Vor Libyen Hilfsorganisation rettet 54 Migranten aus dem Mittelmeer

Ein Schiff der italienischen Organisation Mediterranea hat vor der libyschen Küste Dutzende Flüchtlinge aufgenommen, darunter drei Schwangere und vier Kinder. Nun will es in Italien anlegen - Innenminister Salvini lehnt das ab.


Ein Segelboot der italienischen Flüchtlingshilfsorganisation Mediterranea Saving Humans hat vor der libyschen Küste nach eigenen Angaben 54 Menschen aus Seenot gerettet. Unter den Migranten befänden sich auch drei Schwangere und vier Kinder, erklärte die Organisation. Italiens Innenminister Matteo Salvini lehnte eine Aufnahme der Geretteten in seinem Land umgehend ab.

"Wir sind froh, 54 Menschen aus der Hölle Libyens gerettet zu haben", erklärte Mediterranea bei Twitter. "Jetzt brauchen wir einen sicheren Hafen." Seit der Rettungsaktion befinden sich die Menschen auf dem 18 Meter langen Segelboot "Alex Mediterranea" auf dem Mittelmeer.

Salvini erklärte, das Segelschiff von Mediterranea dürfe nicht in Italien anlegen. "Wenn diese Nichtregierungsorganisation wirklich die Sicherheit der Migranten im Sinn hat, muss sie den nächstliegenden Hafen ansteuern", schrieb Salvini auf Twitter. Seine Regierung werde andernfalls alles tun, um zu verhindern, dass Italien zu einem "Hafen für Schlepper" werde.

Laut Mediterranea hatten die in Seenot geratenen Migranten einen Notruf abgesetzt. Die italienischen Behörden erklärten der Organisation zufolge, die Rettung liege im Zuständigkeitsbereich der libyschen Küstenwache. Diese sei aber später am Unglücksort in der Seenotrettungszone eingetroffen als die "Alex". "Menschen müssen gerettet und nicht festgenommen und zurück nach Libyen geschickt werden", erklärte Mediterranea.

Die Organisation lehnt es ab, die Geretteten zurück nach Libyen zu bringen. Dem nordafrikanischen Land werden schwere Menschenrechtsverletzungen und Folter in Gefangenenlagern für Flüchtlinge vorgeworfen.

Einen tunesischen Hafen will die Organisation ebenfalls nicht ansteuern: Tunesien hatte seine Häfen kürzlich über mehrere Wochen für aus Seenot gerettete Migranten gesperrt. Erlaubt war ihnen die Anlandung nur unter der Bedingung, dass sie sofort in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt würden. Die Möglichkeit, Asyl in Tunesien zu beantragen, wurde ihnen nicht gewährt.

Die Reaktion Salvinis lässt eine Wiederholung der Ereignisse um das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" befürchten, das vor Wochen Dutzende Migranten aus Seenot gerettet hatte. Nachdem Kapitänin Carola Rackete ihr Schiff mit zuletzt noch 40 Migranten an Bord trotz des Verbots der italienischen Behörden in den Hafen der Mittelmeerinsel Lampedusa gesteuert hatte, war sie zunächst festgenommen worden. Eine italienische Richterin erklärte die Festnahme später für ungültig.

aar/dpa/AFP



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