Mohammed-Streit Schwedischer Karikaturist taucht nach al-Qaida-Morddrohung unter

Der schwedische Zeichner Lars Vilks geht auf Nummer sicher: Nach Morddrohungen von Terroristen ist der Karikaturist im Streit um seine Mohammed-Darstellung vorerst untergetaucht. Nach einer Deutschlandreise hält er sich nun an einem geheimen Ort auf.


Stockholm - Lars Vilks kehrte auf Anraten der Polizei nach einer Deutschlandreise nicht wie geplant in sein Landhaus im südschwedischen Bezirk Schonen zurück, berichtete der Fernsehsender SVT am Abend. Er halte sich vorerst an einem nicht genannten Ort unter Polizeischutz auf, hieß es weiter.

Die Polizei habe ihm deutlich gemacht, dass die von Islamisten ausgerufenen Drohungen gegen ihn äußerst ernst zu nehmen seien, sagte Vilks der Nachrichtenagentur Reuters. Er habe lediglich ein paar Dinge aus seiner Wohnung holen dürfen. Ein Polizeisprecher sagte: "Wir haben Kontakt mit Vilks aufgenommen und treffen mit ihm zusammen die notwendigen Entscheidungen."

Der irakische Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida hatte am Wochenende ein Kopfgeld von mindestens 100.000 Dollar (72.000 Euro) auf Vilks ausgesetzt, weil dieser den Propheten Mohammed als Hund gezeichnet hatte. Für die die Tötung des Chefredakteurs der Zeitung "Nerikes Allehanda", Ulf Johansson, setzte al-Qaida wegen Veröffentlichung der Zeichnung einen halb so hohen Betrag als Belohnung aus.

Auch gegen schwedische Großkonzerne wie Volvo, Ericsson, Scania und Ikea gingen Drohungen ein - verbunden mit der Forderung, Schweden müsse sich für die Karikaturen entschuldigen. Allerdings entfällt nur ein geringer Anteil des Umsatzes dieser Unternehmen auf den Nahen Osten. Ein Boykott in muslimischen Ländern würde die Schweden deshalb nicht sehr stark treffen.

Vor anderthalb Jahren hatten sich islamische Proteste gegen Mohammed-Karikaturen aus Dänemark weltweit ausgebreitet. Mehr als hundert Menschen kamen ums Leben.

Schwedens Regierungschef Fredrik Reinfeldt hat als Reaktion auf Proteste gegen die Abbildung erklärt, es sei nicht seine Aufgabe, Einfluss auf redaktionelle Entscheidungen zu nehmen.

phw/Reuters/dpa/AP



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