Mohnanbau in Afghanistan US-Regierung unzufrieden mit Karsais Drogenbekämpfung

Die US-Regierung ist einem Zeitungsbericht zufolge mit der Bekämpfung des Mohnanbaus in Afghanistan unzufrieden. Nach Ansicht von Präsident George W. Bush tut sein Kabuler Amtskollege Hamid Karsai zu wenig, um die Produktion des Heroin-Rohstoffs einzudämmen.


Mohnfeld: Brandbrief aus Kabul
REUTERS

Mohnfeld: Brandbrief aus Kabul

New York - Wie die "New York Times" am Samstag unter Berufung auf eine interne Aktennotiz berichtet, behinderten örtliche Funktionäre die Vernichtung von Mohnanbauflächen. Die USA finanzieren in Afghanistan ein Programm zur Eindämmung der Produktion des Heroin-Rohstoffs.

Präsident Karsai und seine Regierung unternähmen zudem wenig, um das Programm durchzusetzen, hieß es in dem Vermerk der US-Botschaft in Kabul vom 13. Mai, der an Außenministerin Condoleezza Rice adressiert gewesen sei. "Obwohl Präsident Karsai sehr wohl über die Probleme mit der Umsetzung eines wirksamen Vernichtungsprogramms unterrichtet ist, hat er keine starke Führung zu dessen Durchsetzung zeigen wollen", hieß es laut " Times" in dem Vermerk.

In dem Papier würden ferner Großbritannien, das federführend bei der Drogenbekämpfung in Afghanistan ist, Schwere Versäumnisse vorgeworfen. Die Briten trügen die Verantwortung dafür, dass nicht mehr Mohnanbauflächen vernichtet worden seien. Sie suchten oft nicht die wichtigsten Anbaugebiete für Vernichtungsaktionen aus und seien nicht bereit, ihre Auswahl zu korrigieren, hieß es.

Schlechte Stimmung vor Gipfeltreffen

Karsai trifft im Laufe der Woche in Washington mit US-Präsident George W. Bush zusammen und hat seinerseits mehrere Beschwerdepunkte auf der Liste. Vor allem will der Afghane auf eine rasche Aufklärung neuer Foltervorwürde gegen US-Soldaten drängen. Die "New York Times" hatte vorgestern aus einem vertraulichen amerikanischen Heeresbericht über den Tod von zwei Afghanen auf dem US-Stützpunkt Bagram zitiert. In einigen Fällen seien die Misshandlungen von den Vernehmungsführern befohlen oder ausgeführt worden, um Informationen zu erhalten, schrieb die Zeitung.

"Wir verurteilen das zutiefst", sagte Karsai vor seinem Abflug zu einem viertägigen USA-Besuch. Er forderte Washington zu "sehr, sehr harten Maßnahmen" gegen die Verantwortlichen auf, damit diese nicht weiter in Afghanistan eingesetzt würden. Er werde das Thema in den USA zur Sprache bringen. Auch US-Präsident George W. Bush sei über die Berichte alarmiert, sagte dessen Sprecher Trent Duffy am Freitag. In Zusammenhang mit Misshandlung in Bagram werde gegen sieben Personen ermittelt.

Hilfsorganisationen forderten die afghanische Bevölkerung unterdessen zur Mithilfe bei der Suche nach der entführten Care-Mitarbeiterin Clementina Cantoni auf. Hunderte Poster mit dem Bild der 32-jährigen Italienerin, die am Montag gekidnappt worden war, wurden in Kabul aufgehängt. "Bitte helfen Sie Clementina", heißt es darauf. "Sie hat 10.000 Witwen und 50.000 Waisenkindern geholfen." Karsai erklärte, die Regierung kenne den Täter und seine Motive. "Wir wollen, dass er seine Geisel sicher und gesund freilässt."



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