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17. Juli 2012, 23:31 Uhr

Persischer Golf

USA planen große Militärübung auf Wasserstraßen

Die USA verstärken ihre Militärpräsenz auf den Wasserwegen im Mittleren Osten. Im September soll laut Pentagon eine große Minenräumübung auf mehreren Meeresstraßen stattfinden, 20 weitere Nationen seien daran beteiligt - die Aktion sei aber kein Signal an Iran, teilt Washington zugleich mit.

Washington - Ein zweiter US-Flugzeugträger soll früher als geplant in die Region im Mittleren Osten starten, die Zahl der Minenräumboote wurde kürzlich verdoppelt und das Transportschiff USS "Ponce" in die Meeresstraße von Hormus verlegt. Jetzt teilte das Pentagon laut Nachrichtenagentur AP zudem mit, 20 Nationen werden sich an einer geplanten Übung vom 16. bis 27. September auf den Wasserstraßen in und um den Persischen Golf beteiligen.

Diese Minenräumübung solle sich auf die strategischen Wasserstraßen im Mittleren Osten konzentrieren, darunter das Rote Meer, den Golf von Oman und den Persischen Golf. Es gehe um die "hypothetische Bedrohung einer extremistischen Organisation, die international strategischen Wasserwege zu verminen", teilte das Pentagon mit. Die Übung würde sich jedoch nicht auf die Straße von Hormus ausdehnen.

Die Straße von Hormus gilt als wichtigste Schiffsroute für Öllieferungen nach Westeuropa und die USA. Durch die nur 50 Kilometer breite Wasserstraße laufen rund 35 Prozent des per Schiff abgewickelten Ölhandels weltweit. Zahlreiche Golfstaaten sind vom Ölexport über diese Meerenge abhängig.

Iran droht damit, die Straße zu blockieren und setzt damit auf Eskalation. Washington ist der "New York Times" zufolge sehr entschlossen, entschieden gegen eine mögliche Blockade der Schiffsroute vorzugehen. Die neue Maßnahme könnte das Kräftemessen im Persischen Golf noch verschärfen.

Derzeit versuchen die USA noch, ihre jüngst angekündigte Aktion herunterzuspielen: Es handele sich lediglich um eine defensive Übung zur Sicherung der Wasserwege sowie der Stabilität in der Region, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums George Little. Damit solle keine Nachricht an Iran gesendet werden, so Little weiter.

Wer die anderen teilnehmenden Staaten sind, wollten die US-Beamten nicht sagen. Die Länder sollten sich selbst zu erkennen geben, hieß es.

Seit dem 1. Juli sind sämtliche Öl- und Kraftstoffeinfuhren aus Iran in die EU untersagt. Zudem dürfen europäische Firmen iranisches Öl nicht mehr transportieren und auch nicht entsprechende Schiffe versichern. Die EU und die USA wollen das Land mit dem Einfuhrverbot sowie weiteren umfangreichen Sanktionen zur Abkehr von seinem Atomprogramm bewegen. Sie werfen der Islamischen Republik vor, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernkraft an Atomwaffen zu arbeiten. Iran bestreitet dies.

lgr/AP

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