Mord an Anna Politkowskaja Mutmaßlicher Drahtzieher gefasst

In die Ermittlungen zum Mord an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja kommt anscheinend Bewegung: Knapp fünf Jahre, nachdem die Kremlkritikerin vor ihrer Wohnungstür erschossen wurde, haben russische Ermittler einen der mutmaßlichen Hintermänner gefasst.


Moskau - In der ersten Verhandlung war Dmitri P. noch als Zeuge der Staatsanwaltschaft aufgetreten - nun könnte ihm selbst der Prozess gemacht werden. Es bestehe der Verdacht, dass der ehemalige Polizist gegen Bezahlung den Auftrag angenommen habe, die kremlkritische Journalistin Anna Politkowskaja zu ermorden, sagte ein Sprecher der russischen Ermittlungsbehörde der Nachrichtenagentur Interfax. Der Beschuldigte habe daraufhin dem mutmaßlichen Mörder Rustam Machmudow Geld, eine Pistole und einen Schalldämpfer besorgt.

Machmudow war Ende Mai in Tschetschenien gefasst worden. Ihm wird vorgeworfen, die Journalisten vor knapp fünf Jahren vor ihrer Wohnungstür erschossen zu haben. Wer allerdings Dmitri P. beauftragt habe, sei noch unklar, sagte der Sprecher; der nun Festgenommene scheint ein Glied in einer Kette zu sein. Dennoch sprach die Anwältin von Politkowskajas Familie von einem Wendepunkt in den Ermittlungen: "Wir werden sicherstellen, dass alle, die an diesem Mord beteiligt waren, zur Rechenschaft gezogen werden".

In einem ersten Prozess waren zwei Brüder Machmudows sowie ein weiterer Ex-Polizist aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Der Fall Anna Politkowskaja gilt als Symbol für die Verfolgung regierungskritischer Journalisten in Russland.

usp/dpa/Reuters



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