Mord an Care-Chefin Brüssel erwägt Einstellung jeder Nothilfe für den Irak

Während Großbritanniens Regierung entsetzt auf den Mord an der irakischen Care-Chefin Margaret Hassan reagiert, stellt der EU-Nothilfekommissar Poul Nielson jede weitere Unterstützung für den Irak infrage. Und für Frankreichs Präsident Chirac ist klar: Die Welt ist nach dem Krieg gefährlicher als je zuvor.




Margaret Hassan (Archiv): Entsetzen in London über den Mord an der Care-Chefin
REUTERS

Margaret Hassan (Archiv): Entsetzen in London über den Mord an der Care-Chefin

Brüssel/London - "Solche barbarischen Taten machen es den Hilfsorganisationen fast unmöglich, ihre wichtige Arbeit im Irak fortzusetzen", sagte EU-Kommissar Nielson heute in Brüssel. "Die Hauptopfer sind die unschuldigen und leidenden Iraker, die von internationalen Hilfsprogrammen profitierten." Die Iraker hätten mit Margaret Hassan "eine gute Freundin" verloren: "Im Frieden und im Krieg widmete Margaret ihr Leben der Hilfe für bedürftige Iraker", betonte Nielson.

Die Nachricht, dass die entführte Hassan höchstwahrscheinlich ermordet wurde, ist in ihrem Heimatland mit Entsetzen aufgenommen worden. Premierminister Tony Blair sprach der Familie Hassans sein Mitgefühl aus. Außenminister Jack Straw sagte: "Es ist widerlich, ein solches Verbrechen an einer Frau zu begehen, die fast ihr ganzes Leben lang für das Wohl der irakischen Bevölkerung gearbeitet hat."

Chirac und Bush: Angespannte Beziehungen
DPA

Chirac und Bush: Angespannte Beziehungen

Unterdessen dürften neue Äußerungen des französischen Präsidenten den Bemühungen Blairs um eine Entspannung des französisch-amerikanische Verhältnisses einen Dämpfer versetzen. In einem BBC-Interview sagte Kriegsgegner Chirac, der Feldzug der USA habe die Welt unsicherer gemacht. "Ohne Zweifel hat es einen Anstieg des Terrorismus gegeben", sagte er einen Tag vor seinem Großbritannien-Besuch. "Bis zu einem gewissen Grad war die Entmachtung von Saddam Hussein eine positive Sache." Allerdings seien in zahlreichen Ländern Islamisten aktiviert worden und dies habe die Welt gefährlicher werden lassen, so Chirac. US-Präsident George W. Bush hatte den Krieg unter anderem damit gerechtfertigt, dass die Welt mit der Entmachtung Saddams sicherer geworden sei.

Blair hatte am Montag an die Europäer und die USA appelliert, ihre Differenzen im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg zu begraben und sich auf die globalen Herausforderungen zu konzentrieren. Die Unterstützung Blairs für Bushs Kriegskurs ist in seiner Labour-Partei heftig umstritten und hat seiner Popularität in der britischen Wählerschaft geschadet.

Einer heute in der Zeitung "Independent" veröffentlichten Umfrage zufolge sind 64 Prozent der Briten der Ansicht, das für Großbritannien gute Beziehungen zum europäischen Kontinent wichtiger sind als die Beziehungen zu den USA. Der französische Präsident reist morgen nach Großbritannien, wo er das hundertjährige Bestehen der Entente Cordiale feiern will. Das Abkommen regelte die Zusammenarbeit der beiden in der Geschichte häufig verfeindeten Nationen.

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