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Mitt Romney: Pannen-Kandidat mit guten Chancen

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Wahlkampf gegen Obama Fünf Siegchancen für Romney

Selbst die Republikaner zweifeln an ihrem Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney - doch der gibt sich weiter siegessicher. In der Tat kann der Wahlkampf noch viele Überraschungen bringen. Fünf Gründe, warum Barack Obama am Ende als Verlierer dastehen könnte.

Mitt Romney ist allerbester Dinge. Obwohl der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner so desaströse Wochen hinter sich hat, dass selbst Parteifreunde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Sein Wahlkampf, so ächzte die konservative Starkolumnistin Peggy Noonan im "Wall Street Journal", sei eine "Katastrophe auf Rädern".

Doch was sagt der Kandidat? "Ich habe ein sehr effektives Wahlkampfteam", verkündet Mitt Romney. "Es leistet sehr gute Arbeit."

Er sagt das am Sonntagabend im US-Sender CBS. Das TV-Magazin "60 Minutes" hat Romney und US-Präsident Barack Obama zu separaten Interviews gebeten und diese dann direkt hintereinander geschnitten. Es ist ein Vorgeschmack auf die drei Fernsehdebatten der beiden Rivalen, die im Oktober die letzten Wochen dieses Wahlkampfs prägen dürften.

Es soll aber auch ein sanfter Wink an jene sein, die Romney fast schon abgeschrieben haben - Strategen, Kommentatoren, Buchmacher. Ja, er ist angeschlagen. Ja, in den Umfragen fällt er zurück. Und trotzdem: Dieses Rennen kann Romney immer noch für sich entscheiden.

Das weiß der Zahlenfuchser selbst - und gibt sich stoisch. "Können Sie dieses Ding noch gewinnen?", fragt ihn Interviewer Scott Pelley mit hörbarer Skepsis. Romney zögert keine Sekunde: "Ich werde dieses Ding gewinnen."

Realitätsfremd? Romney - der Pelley in einen seiner zwei Luxus-Wahlkampfjets lädt - zeigt sich von den turbulenten Realitäten wenig irritiert und zieht "dieses Ding" durch wie eine geschäftliche Transaktion. In "60 Minutes" sagt er nichts Neues, lässt sich auf nichts Konkretes festnageln, trotz aggressiver Nachfragen: "Der Teufel steckt im Detail", wiegelt er lächelnd ab.

Obama dagegen hockt steif und sichtlich ermüdet auf einem Zierstuhl im Blue Room des Weißen Hauses und gibt umständlich-defensive Antworten. Was denn aus "hope and change" geworden sei, will Pelleys Kollege Steve Kroft wissen. "Es ist wichtig zu wissen, wo wir waren und wie weit wir gekommen sind." Zu viel versprochen, zu wenig gehalten? "Nicht alles klappt beim ersten Mal perfekt." Größte Enttäuschung? "Dass wir es nicht geschafft haben, den Ton in Washington zu ändern."

Es ist, als wolle keiner der beiden Staub aufwirbeln. In der Tat ist dieser Wahlkampf noch lange nicht abgehakt. Sechs Wochen verbleiben - und einige unbekannte Größen.

  • Die Macht der "Swing States": US-Präsident wird nicht, wer die absolute Stimmenmehrheit bekommt, sondern wer über Siege in den Bundesstaaten die meisten Wahlmännerstimmen sammeln kann. Das hat zwei Phänomene zur Folge. Erstens: Selbst der Verlierer der "popular vote" kann Präsident werden, siehe George W. Bush im Jahr 2000. Zweitens: Der Wahlkampf konzentriert sich auf eine Handvoll "Swing States" - Staaten auf der Kippe, wo kleinste Stimmungsschwankungen das landesweite Ergebnis umdrehen können.
  • Die Unsicherheit der Umfragen: Seit Romneys Pannenserie hat Obama seinen Vorsprung in den Umfragen ausgebaut. Auch hier gibt es zwei Vorbehalte. Erstens: Die beiden letzten Wahlsieger - Bush und Obama - lagen in den September-Umfragen ähnlich zurück wie jetzt Romney. Zweitens: Nicht alle Umfragen sind gleichermaßen aussagekräftig. Einige umfassen "likely voters" (Wähler, die "wahrscheinlich" wählen), andere den größeren Pool der "registered voters" (gemeldete Wähler, die aber nicht zwingend wählen). Auch haben Live-Umfragen - die Wähler mit Mobiltelefonen anwählen dürfen - einen Obama-Drall, offenbar sind Demokraten mobiler. "Robopolls" dagegen - automatische Umfragen, die nur Festnetze anwählen dürfen - weisen eher eine Tendenz zu Romney auf. Wie das Bild am 6. November aussehen wird, bleibt nur schwer vorhersehbar.
  • Der Kraft der Wählerunterdrückung: Unter dem Vorwand, Wahlbetrug zu bekämpfen, haben die Republikaner Gesetze durchgepaukt, die Abermillionen Amerikaner vom Urnengang ausschließen könnten. So müssen Wähler in bisher acht Staaten jetzt einen Ausweis vorzeigen. Da es in den USA keine Personalausweise gibt, benachteiligt das in der Regel Personen ohne Führerschein oder Reisepass - vor allem also Minderheiten, sprich eher demokratisch geneigte Gruppen, die im November in der Rechnung fehlen könnten. Unter den fraglichen Staaten befinden sich auch "Swing States", in denen jene Stimme zählt - etwa New Hampshire und Florida.
  • Das Risiko der Debatten: Drei TV-Debatten werden sich Obama und Romney liefern, am 3., 16. und 22. Oktober. Dazwischen, am 11. Oktober, liegt ein Duell der Vizekandidaten Joe Biden und Paul Ryan. Ob diese 90-minütigen, strikt choreografierten Fragestunden etwas am Trend ändern, lässt sich nicht vorhersagen. Frühere Debatten blieben im Gedächtnis haften, wenn sich ein Kandidat einen großen Patzer leistete. Etwa Richard Nixons Live-Schwitzen (1960), Gerald Fords Behauptung, es gebe "keine sowjetische Herrschaft in Osteuropa" (1976) oder Al Gores Seufzer (2000). Dem Doppel-Interview vom Sonntag nach zu urteilen, dürften Obama und Romney im Oktober auf Nummer Sicher gehen - beide üben bereits mit Debatten-Coaches und studieren jede mögliche Frage und Antwort.
  • Die Unberechenbarkeit der Welt: Nahost, Iran, Israel: Die Weltlage ist fragil. Plötzlich ist die Außenpolitik Wahlkampfthema. Obama muss sich auch bei CBS an mehreren Fronten rechtfertigen - für den Zwist mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, für die Rolle der USA im "Arabischen Frühling", für den tödlichen Sturm auf das Konsulat in Libyen. Dabei war die Außenpolitik bisher eine seiner Stärken. Diese Woche dürfte viel neues Schlagzeilenfutter bieten, wenn sich mehr als 100 Staatschefs zur Uno-Vollversammlung in New York treffen - darunter Obama, Netanjahu und Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad.

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