Mord an Ex-IRA-Funktionär Polizei warnte Doppelagenten Donaldson

Die irische Polizei hat den früheren britisch-irischen Doppelagenten Donaldson vor seiner Ermordung gewarnt. Der Ex-Sinn-Fein-Funktionär verzichtete nach Angaben des irischen Premiers Ahern jedoch auf Polizeischutz. London und Dublin bekräftigten ihren Willen zum Frieden in Nordirland.


London - Nach der Ermordung des früheren IRA-Funktionärs und irisch-britischen Doppelagenten Denis Donaldson bekräftigten die Regierungen in London und Dublin heute ihren Willen zur Zusammenarbeit bei der Suche nach einer Friedenslösung für Nordirland. Der britische Premierminister Tony Blair und sein irischer Amtskollege Bertie Ahern würden morgen wie geplant über mögliche Fortschritte sprechen, versicherten Sprecher beider Regierungen heute. Die irische Polizei hatte gestern Abend die Leiche des 56-jährigen Donaldson gefunden. Er war erschossen worden, eine Hand war abgetrennt.

Donaldson war in den vergangenen Jahren für die republikanische Partei Sinn Fein, des politischen Arms der Untergrundorganisation IRA, im nordirischen Parlament tätig gewesen. Im vorigen Dezember war er von der Partei ausgeschlossen worden, nachdem er zugegeben hatte, dass er 20 Jahre lang insgeheim auch für die britischen Behörden gearbeitet hatte. Die IRA hat im vorigen Sommer offiziell ihren Kampf eingestellt und im September ihre Waffen abgeliefert.

Angaben des britischen Senders BBC zufolge erklärte Irlands Premier Ahern heute, die irische Polizei habe Donaldson vor dessen Tod vor einer Bedrohung gewarnt. So hätten die Sicherheitsbehörden im Januar Informationen über Donaldsons  dahin geheimen Aufenthaltsort erhalten. Donaldson habe jedoch nicht um besonderen Schutz gebeten, obwohl Beamte ihm bei einem Treffen dazu geraten und diesen auch angeboten hätten. Die Polizei habe Donaldsons Haus daraufhin lediglich bei Streifenfahrten überwacht.

Die britischen Medien berichteten heute ausführlich über die Ermordung Donaldsons. Dabei wird zum Teil die Vermutung geäußert, dass er einem Racheanschlag empörter Republikaner zum Opfer gefallen sei. In anderen Blättern wurde die Ansicht vertreten, dass die für die Bluttat Verantwortlichen wohl nie gefunden würden, weil Donaldson zu viele potenzielle Feinde gehabt habe. "Er spielte während der Jahre des Konflikts sein Doppelleben auf brillante Weise", meinte "The Times".

phw/dpa



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