Ägyptens Ex-Präsident Mohammed Mursi gestorben

Der umstrittene ägyptische Ex-Präsident Mohammed Mursi von den Muslimbrüdern ist tot. Das berichten Staatsmedien. Er sei während einer Gerichtsverhandlung zusammengebrochen.

Ueslei Marcelino/ REUTERS

Er war der erste frei gewählte Präsident Ägyptens und doch hochumstritten - jetzt ist Mohammed Mursi gestorben. Laut Berichten staatlicher Medien kollabierte der ehemalige Staatschef während einer Gerichtsverhandlung.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtet unter Berufung auf Justiz- und Sicherheitskreise, der 67-Jährige habe 20 Minuten lang vor dem Richter gesprochen. Dabei habe er sich sehr aufgeregt und sei in Ohnmacht gefallen. Er sei später im Krankenhaus gestorben. Die genaue Todesursache war zunächst unklar.

Mursi war ein Vertreter der islamistischen Muslimbrüder und war 2012 an die Macht gelangt. Damals folgte er auf Langzeitherrscher Hosni Mubarak. Im Sommer 2013 kam es jedoch zu Massenprotesten gegen Mursi. Daraufhin stürzte ihn das Militär am 3. Juli des Jahres unter Führung des heutigen Staatschefs Abdel Fattah el-Sisi.

Mehrere Prozesse

Die fundamentalistischen Muslimbrüder sind heute in Ägypten verboten. Die Regierung hat sie als Terrororganisation eingestuft und verfolgt sie mit harter Hand. Nach seiner Absetzung wurde Mursi inhaftiert und vor Gericht gestellt - unter anderem wegen der Tötung von Demonstranten bei Protesten gegen seine Herrschaft und wegen angeblicher Spionage für Katar. Dabei erhielt er mehrjährige Haftstrafen. Ein gegen ihn verhängtes Todesurteil wurde wieder aufgehoben. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der enge Beziehungen zu Mursi unterhalten hatte, würdigte ihn als einen "Märtyrer".

Mursis Präsidentschaft war von Konflikten mit dem Militär, mit der Justiz und mit der Revolutionsjugend gekennzeichnet, die die Revolte gegen Mubarak getragen hatte. Viele Kritiker warfen ihm vor, zu konfrontativ regiert zu haben. Vor allem nicht-islamistische Gruppen sahen ihn kritisch und lehnten eine Zusammenarbeit mit ihm ab, obwohl ihn viele 2012 in der Stichwahl um das Präsidentenamt unterstützt hatten.

kev/AP/AFP/dpa



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