Moderne Demokratie Bulgarien will den König - aber ohne Monarchie

In Bulgarien könnte der frühere König Simeon II. auf ganz demokratische Weise wieder an die Spitze des Staates rücken, wenn auch nicht als König. Bei den Parlamentswahlen erreichte seine "Nationale Bewegung" eine klare Mehrheit.


Wahlsieger Simeon II
AP

Wahlsieger Simeon II

Sofia - Da die absolute Mehrheit aber verfehlt wurde und Koalitionen wegen der Anfeindungen des Ex-Monarchen schwierig sein dürften, wurden die angestrebten klaren politischen Verhältnisse jedoch nicht erreicht. Das von schweren sozialen und wirtschaftlichen Problemen erschütterte Land muss sich auf langwierige Koalitionsverhandlungen einstellen.

Der frühere Monarch hatte ankündigen lassen, bei einer klaren Mehrheit seiner Partei das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen zu wollen. Er hatte der verarmten Bevölkerung die schnelle Besserung ihrer Misere versprochen. Dafür war er jedoch von den jetzt unterlegenen streng antikommunistischen "Vereinigten Demokratischen Kräften" (ODS) des Ministerpräsidenten Iwan Kostow als unseriöser "Scharlatan" verspottet worden. Die entscheidende Frage ist, ob die ODS mit dem von ihr bekämpften Adeligen zusammengehen will und welche Abstriche Simeon dann von seinem Programm machen muss.

Da die aus den Kommunisten hervorgegangenen oppositionellen Sozialisten kaum mit dem Ex-König paktieren dürften, könnten die beiden kleinen Parteien im neuen Parlament zum Mehrheitsbeschaffer der Simeon-Partei aufsteigen. Das haben sowohl die Partei der türkischen Minderheit (DPS) als auch die bisher nicht im Parlament vertretene kleine Protestpartei "Gergjowden" in ersten Reaktionen erkennen lassen.

Elena Lalowa und Thomas Brey, dpa



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