Krise im Mittelmeer Handelsschiffe retten zehnmal so viele Flüchtlinge wie Frontex

Die europäische Rettungsaktion im Mittelmeer funktioniert nur schlecht. Handelsschiffe bergen vor Libyen weit mehr Flüchtlinge als die Grenzschützer von Frontex. Nun will die EU das Mandat ausweiten.

Gerettete Flüchtlinge auf einem Frachtschiff im Mittelmeer: Handelsschiffe nahmen 19.000 Menschen auf
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Gerettete Flüchtlinge auf einem Frachtschiff im Mittelmeer: Handelsschiffe nahmen 19.000 Menschen auf

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Minister sind schon wegen geringerer Fehleinschätzungen zurückgetreten: Als "Beihilfe" zur Schlepperei hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière die italienische Rettungsmission "Mare Nostrum" bezeichnet, die Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer vor dem Ertrinken bewahrte. Unter anderem auf Betreiben Deutschlands wurde Ende vergangenen Jahres "Mare Nostrum" durch "Triton" ersetzt, eine Operation der europäischen Grenzschutzagentur Frontex, die in erster Linie der Abwehr von Migranten diente.

Es kamen daraufhin jedoch nicht, wie von de Maizière vorhergesagt, weniger Flüchtlinge, sondern mehr. Und es starben auch mehr. Alleine 800 bei einem einzigen Unglück Ende April.

Wie wenig Triton bislang dazu geeignet war, Menschen zu schützen, verdeutlicht nun auch die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken. Demnach waren zivile Handelsschiffe in internationalen Gewässern nahe der libyschen Küste, also dort, wo Flüchtlingsboote besonders häufig in Seenot geraten, weitaus öfter an Rettungsoperationen beteiligt als Schiffe von Frontex. Insgesamt wurden nach Informationen von SPIEGEL ONLINE in dem Gebiet von November 2014 bis Ende April 2015 fast 19.000 Flüchtlinge von Handelsschiffen geborgen und nur etwa 1700 von Frontex.

"Die Zahlen belegen eindrücklich, wie dringend die Mandatsausweitung von Frontex zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer bis an die libyschen Küste ist", sagt Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linken. "Es ist unverantwortlich, die Seenotrettung vor allem den zivilen Handelsschiffen zu überlassen."

Die EU hat nun beschlossen, den Aktionsradius von Frontex auszuweiten. Schiffe sollen im Rahmen von Triton künftig bis zu 138 Seemeilen (255 Kilometer) südlich von Sizilien nach Schiffbrüchigen suchen. Bislang war das Einsatzgebiet auf 30 Seemeilen vor der italienischen Küste beschränkt.

SPIEGEL ONLINE

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ichsagemal 28.05.2015
1.
...wir in Europa wollen doch nicht wirklich helfen und retten. Es ist einfach ein erbärmliches Verhalten.
geo11a 28.05.2015
2. Sie denken aber naiv und einfach!
Zitat von ichsagemal...wir in Europa wollen doch nicht wirklich helfen und retten. Es ist einfach ein erbärmliches Verhalten.
Und machen es sich vor allem leicht.
oneil57 28.05.2015
3. Das kann man sich doch sparen!
Am besten einen Fährverkehr von Lybien Küste bis nach Italien einrichten, dann ertrinken keine Menschen mehr. Und da wir ja Facharbeiter brauchen können die direkt nach Deutschland gebracht werden da ja viele andere Länder am besten keine Flüchtlinge aufnehmen wollen.
Hesekiel 28.05.2015
4.
Es ist nicht so, als wuerde sich die zivile Handelsschifffahrt um derartige Rettungsmissionen reissen - man hat nunmal keine Wahl! Die urspruenglich sinnvolle Konzeption der Verpflichtung zur Seenotrettung wird durch seeuntuechtige Schlepperschiffe und bewusst herbeigefuehrte Seenot ad absurdum gefuehrt. Fuer Reedereien bedeutet das, auf den immensen Kosten fuer die Deviation, Verdienstausfall etc. sitzen zu bleiben, von den psychischen wie physischen Gefaehrdungen fuer die Besatzungen mal ganz zu schweigen. Das Ablegen solcher seeuntuechtigen Boote gehoert dabei verhindert, identifizierte Schleuserboote muessen rueckgefuehrt und versenkt werden.
bartsuisse 28.05.2015
5. Frontex bekam jetzt drei mal mehr Mittel
und das heisst auf europäischer Ebene exakt gleichviel wie Italien monatlich aufbrachte für mare nostrum. Sagt ja wohl alles. 9 Mio Euro pro Monat. Bei einer Bevölkerung von circa 500 Mio in der EU macht das wieviel? 1 Cent pro Kopf pro Monat ?
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