Ägyptischer Ex-Präsident Menschenrechtler fordern Aufklärung von Mursis Todesumständen

Ägyptens Ex-Präsident Mohammed Mursi brach während einer Gerichtsverhandlung zusammen und starb. Menschenrechtsorganisationen fordern eine Untersuchung - und verweisen auf unhaltbare Zustände in den Gefängnissen des Landes.

Mohammed Mursi vor Gericht, hier ein Archivfoto aus dem Jahr 2015
REUTERS/Amr Abdallah Dalsh/File Photo

Mohammed Mursi vor Gericht, hier ein Archivfoto aus dem Jahr 2015


Nach dem Tod des früheren ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi haben Menschenrechtsorganisationen eine lückenlose Aufklärung der Todesumstände gefordert. Mursi war während einer Gerichtsverhandlung in Kairo zusammengebrochen, im Krankenhaus wurde wenig später der Tod festgestellt.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) sagte, Mursis plötzlicher Tod sei angesichts der schlechten Haftbedingungen erwartbar gewesen. Mursis Tod sei "furchtbar", bei den "Versäumnissen der Regierung, ihm adäquate Gesundheitsversorgung zukommen zu lassen jedoch völlig vorhersehbar" gewesen, twitterte die HRW-Beauftragte für den Mittleren Osten und Afrika, Sarah Leah Wilson.

Amnesty International kritisierte die Haftbedingungen ebenfalls. "Wir fordern die ägyptischen Behörden auf, unparteiische, gründliche und transparente Untersuchungen einzuleiten", hieß es von der Organisation. Dazu zähle insbesondere die für Mursi verordnete Einzelhaft und seine "Isolierung von der Außenwelt", so Amnesty.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Justiz- und Sicherheitskreise habe der 67-Jährige zunächst noch rund fünf Minuten lang vor dem Richter gesprochen. Dabei habe er sich sehr aufgeregt und sei in Ohnmacht gefallen. Später sei er im Krankenhaus gestorben. Der Leichnam habe nach Angaben der Staatsanwaltschaft keine äußeren Verletzungen aufgewiesen.

Das ägyptische Staatsfernsehen berichtete in der Nacht auf Dienstag, Mursi sei an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Er sei wegen einer Tumorerkrankung fortlaufend behandelt worden, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf Ärzte.

Warum Mursi verurteilt wurde

Mursi war ein Vertreter der islamistischen Muslimbrüder und 2012 an die Macht gelangt, nach Langzeitherrscher Hosni Mubarak. Im Sommer 2013 kam es jedoch zu Massenprotesten gegen Mursi. Daraufhin stürzte ihn das Militär am 3. Juli des Jahres unter Führung des heutigen Staatschefs Abdel Fattah el-Sisi.

Mursi wurde inhaftiert, vor Gericht gestellt und in mehreren Prozessen zu lebenslanger Haft und weiteren langen Gefängnisstrafen verurteilt. Ihm wurde unter anderem Spionage für Iran, Katar und die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas vorgeworfen. Ein gegen ihn verhängtes Todesurteil wurde wieder aufgehoben ein neuer Prozess angeordnet. Noch vor dem neuen Urteil starb Mursi nun.

Tausende Mitglieder und Anhänger der Muslimbruderschaft wurden damals festgenommen und in international kritisierten Schauprozessen zum Tode oder zu langen Haftstrafen verurteilt. Hunderte weitere Anhänger der seit Dezember 2013 als "Terrororganisation" verbotenen Muslimbruderschaft wurden bei Einsätzen der Sicherheitskräfte getötet.

Auch die Muslimbruderschaft wirft der ägyptischen Regierung nun vor, für den Tod des Ex-Präsidenten verantwortlich zu sein. Die Behörden hätten ihm "die grundlegendsten Menschenrechte" vorenthalten. Sie hätten ihm keine Medikamente gegeben und ihn in Einzelhaft gehalten.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der enge Beziehungen zu Mursi unterhalten hatte, würdigte den früheren Präsidenten als einen "Märtyrer". Mursis Nachfolger al-Sisi bezeichnete Erdogan als einen "Tyrannen", der sich an die Macht geputscht habe. Der Westen habe dazu geschwiegen, sagte Erdogan in Istanbul.

fek/AFP/dpa



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