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04. Juli 2013, 12:38 Uhr

Zwangsstopp in Wien

Moskau verurteilt Schikane gegen Morales

Der unfreiwillige Stopp des bolivianischen Präsidenten Morales in Wien erregt noch immer die Gemüter. Er war aus Moskau gestartet, durfte Frankreich, Spanien und Portugal aber nicht überfliegen. Die russische Regierung kritisiert die Sperrung des Luftraums. Paris gibt sich inzwischen zerknirscht.

Buenos Aires/Moskau - Boliviens Präsident Evo Morales ist wieder in der Heimat gelandet. Doch sein 13 Stunden dauernder Aufenthalt am Flughafen von Wien am Mittwoch beschäftigt weiter die Diplomaten zahlreicher Länder. Neben Frankreich, Spanien und Portugal soll auch Italien Morales den Überflug verweigert haben.

Russland kritisierte die europäischen Staaten wegen der Sperrung ihres Luftraumes am Donnerstag. "Das Vorgehen der Behörden Frankreichs, Spaniens und Portugals kann kaum als freundlicher Akt gegenüber Bolivien gewertet werden", erklärte das Außenministerium in Moskau. Die Sperrung "hätte zu einer Gefahr für die Sicherheit der Passagiere, darunter das Oberhaupt eines souveränen Staats, werden können".

Frankreich hat das Vorgehen inzwischen bedauert. Außenminister Laurent Fabius habe seinem bolivianischen Amtskollegen David Choquehuanca in einem Telefongespräch sein Bedauern über die Verzögerung bei der Ausstellung der Flugerlaubnis ausgedrückt, teilte das Ministerium mit. Es habe Verwirrung über den Eigentümer der Maschine gegeben, hieß es. Selbstverständlich habe nie die Absicht bestanden, der Präsidentenmaschine den Zugang zum französischen Luftraum zu verweigern. Morales sei stets willkommen in Frankreich.

Anlass für das Versagen der Überfluggenehmigung war offenbar das Gerücht, der von den USA gesuchte frühere Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden sei an Bord der Maschine. Snowden hatte vertrauliche Informationen zu den Spähprogrammen der US-Geheimdienste publik gemacht. Bolivien warf den USA daher vor, hinter der Verweigerung der Überflugrechte zu stehen.

"Wir sind alle Bolivien"

Nach einer Inspizierung des Flugzeugs durch österreichische Flughafenmitarbeiter flog Morales weiter. Der bolivianische Präsident war auf dem Rückweg von einem Kongress von Erdgas-Exporteuren in Moskau. Im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo soll sich Snowden aufhalten, der in mehreren Ländern um Asyl nachgesucht hat.

Es gibt noch eine weitere Version der Ereignisse: Österreichische Medien berichteten, der Pilot der Präsidentenmaschine habe wegen einer defekten Treibstoffanzeige um Landeerlaubnis gebeten.

Einige Spitzenpolitiker aus Süd- und Mittelamerika solidarisierten sich mit Evo Morales. "Wir sind alle Bolivien", twitterte Ecuadors Staatschef Rafael Correa, seine argentinische Amtskollegin Cristina Kirchner schrieb auf Twitter: "Mutter Gottes! Was für eine Welt!" und deutet ein mögliches Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof an.

Eine Gruppe von zwölf südamerikanischen Staaten will am Donnerstag zu einem Sondergipfel wegen des Eklats zusammenkommen. Bei der Verweigerung von Überflugrechten für die Maschine Morales' handele es sich um "Kidnapping", erklärte das Staatenbündnis Unasur. Ihre Teilnahme an dem Treffen im bolivischen Cochabamba hätten bereits sechs der zwölf Unasur-Präsidenten zugesagt, hieß es in einer Mitteilung.

Bolivien hatte bereits am Mittwoch von einem aggressiven Akt und einer Verletzung des Völkerrechts gesprochen. Morales' Zwangsstopp wurde als "Geiselhaft" bezeichnet.

kgp/dpa/Reuters/AFP

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