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Mongolei: Im Abwärtsstrudel

Foto: JASON LEE/ REUTERS

Wahlen in der Mongolei Reiches Land, armes Land

Die Mongolei ist reich an Bodenschätzen, doch der große Rohstoffboom ist vorbei. Nun wird eine neue Regierung gewählt - sie muss eine neue Strategie finden.

Die Mongolei hat das, was viele wollen: Kohle, Kupfer und Seltene Erden. Experten schätzen, dass das Rohstoffvorkommen mehr als zwei Billionen Dollar wert ist. 2011 war die Mongolei daher das erste Land, mit dem die Bundesregierung eine Rohstoffpartnerschaft unterzeichnete.

Doch die Partnerschaft blieb hinter den Erwartungen zurück, die Wirtschaftskraft der Mongolei brach in den Folgejahren ein. 2011 lag das Wachstum noch bei 17 Prozent, bis 2015 fiel es auf 2,3 Prozent. Für dieses Jahr erwartet der Internationale Währungsfonds nur noch magere 0,4 Prozent. Jeder fünfte Mongole lebt unter der Armutsgrenze, zehn Prozent der Bevölkerung sind arbeitslos.

Viele Mongolen erhoffen sich nun von der Parlamentswahl am Mittwoch eine Wende für ihr Land. Beobachter erwarten ein knappes Rennen der beiden großen Parteien, der Demokratischen Partei (DP) von Ministerpräsident Chimed Saikhanbileg und der oppositionellen Mongolischen Volkspartei (MPP). Es ist die siebte Parlamentswahl in dem ehemaligen Satellitenstaat der Sowjetunion, der seit 1990 demokratisch ist.

Die neue Regierung erbt eine ganze Reihe von Problemen. Ein Überblick:

Sinkende Rohstoffpreise

Tagebau der Kupfermine Erdenet

Tagebau der Kupfermine Erdenet

Foto: Adrian Bradshaw/ dpa

Die mongolische Wirtschaft ist in hohem Maße von den Bodenschätzen abhängig. Rohstoffe wie Kohle und Kupfer machen einen Großteil der Exportgüter aus. Deshalb wurde das Land besonders hart vom Rückgang der Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt getroffen. Erst vor wenigen Wochen musste die Weltbank ihre Prognose für das laufende Jahr wegen der anhaltend niedrigen Rohstoffpreise nach unten korrigieren.

Die mongolische Regierung hatte in den vergangenen Jahren verstärkt die Kohleförderung ausgebaut - ein Fehler. Als Folge des Klimawandels ist der Bedarf stetig gesunken. Ebenso ist das Land als Lieferant von Hightech-Metallen wie Seltenen Erden nicht mehr so gefragt. Der Preiskampf um den Rohstoff, der etwa in Mobiltelefonen verarbeitet wird, hat sich inzwischen wieder entspannt.

Abhängigkeit von China und ausländischen Investoren

Indischer Premier Narendra Modi, Amtskollege Chimed Saikhanbileg

Indischer Premier Narendra Modi, Amtskollege Chimed Saikhanbileg

Foto: Davaanyam Delgerjargal/ picture alliance / dpa

Der größte Handelspartner der Mongolei ist China, das selbst mit seinem langsameren Wirtschaftswachstum hadert. Im vergangenen Jahr fiel der Wert unter die von der Regierung angepeilte Sieben-Prozent-Marke, und damit auf den tiefsten Wert seit sechs Jahren. Das trifft die Mongolei hart: 90 Prozent der mongolischen Exporte gingen im ersten Quartal 2014 nach China. Insgesamt sanken die ausländischen Direktinvestitionen im vergangenen Jahr gen null - 2011 lagen sie noch bei umgerechnet 4,5 Milliarden Dollar.

Zudem ist die Mongolei auf ausländische Partner angewiesen, denn sie hat weder das Kapital noch die Technologie, um ihre Rohstoffe allein zu fördern. Einer dieser Investoren ist der multinationale Bergbaukonzern Rio Tinto. Er ist zu zwei Dritteln an dem Gold- und Kupferbergwerk Oyu Tolgoi beteiligt. Nachdem ein langer Streit mit der Regierung beigelegt werden konnte, gab das Unternehmen vor Kurzem bekannt, die Mine für 5,3 Milliarden Dollar ausbauen zu wollen.

Politikverdrossenheit

Wahlkampfveranstaltung in Ulan Bator

Wahlkampfveranstaltung in Ulan Bator

Foto: Byamba-Ochir Byambasuren/ dpa

Seit den ersten freien Wahlen in dem ehemals kommunistischen Land sinkt die Wahlbeteiligung deutlich. 1990 gaben noch 98 Prozent der Wahlbeteiligten ihre Stimme ab, 2012 waren es nur noch 65 Prozent. Aktuellen Umfragen zufolge sind 60 Prozent der Bevölkerung unzufrieden mit der Regierung, aber 50 Prozent auch mit der Opposition.

Vor allem die jungen Wähler sind unzufrieden mit der politischen Führung. Der 30-jährige Amgalan Sukh-Ochir sagte der Nachrichtenagentur AP: "Bei den letzten Wahlen hat die DP jede Menge Versprechungen gemacht - deshalb habe ich sie gewählt. Aber wenn ich mir ansehe, wo wir jetzt stehen, komme ich zu dem Schluss, dass wir nicht viel erreicht haben."

Überfüllte Städte

Wohnviertel um Ulan Bator herum

Wohnviertel um Ulan Bator herum

Foto: Taylor Weidman/ Getty Images

Schon seit der Industrialisierung zwischen den Sechziger- und Achtzigerjahren hat in der Mongolei eine Urbanisierung begonnen. Viele Nomaden gaben die Viehzucht auf und zogen in die großen Städte, allen voran in die Hauptstadt Ulan Bator. Die war ursprünglich auf etwa 600.000 Menschen ausgelegt - heute leben mehr als doppelt so viele Menschen dort. Um die Stadt wächst ein Ring aus Jurten, den traditionellen Zelten der Nomaden. Sie tragen durch Sickergruben und Feuerstellen zur Verschmutzung des Grundwassers und der Luft erheblich bei. Die winterliche Rauchbelastung in der Hauptstadt bedroht die Gesundheit.

Für das Problem ist allerdings schon eine Lösung in Planung: Nicht weit von der Hauptstadt entfernt soll Maidar City entstehen, eine Öko-Musterstadt, in der bis zu 300.000 Menschen leben sollen. Auch der Regierungssitz soll den Plänen zufolge dorthin verlegt werden.

Mit Material von dpa