Deutschland Muslime uneins über Aufführungsverbot von Hass-Video

Soll das antiislamische Schmäh-Video in Deutschland gezeigt werden? Neben Politikern sind sich auch muslimische Verbände darüber uneins. Die einen bezeichnen den Film als "tiefgreifende Beleidigung", andere warnen: Ein Verbot werde die Islamfeindlichkeit schüren.
Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek: Für ein Verbot des Schmähfilms

Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek: Für ein Verbot des Schmähfilms

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP

Berlin - Seit Tagen halten die Unruhen in der muslimischen Welt wegen des islamfeindlichen Schmähvideos aus den USA an. In Deutschland wird kontrovers über ein Aufführungsverbot diskutiert, auch Muslim-Verbände sprechen in der Frage nicht mit einer Stimme.

Als eine "tiefgreifende Beleidigung" bezeichnete Ali Kizilkaya das Video. Der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime in Deutschland sagte der Tageszeitung "taz", dass von freier Meinungsäußerung keine Rede mehr sein könne. Auch Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, plädierte für ein Verbot. "Wir laufen Gefahr, dass der öffentliche Frieden hier empfindlich gestört wird", sagte er in den ARD-"Tagesthemen". Daher sollten alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft werden.

Gegen ein Aufführungsverbot sprach sich unter anderem die Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes aus. "Je mehr man über ein Verbot redet und die Tabuisierung solcher Inhalte vorantreibt, desto mehr Schaden richtet man an", sagte Lamya Kaddor der "taz". Diskussionen über Verbote und Sonderregelungen für Muslime würden die Islamfeindlichkeit in Deutschland schüren.

Auch der Islamexperte Rauf Ceylan hält ein Aufführungsverbot des Schmähvideos in Deutschland für überzogen. "Damit würde man den Film wichtiger machen, als er ist", sagte der Religionswissenschaftler an der Universität Osnabrück der "Saarbrücker Zeitung".

Angst vor Unruhen in Deutschland

In dem Film "Die Unschuld der Muslime" wird der Prophet Mohammed als Frauenheld, Kinderschänder und Mörder dargestellt, der Islam wird als "Krebsgeschwür" bezeichnet. Das von Hass geprägte und auf YouTube ausschnittsweise veröffentlichte Video hat in zahlreichen muslimischen Ländern antiwestliche Massenproteste entfacht. Es gab bereits mehrere Tote. Unter anderen starb der US-Botschafter in Libyen, Chris Stevens, bei einem Angriff auf das Konsulat seines Landes in Bengasi.

Politiker fürchten Unruhen auch in Deutschland und wollen deshalb verhindern, dass der Film - wie von der rechtspopulistischen Splitterpartei Pro Deutschland geplant - öffentlich in Berlin gezeigt wird. Das Bundesinnenministerium klärt derzeit die rechtliche Handhabe.

Fatwa gegen Film-Beteiligte ausgesprochen

Ein salafistischer Imam in Ägypten hat inzwischen eine Fatwa zur Tötung aller Beteiligten an dem Film ausgegeben. Wie das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen Site am Montag mitteilte, rief Ahmed Fuad Aschusch die "jungen Muslime in den USA und in Europa" in seinem religiösen Gutachten auf, die Macher und Schauspieler des Films sowie alle, die zu seiner Verbreitung beitrugen, wegen Verunglimpfung des Propheten Mohammed umzubringen. Die Fatwa wurde Site zufolge auf mehreren dschihadistischen Foren im Internet veröffentlicht.

Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, sollen die deutschen Botschaften in den arabischen Ländern nach dem Angriff auf die deutsche Vertretung im Sudan besser bewacht werden. Dazu sollen mehr deutsche Bundespolizisten in die gefährdeten Gebiete verlagert werden. Das Blatt beruft sich auf Sicherheitskreise. Derzeit schützen insgesamt rund 250 Elitekräfte der Bundespolizei als "Haus- und Ordnungsdienst" die deutschen Botschaften.

aar/heb/dpa/AFP/dapd
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