Mögliche Wahlfälschung in Iran Tote Wähler, dubiose Codes und eine Blitzzählung

Von und Franziska Gerhardt

2. Teil: Der Wahltag - schnelles Ergebnis, keine Kontrolle


Schon das Tempo, mit dem das Ergebnis bekanntgegeben wurde, weckte Misstrauen: Weniger als 24 Stunden nach Schließung der Wahllokale erklärte das Innenministerium Ahmadinedschad zum Sieger - ursprünglich sollten die Zahlen erst nach drei Tagen verkündet werden. Das schnelle Ergebnis überraschte auch deshalb, weil in Iran sämtliche Stimmen von Hand ausgezählt werden müssen.

Auffällig war, dass sich bis zum amtlichen Endergebnis der Stimmenanteil der beiden wichtigsten Kandidaten kaum veränderte. Sowohl in verschiedenen Regionen als auch bei den einzelnen Zwischenergebnissen war der Abstand fast immer gleich groß. Selbst in ihren Herkunftsregionen waren die drei anderen Kandidaten Ahmadinedschad klar unterlegen. Traditionell aber unterstützen viele Iraner Kandidaten aus ihrer Region.

Dem britischen Sender BBC berichteten Augenzeugen, dass bereits bei der Öffnung eines Wahllokals die Wahlurnen gefüllt gewesen seien. Ein Argument, das auch in dem Bericht zu den mutmaßlichen Wahlfälschungen angeführt wird, den Oppositionskandidat Mussawi an diesem Dienstag vorgelegt hat. In der Provinz Lorestan hatten den Augenzeugenberichten zufolge Tausende Mussawi-Anhänger nicht wählen können, weil es zu wenig Wahlscheine gegeben habe.

Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" wurden 63 Millionen Wahlzettel gedruckt, obwohl nur rund 40 Millionen Iraner abstimmten. Der Verbleib der übrigen Zettel sei ungeklärt. Für Argwohn sorgte auch das Layout der Wahlzettel: Die Bürger mussten für Ahmadinedschad den Code 44, für Mussawi eine 77 eintragen. Da Mussawi aber an vierter Stelle der Wahlliste aufgeführt wurde, sollen viele Wähler versehentlich eine 4 eingetragen haben - die leicht zu einer 44 zu ändern wäre.

Nach Angaben des "Washington Institute for Near East Policy" wurde etwa ein Drittel der Urnen zudem von Mitarbeitern des Innenministeriums transportiert - mehr als je zuvor. Diese "mobilen" Urnen konnten nicht von lokalen Wahlhelfern überprüft werden.



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