Mitch McConnell Mächtiger Republikaner-Chef verurteilt Trumps Kurs in Syrien scharf

Die Kritik aus den eigenen Reihen war zuletzt deutlich - doch so schonungslos rechnete noch kein Top-Republikaner mit Donald Trump ab. Mitch McConnell bezeichnete dessen Syrien-Politik als "strategischen Alptraum".
Mitch McConnell (l.) und Donald Trump (2017): Deutliche Worte an den Commander in Chief

Mitch McConnell (l.) und Donald Trump (2017): Deutliche Worte an den Commander in Chief

Foto: Manuel Balce Ceneta/ AP

Die Einschätzungen könnten kaum gegensätzlicher sein. Am Mittwoch noch verteidigte Donald Trump die eigene Entscheidung, die US-Truppen aus Nordsyrien abzuziehen, in gewohnt bombastischer Manier als "strategisch brillant". Das sieht Mitch McConnell grundlegend anders. In einem Gastbeitrag für die "Washington Post"  nannte er das Vorgehen einen "strategischen Alptraum".

Und McConnell ist nicht irgendjemand, sondern als republikanischer Mehrheitsführer im US-Senat einer der mächtigsten Politiker in seiner Partei. Aus dieser hatte es zuletzt immer wieder Kritik an Trumps Vorgehen in dem Bürgerkriegsland gegeben. Doch selbst vor diesem Hintergrund sind McConnells Zeilen von bemerkenswerter Schärfe. Dass Trump seit Jahren einen persönlichen Feldzug gegen die liberale "Washington Post" führt, dürfte die Wirkung der Kritik nicht gerade mindern.

"US-Truppen aus Syrien abzuziehen, ist ein schwerer strategischer Fehler", schrieb McConnell in dem Gastbeitrag, der am Freitag (Ortszeit) veröffentlicht wurde. Dies mache Amerika unsicherer, stärke die Feinde der USA und schwäche wichtige Partner.

Drei Lehren - die Trump offenbar nicht gezogen hat

Aus dem Kampf gegen den internationalen Terrorismus habe er in den vergangenen Jahren drei Lehren gezogen: Die Bedrohung verschwinde nicht einfach, eine Führungsrolle der USA sei hier alternativlos und Amerika führe diesen Kampf nicht allein, sondern sei auf lokale Partner in der jeweiligen Region angewiesen.

Und dann wird er erneut deutlich: "Leider spiegeln die jüngsten Schritte der Regierung in Syrien diese wichtigen Lehren nicht", beklagte McConnell. "Die Kombination aus einem Rückzug der USA und den eskalierenden Feindseligkeiten zwischen Türken und Kurden schafft einen strategischen Alptraum für unser Land."

Er mahnte: "Selbst wenn die am Donnerstag verkündete Waffenruhe von fünf Tagen hält, haben die Geschehnisse der vergangenen Woche den Kampf der USA gegen den 'Islamischen Staat' und andere Terroristen zurückgeworfen."

Im Video: 120 Stunden Gefechtspause für Nordsyrien

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Der Rückzug amerikanischer Truppen werde - wenn er nicht gestoppt werde - dem syrischen Machthaber Präsident Baschar al-Assad, Iran und Russland in die Hände spielen.

Auch der Trump-Buddy Graham wendet sich gegen den Präsidenten

McConnell rief dringend dazu auf, eine begrenzte Zahl von US-Soldaten in Syrien zu belassen, auch die Militärpräsenz im Irak und anderswo in der Region aufrechtzuerhalten und Afghanistan nicht zu verlassen, bevor der Job dort erledigt sei. "Amerikas Kriege sind nur dann 'endlos', wenn Amerika sich weigert, sie zu gewinnen." Den Namen des US-Präsidenten verwendet er in dem Text zwar nicht explizit - aber die Botschaft ist auch so klar.

Trump verfolgt seit Langem das Ziel, US-Truppen aus Auslandseinsätzen heimzuholen und die US-Beteiligung an "endlosen Kriegen" zu beenden. Mit dem Abzug amerikanischer Soldaten aus Nordsyrien hatte der Republikaner Anfang Oktober den Weg für eine Militäroffensive der Türkei gegen Kurdenmilizen in dem Gebiet freigemacht, was national wie international auf schärfste Kritik stieß.

Selbst enge Verbündete in der eigenen Partei, wie der republikanische Senator Lindsey Graham, wetterten öffentlich gegen Trumps Kurs. Mit McConnell ist nun eine noch gewichtigere Stimme aus den eigenen Reihen hinzugekommen.

jok/dpa
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