Mohammed-Karikaturen Tote bei neuen Ausschreitungen in Nigeria

Die Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen flammen immer wieder mit Gewalt auf: Erneut kamen in Nigeria bei Ausschreitungen zehn Menschen ums Leben. Und im Irak wurde ein dänisches Militärlager beschossen.


Abuja/Nairobi - Die Unruhen in Nigerias Bundesstaat Bauchi hatten begonnen, nachdem eine Lehrerin einer Schülerin einen Koran wegnahm, in dem das Mädchen während des Unterrichts las. "Einige Schüler haben das falsch interpretiert", sagte heute ein Behördensprecher. Als sich das Gerücht verbreitete, dass die Lehrerin den Koran konfisziert habe, brach die Gewalt gestern Abend aus.

Am Samstag waren im Bundesstaat Borno nach offiziellen Angaben 17 Menschen ums Leben gekommen. Eine christliche Dachorganisation sprach sogar von mindestens 50 Todesopfern. Mehr als ein Dutzend Kirchen wurde zerstört und zahlreiche Geschäfte von Christen wurden geplündert. Im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias war es in der Vergangenheit schon mehrfach zu gewaltsamen Ausschreitungen zwischen Christen und Muslimen gekommen. Dabei spielen ethnische Konfliktlinien eine mindestens ebenso große Rolle wie religiöse Unterschiede.

Dänisches Militärlager beschossen

Irakische Aufständische haben das dänische Militärlager im Süden des Landes mit Raketen beschossen. Verletzt wurde demnach niemand. Insgesamt seien vier Raketen am späten Montagabend auf das Lager abgefeuert worden. Eine Woche zuvor hatte der Stadtrat von Basra, wo die 530 dänischen Soldaten stationiert sind, das Militär im Zusammenhang mit dem Streit um die Mohammed-Karikaturen aufgefordert, das Land zu verlassen. Die von Muslimen als frevlerisch empfundenen Zeichnungen waren zuerst in Dänemark veröffentlicht worden. Die irakische Regierung hatte die Dänen jedoch zum Verbleib aufgefordert.

Wegen des Abdrucks der umstrittenen Karikaturen hat die Regierung in Saudi-Arabien jetzt auch eine Tageszeitung geschlossen. Das Informationsministerium habe das Blatt auf unbestimmte Zeit verboten, teilten Redakteure der Jugendzeitung "Schams" mit. Die Zeitung hatte Ende Januar einige der zwölf Mohammed-Karikaturen nachgedruckt, die erstmals Ende September in einer dänischen Zeitung erschienen waren.

Die "Schams"-Redakteure hatten neben den Karikaturen auch Kommentare führender Geistlicher veröffentlicht. Darin erklärten die Religionsführer, Informationen, die einige Muslimen beleidigen könnten, dürften durchaus veröffentlicht werden, solange Journalisten damit ihrer Informationspflicht nachkämen.

Wegen des Abdrucks der umstrittenen Karikaturen haben bereits die Behörden im Jemen zwei Tageszeitungen geschlossen. Ein Chefredakteur sitzt im Gefängnis. In Jordanien wurde zudem ein weiterer Chefredakteur wegen des Abdrucks festgenommen. Der Streit um die Karikaturen hatte auch in Europa zu einer Debatte über die Verantwortung von Journalisten und die Grenzen der Pressefreiheit geführt.

lan/dpa/AFP



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