkwürdig, das diese komische Menschenrechtsorganisation soviel über die Vorgänge in Syrien zu wissen scheint und das die Beobachter getäuscht wurden, während es sonst sehr schwer ist sich dort ein Bild zu verschaffen und deshalb ja die Beobachtermission geschickt wurde
markus081975 31.12.2011
3. ...
Zitat von sysopDie Beobachtermission in Syrien ist heftig umstritten, doch nun*hat*die Arabische Liga*offenbar erstmals konkrete Forderungen an das*Regime gestellt. Assad müsse seine Heckenschützen umgehend abziehen. In der Protesthochburg*Homs werden die Nahrungsmittel knapp.**** http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806516,00.html
Was in Syrien seit Wochen geschieht ist einfach unfaßbar. Seit Wochen wird auf Demonstranten geschossen, ganze Städte werden beschossen, iranische Militärs und Hisbollah Kräfte unterstütz von Teilen der irakisch-schiitischen Mahdi-Miliz schlachten auf Seiten Assads munter Zivilisten ab, sunnitische Kampfpiloten der syrischen Luftwaffe wurden mittlerweile durch iranische und ukrainische Piloten ersetzt, da die Zahl der Deserteure ständig zunimmt, ... Eine Diktatur versucht mit allen Mitteln, sich zu halten, richtet Blutbäder in Homs und anderen Städten an, und die Welt schaut fasziniert zu. Im UN-Sicherheitsrat tut sich nix, Russland ("lupenreine Demokratrie") verzögert wieder mal im UN-Sicherheitsrat, Deutschland mahnt, ..., und die arabische Liga schickt Beobachter. Und diese ganze Beobachtermission ist doch ein absoluter Witz. Angeführt wird sie vom sudanesischen General Mohammed Mustafa Ahmed al-Dabi, na toll. Über Al-Dabi kann man in der FAZ lesen: "Der Internationale Strafgerichtshof hat gegen den früheren Chef des sudanesischen Militärgeheimdiensts wegen dessen Verbrechen in Darfur einen internationalen Haftbefehl ausgestellt." Quelle: Abermals Massaker: Oppositionelle fordern UN-Schutzzone in Syrien - Arabische Welt - FAZ (http://www.faz.net/aktuell/politik/arabische-welt/abermals-massaker-oppositionelle-fordern-un-schutzzone-in-syrien-11576940.html) Al-Dabi gilt als enger Vertrauter von Sudans Präsident Omar al-Baschir. Gegen Al-Baschir liegt wegen Kriegsverbrechen in der Region Darfur auch ein internationaler Haftbefehl vor. Na dann verwundert es ja nicht, daß man z.B. in der Badischen Zeitung über den Chef der Beobachter (Al-Dabi) folgendes lesen kann: "Denn der Chef der Beobachter der Arabischen Liga sieht seine Friedensmission optimistisch, hält die syrischen Behörden für kooperativ und findet in der umkämpften Protesthochburg Homs nichts Beunruhigendes." Quelle: Ausland: Von Darfur nach Damaskus - badische-zeitung.de (http://www.badische-zeitung.de/ausland-1/von-darfur-nach-damaskus--54275960.html) Na dann ist ja alles gut. Ommmmm....
widder58 31.12.2011
4. Beweise
Zitat von markus081975Was in Syrien seit Wochen geschieht ist einfach unfaßbar. Seit Wochen wird auf Demonstranten geschossen, ganze Städte werden beschossen, iranische Militärs und Hisbollah Kräfte unterstütz von Teilen der irakisch-schiitischen Mahdi-Miliz schlachten auf Seiten Assads munter Zivilisten ab, sunnitische Kampfpiloten der syrischen Luftwaffe wurden mittlerweile durch iranische und ukrainische Piloten ersetzt, da die Zahl der Deserteure ständig zunimmt, ... Eine Diktatur versucht mit allen Mitteln, sich zu halten, richtet Blutbäder in Homs und anderen Städten an, und die Welt schaut fasziniert zu. Im UN-Sicherheitsrat tut sich nix, Russland ("lupenreine Demokratrie") verzögert wieder mal im UN-Sicherheitsrat, Deutschland mahnt, ..., und die arabische Liga schickt Beobachter. Und diese ganze Beobachtermission ist doch ein absoluter Witz. Angeführt wird sie vom sudanesischen General Mohammed Mustafa Ahmed al-Dabi, na toll. Über Al-Dabi kann man in der FAZ lesen: "Der Internationale Strafgerichtshof hat gegen den früheren Chef des sudanesischen Militärgeheimdiensts wegen dessen Verbrechen in Darfur einen internationalen Haftbefehl ausgestellt." Quelle: Abermals Massaker: Oppositionelle fordern UN-Schutzzone in Syrien - Arabische Welt - FAZ (http://www.faz.net/aktuell/politik/arabische-welt/abermals-massaker-oppositionelle-fordern-un-schutzzone-in-syrien-11576940.html) Al-Dabi gilt als enger Vertrauter von Sudans Präsident Omar al-Baschir. Gegen Al-Baschir liegt wegen Kriegsverbrechen in der Region Darfur auch ein internationaler Haftbefehl vor. Na dann verwundert es ja nicht, daß man z.B. in der Badischen Zeitung über den Chef der Beobachter (Al-Dabi) folgendes lesen kann: "Denn der Chef der Beobachter der Arabischen Liga sieht seine Friedensmission optimistisch, hält die syrischen Behörden für kooperativ und findet in der umkämpften Protesthochburg Homs nichts Beunruhigendes." Quelle: Ausland: Von Darfur nach Damaskus - badische-zeitung.de (http://www.badische-zeitung.de/ausland-1/von-darfur-nach-damaskus--54275960.html) Na dann ist ja alles gut. Ommmmm....
haben Sie für Ihre Behauptungen auch nur einen Beweis oder quatschen Sie, wie alle, nur die dubiose "Oppostionstruppe" auf dem Hochsitz in London nach - bzw. allerlei Propagandaschrott aus der Systempresse... Heckenschützen? Wer sagt denn, dass es sich um Assads Heckenschützen handelt? Vielmehr und logischer wäre es, dass es sich um "oppositionelle" Heckenschützen handelt, die mit dem Beschuss von Zivilisten die "Schutzzonen" erpressen wollen. Natürlich kann ich das nicht beweisen, aber das scheint ja in diesem Konflikt auch niemanden zu interessieren. Hauptsache Stimmung gegen Assad und Unterstützung für qatarisch-saudische Söldner in der "Opposition".
amana 31.12.2011
5.
Zitat von widder58haben Sie für Ihre Behauptungen auch nur einen Beweis oder quatschen Sie, wie alle, nur die dubiose "Oppostionstruppe" auf dem Hochsitz in London nach - bzw. allerlei Propagandaschrott aus der Systempresse... Heckenschützen? Wer sagt denn, dass es sich um Assads Heckenschützen handelt? Vielmehr und logischer wäre es, dass es sich um "oppositionelle" Heckenschützen handelt, die mit dem Beschuss von Zivilisten die "Schutzzonen" erpressen wollen. Natürlich kann ich das nicht beweisen, aber das scheint ja in diesem Konflikt auch niemanden zu interessieren. Hauptsache Stimmung gegen Assad und Unterstützung für qatarisch-saudische Söldner in der "Opposition".
Derraa ist seit Monaten "befriedet" d.h tausende von Sicherheitskräften unterbinden jedweden Protest, einzig in einigen Dörfern gibt es immer mal wieder kurze Proteste. Wer dann die Heckenschützen in Derraa stellt, kann man sich dann ja denken.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.