Katastrophe im Mittelmeer Mehr als 160 Flüchtlinge vor Ägypten ertrunken

Bei der Havarie eines Schleuserboots vor der ägyptischen Küste hat sich eine Katastrophe ereignet. Einsatzkräfte haben mindestens 162 Leichen geborgen.

REUTERS

Der Untergang eines Flüchtlingsboots vor der ägyptischen Küste am Mittwoch hat Dutzenden Menschen das Leben gekostet. Bis Freitag wurden 162 Leichen aus dem Meer geborgen, teilte das Gesundheitsministerium in Kairo mit.

163 Bootsinsassen wurden gerettet. Viele Schiffbrüchige würden noch vermisst, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Die Zahl der Toten werde deshalb voraussichtlich weiter steigen.

Das Boot mit bis zu 600 Menschen an Bord war am Mittwoch etwa zwölf Kilometer vor der Küste nahe der Hafenstadt Rosetta gekentert. Auf dem Schiff befanden sich Menschen aus Ägypten, Eritrea, dem Sudan und Somalia, die nach Italien wollten. Vier Crewmitglieder des Schleuserschiffs seien festgenommen worden.

Bei der Fahrt über das Mittelmeer Richtung Europa sterben immer wieder Flüchtlinge, weil die Boote überfüllt und schrottreif sind. Die Internationale Organisation für Migration gibt die Zahl der Ertrunkenen im laufenden Jahr mit 3200 an. Knapp 300.000 Migranten hätten in diesem Zeitraum in Booten die europäische Küste erreicht.

EU-Politiker Schulz fordert Flüchtlingsdeal mit Ägypten

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sagte der "Süddeutschen Zeitung", er plädiere für ein Flüchtlingsabkommen mit Ägypten - ähnlich jenem mit der Türkei. Der Schutz der Flüchtlinge und die Bekämpfung des Schlepperwesens müssten im Vordergrund stehen.

Ägypten ist laut der europäischen Grenzschutzagentur Frontex inzwischen einer der wichtigsten Startpunkte für Schlepperboote nach Europa. Die Fahrt von dort sei besonders gefährlich und dauere oft länger als zehn Tage.

Das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei sieht vor, dass alle illegal in Griechenland eingereisten Schutzsuchenden in die Türkei abgeschoben werden. Für jeden zurückgeschickten syrischen Flüchtling darf seit dem 4. April ein anderer Syrer aus der Türkei legal und direkt in die EU einreisen.

cht/dpa/AP/AFP



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