Mit allen rechtlichen Mitteln US-Demokraten wollen Handauszählung in Florida

Der Streit um die US-Präsidentschaftswahl wird weiter vor Gericht ausgefochten. Die Demokraten kündigten an, gegen Floridas republikanische Innenministerin Katherine Harris zu klagen. Sie hatte keine weiteren Nachzählungen der Stimmzettel per Hand mehr akzeptiert.


Joe Lieberman
REUTERS

Joe Lieberman

Atlanta/Tallahassee - Nachdem die republikanische Innenministerin von Florida, Katherine Harris, die Stimmauszählung in dem Bundesstaat für beendet erklärt hatte, sagte der Vizepräsidentschaftskandidat Joe Lieberman im CNN-Fernsehen: "Wir müssen das tun, was alle Amerikaner machen, die von der Regierung ungerecht behandelt werden. Wir gehen vor Gericht".

Harris hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass sie keine weiteren Zählungen per Hand akzeptiert und vor Bekanntgabe des Endergebnisses am Samstag nur noch die Stimmzettel von Wählern aus Übersee abwarten wird.

Mit dem Wahlchaos in Florida werden sich am Donnerstag mehrere Gerichte verschiedener Instanzen und ein Bundesberufungsgericht befassen.

Bush lehnt Treffen mit Gore ab

Wer wird neuer US-Präsident?
DPA

Wer wird neuer US-Präsident?

Neben dem juristischen Streit setzen die beiden Kandidaten ihre Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit fort. Gore bot seinem Kontrahenten in einer Rede zur abendlichen Fernseh-Nachrichtenzeit an, alle Ergebnisse in Florida noch einmal per Hand auszählen zu lassen und das Ergebnis dann ohne Widerspruch zu akzeptieren. Er gehe davon aus, dass die Zählung innerhalb von sieben Tagen beendet sein könne. "Dies ist die Zeit, jeden Wähler und jede Stimme zu respektieren", sagte Gore. Bush lehnte das umgehend mit der Begründung ab, eine manuelle Auszählung sei weder fair noch genau, sondern chaotisch und willkürlich. Gores Vorschlag enthalte nichts Neues, sagte Bush und warf ihm vor, seine Wahlkampfmannschaft vergifte die Politik. Bush lehnte zudem ein von Gore angeregtes Treffen vor einer Entscheidung über den Wahlausgang ab.

Harris: Ergebnis in Florida steht am Samstag fest

Das Ergebnis der US-Präsidentenwahl soll nach Angaben von Harris nun am Samstag nach Auszählung der rund 4000 Briefwahl-Stimmen in Florida feststehen. Die Briefwähler aus Florida - vor allem Soldaten und Beamte im Auslandseinsatz - hatten bei früheren Wahlen mehrheitlich für den republikanischen Kandidaten gestimmt. In diesem Jahr versprechen sich aber die Demokraten einen Vorteil von den Briefwahlen: Sie hoffen auf die Stimmen der in Israel lebenden US-Bürger, die mit dem jüdischen Kandidaten der Demokraten für das Amt des Vize-Präsidenten, Joseph Lieberman, sympathisieren. In Israel sollen rund 4000 Bürger aus Florida leben.

Die Demokraten haben Unregelmäßigkeiten bei der Wahl vom 7. November geltend gemacht und erhoffen sich von den Nachzählungen den Sieg für Gore. Dieser liegt nach dem bisherigen Zwischenergebnis nur 300 Stimmen hinter Bush. Beide Kandidaten benötigen den Sieg in Florida, um die Präsidentenwahl zu gewinnen.







© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.