Montenegro im Zwiespalt Wahlen bestätigen Milosevic' Freunde und Gegner

Unentschieden sind die Wahlen in zwei Städten der jugoslawischen Teilrepublik Montenegro ausgegangen. Während in der Hauptstadt die Reformbewegung von Präsident Djukanovic die absolute Mehrheit errang, waren in der Adriastadt Herceg Novi die Milosevic-Verbündeten erfolgreich.


Milo Djukanovic
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Milo Djukanovic

Belgrad/Podgorica - Nach inoffiziellen Angaben vom Montag sicherte sich das Bündnis "Damit wir besser leben" des prowestlichen Republikspräsidenten Milo Djukanovic in der Hauptstadt Podgorica die absolute Mehrheit der Stimmen. Die mit dem jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic verbündete Allianz "Für Jugoslawien" des jugoslawischen Ministerpräsidenten Momir Bulatovic konnte dagegen in der Adriastadt Herceg Novi die meisten Stimmen auf sich vereinigen.

Als dritte politische Kraft etablierten sich die früher mit Djukanovic verbündeten, zur Unabhängigkeit von Serbien strebenden Liberalen, gaben die Wahlkommissionen am Montag bekannt. Die Wahlen, an denen etwa 80 Prozent der 134.000 Wahlberechtigten teilgenommen haben, verliefen friedlich. Offizielle Ergebnisse werden erst am Donnerstag erwartet.

Djukanovic bezeichnete seinen Sieg in der Hauptstadt, wo es sechs Mal mehr Wähler als in Herceg Novi gab, als "viel wichtiger und glänzender", als die Niederlage in der Adriastadt. "Die Politik von Milosevic ist in Montenegro am Sterben", sagte er nach Angaben des Fernsehens. Predrag Bulatovic, Vizechef der proserbischen Sozialistischen Volkspartei, bezeichnete den Wahlablauf in Podgorica als "undemokratisch und irregulär" und kündigte mögliche Wahlanfechtung an, meldete die Belgrader staatliche Nachrichtenagentur Tanjug. Den Erfolg seiner Koalition in Herceg Novi bezeichnete er als Sieg der "jugoslawischen Idee".

Parteien der serbischen demokratischen Opposition begrüßten den Wahlsieg von Djukanovic, warnten aber auch, dass der Milosevic-Einfluss in Montenegro weiterhin sehr groß sei. Der Djukanovic-Sieg sei eine große "Ermunterung" auch für die serbische Opposition, gab die Serbische Erneuerungsbewegung bekannt.



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