Mord an Hamas-Funktionär Dubai fahndet nach Killerkommando mit europäischen Pässen

Wer tötete den Hamas-Führer Mahmud al-Mabhuh? Vier Wochen nach dem Mord in Dubai fahndet die örtliche Polizei nach zehn Männern und einer Frau. Sie sollen mit britischen, irischen und auch mit einem deutschen Pass angereist sein.

Bild von Mahmud al-Mabhuh auf einem Poster: Elfköpfiges Killerkommando in Dubai?
AFP

Bild von Mahmud al-Mabhuh auf einem Poster: Elfköpfiges Killerkommando in Dubai?


Dubai - Rund vier Wochen nach dem mysteriösen Mord an dem Hamas-Führungsmitglied Mahmud al-Mabhuh hat die Polizei in Dubai die Fahndung nach elf Verdächtigen aufgenommen - alle sollen europäische Pässe haben. Gesucht werden laut dem Polizeichef zehn Männer und eine Frau. Sechs der Gesuchten hätten britische und drei irische Pässe - zwei Verdächtige verfügten über einen deutschen beziehungsweise einen französischen Pass.

Das mutmaßliche Killerkommando sei in Dubai von Überwachungskameras aufgenommen worden, sagte der Polizeichef. Die Personen hätten in verschiedenen Hotels eingecheckt und sich mit Perücken und falschen Bärten verkleidet. Sie hätten bar bezahlt und verschiedene Handy-Karten verwendet, um Spuren zu verwischen. Mindestens zwei Verdächtige hätten ein Hotelzimmer gegenüber dem des Hamas-Anführers gemietet.

Nur 19 Stunden nach ihrer Ankunft hätten die elf Männer und Frauen die Vereinigten Arabischen Emirate wieder verlassen. Die Polizei in Dubai leitete die Namen der Verdächtigen an die internationale Polizeibehörde Interpol weiter, um Haftbefehle gegen sie zu erwirken.

Mabhuh wurde am 20. Januar in einem Luxushotel in Dubai umgebracht - fünf Stunden nach seiner Ankunft. Zu den Todesumständen gibt es widersprüchliche Angaben. Der Polizeichef sagte, ersten Untersuchungen zufolge sei Mabhuh erstickt worden. Es liefen aber noch Labortests, um mögliche andere Ursachen abzuklären. Die Hamas erklärte kürzlich, der 50-Jährige sei in seinem Hotelzimmer "vergiftet und durch einen Stromschlag getötet worden". Mabhuhs Bruder Hussein sagte, sein Bruder sei durch einen "Stromschlag und Ersticken mit einem Kleidungsstück" gestorben.

Hamas bezichtigte Israel des Mordes

Die Hamas beschuldigte Israel, hinter dem Mord zu stecken - sie drohte nach dem Tod Mabhuhs mit Vergeltung. Mabhuh gehörte zu den Gründern der Essedin-el-Kassam-Brigaden, dem bewaffneten Arm der Hamas. An seiner Beisetzung in einem Vorort von Damaskus nahm auch Hamas-Chef Chaled Meschaal teil.

Mabhuh wurde seit zwei Jahrzehnten von Israel gesucht. Er soll in die Entführung und Tötung zweier israelischer Soldaten 1989 verwickelt gewesen sein sowie in mehrere Anschläge gegen Israel. Er war mehrmals in israelischen Gefängnissen inhaftiert. Aus israelischen Militärkreisen verlautete Ende Januar, Mabhuh habe eine zentrale Rolle beim Schmuggel von Waffen aus Iran in den Gaza-Streifen gespielt, der von Hamas kontrolliert wird. Zu den Anschuldigungen, israelische Agenten hätten Mabhuh ermordet, hat Israel bislang nicht Stellung genommen.

Verwicklung des Mossad nicht ausgeschlossen

Am Montag sagte der Polizeichef von Dubai, er könne nach wie vor nicht ausschließen, dass der israelische Geheimdienst Mossad "oder andere Parteien" in den Mord verwickelt seien. Es sei möglich, dass "die Führer bestimmter Länder ihren Geheimdienstagenten den Auftrag gegeben haben, Mabhuh zu töten", sagte er.

Mossad-Agenten töteten in der Vergangenheit mehrfach palästinensische Funktionäre im Ausland, darunter 1988 die rechte Hand des ehemaligen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat, Abu Dschihad, in Tunis und 1995 den Chef der Bewegung Islamischer Dschihad, Fathi Schakaki, in Malta.

Die Hamas fror wenige Tage nach dem Tod Mabhuhs die Gespräche über einen Gefangenenaustausch mit Israel ein. Die derzeitigen Umstände machten eine Fortsetzung der indirekten Verhandlungen unmöglich, heißt es in einer Erklärung von Hamas-Sprecher Aiman al-Taha vom Dienstag. Die Gespräche seien nach dem Tod ausgesetzt, aber nicht vollständig abgebrochen worden.

Israel und die radikalislamische Hamas verhandeln unter deutscher und ägyptischer Vermittlung über einen Gefangenenaustausch. Israel soll im Gegenzug für den im Juni 2006 entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit rund tausend Häftlinge aus israelischen Gefängnissen freilassen.

kgp/AFP/apn/AP



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