Tote auf See Mittelmeer ist weltweit gefährlichste Flüchtlingsroute

3400 Tote und Vermisste zählte die Internationale Organisation für Migration bisher in diesem Jahr - die meisten davon im Mittelmeer. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren.

Schlauchboot im Mittelmeer
AFP

Schlauchboot im Mittelmeer


Die Zahlen werden vor allem durch die schweren Havarien von Flüchtlingsbooten mit Ziel Griechenland und Italien nach oben getrieben: Mehr als 3400 Tote und Vermisste zählt die Internationale Organisation für Migration (IOM) seit Jahresbeginn und damit deutlich mehr Verunglückte als im vergangen Jahr. Verglichen mit den ersten fünf Monaten 2015 stieg die Zahl der Toten und Vermissten um zwölf Prozent.

80 Prozent aller registrierten Opfer weltweit verunglückte laut IOM im Mittelmeer. Das mache die Mittelmeerroute zur gefährlichste Passage für Flüchtlinge weltweit, sagte Frank Laczko, Sprecher des IOM-Datenprojekts in Berlin. Alleine bis Ende April starben und verschwanden 1100 Migranten bei dem Versuch, Italien in Schleuserbooten zu erreichen.

Außerdem endeten die Überfahrten 2016 deutlich häufiger mit Toten und Vermissten: Statistisch betrachtet kamen je 1000 Ankünften in der EU in den Monaten April, Mai und Juni etwa 50 Menschen ums Leben oder gingen verloren. Ähnlich hohe Verluste im Mittelmeer gab es zuletzt nur im Februar und April 2015.

Als Gründe hierfür nennt IOM immer skrupellosere Schlepper und längere Routen. Mitunter würden Flüchtlinge ausgeraubt und nur noch auf Boote gesetzt, um sie loszuwerden, sagte ein Sprecher der Organisation der dänischen Nachrichtenseite "Politiken". Die Schiffe würden auch öfter überladen. Boote, die direkt von Bengasi im Osten Libyens oder von Ägypten starten, haben zudem einen deutlich längeren Weg und damit ein höheres Risiko, zu kentern.

Die Zahlen über vermisste und verstorbene Migranten sind Schätzungen, betont die IOM. Sie würden von weltweit 400 Büros und über internationale Hilfsorganisationen gemeldet und von der IOM zusammengetragen. Die Daten seien auch nur begrenzt belastbar, weil sich viele Staaten überhaupt nicht um die Identifizierung von Toten kümmerten. Die IOM geht davon aus, das weniger als die Hälfte der tatsächlich im Mittelmeer Ertrunkenen gefunden wurden.

Video: Rettungsaktion vor Sizilien

Guardia Costiera

cht/Reuters



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