Mord an Hisbollah-Führer "Das war exzellente Arbeit"

Er war Israels Staatsfeind - nun tötete eine Autobombe den Hisbollah-Top-Kommandeur Mughnija. Steckt der Mossad hinter dem Mord? Wenn ja, "ist das die beste Anti-Terror-Operation in seiner Geschichte", sagt Geheimdienstexperte Yossi Melman SPIEGEL ONLINE - und schildert, wie schwer eine solche Aktion ist.


SPIEGEL ONLINE: Kaum wurde bekannt, dass eine Autobombe in Damaskus den Hisbollah-Mitbegründer Imad Mughnija getötet hatte, bezichtigte die libanesische Schiiten-Miliz Israel, ihren zweitwichtigsten Führer ermordet zu haben. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert wies jede Verwicklung in "die Vorgänge" weit von sich. War es dennoch der israelische Mossad, der Mugnijeh getötet hat?

Hisbollah-Führer Mughnija: "Er hatte ja viele Geheimdienste zum Feind"
AFP

Hisbollah-Führer Mughnija: "Er hatte ja viele Geheimdienste zum Feind"

Yossi Melman: Theoretisch kommen eine Menge Leute als Drahtzieher in Frage, Mughnija hatte ja bekanntermaßen viele Geheimdienste zum Feind. Nicht nur bei den Amerikanern, auch bei den Briten und dem deutschen BND stand er auf den Listen der Meistgesuchten. Mughnija war ja auch in Morde auf deutschen Straßen verwickelt. Ich denke da an das Mykonos-Attentat (bei dem im Dezember 1992 vier kurdische Exilpolitiker im Auftrag des iranischen Geheimdienst erschossen wurden, Anmerkung der Redaktion). Trotzdem hatten die Israelis die meisten Motive, ihn zu töten. Ich würde nicht ausschließen, dass es sich hier um eine gemeinsame Aktion verschiedener Dienste handelt. Aber die Israelis waren sicher federführend.

SPIEGEL ONLINE: Wird beim Mossad heute gefeiert?

Melman: Absolut. Und nicht nur bei denen. Die Geheimdienste weltweit dürften heute in Feierlaune sein.

SPIEGEL ONLINE: Nach dem, was Sie über den israelischen Mossad wissen: Wie wird eine solche Operation vorbereitet?

Melman: Aus der Analyse früherer Fälle kann ich sagen, dass es mit Sicherheit sehr schwierig war, an Mughnija heran zu kommen. So weit man weiß, hatte er viele Sicherheitsvorkehrungen getroffen, ließ in seinem Alltag keine Routine aufkommen. Er hat wohl selten mehr als zwei, drei Nächte hintereinander im selben Bett geschlafen und seine Autos ständig gewechselt. Er vertraute selbst seinen eigenen Leuten nicht.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem hat ihn die Bombe umgebracht. Wie bewerten sie das?

Melman: Wenn Israel ihn getötet hat, dann ist das die beste Anti-Terror-Operation, die Israels Geheimdienst je unternommen hat. Die Dienste haben exzellente Arbeit geleistet, perfekte Informationen geliefert.

SPIEGEL ONLINE: Mugnijeh stand an Platz eins der israelischen Liste der meist gesuchten Terroristen. Wie lange hat der Mossad ihn gejagt?

Melman: Israel hatte eine sehr große offene Rechnung mit ihm. Er war ja sozusagen der Generalstabschef der Hisbollah, steckte hinter dem Krieg im Libanon, den Bomben in Buenos Aires und Dutzenden Entführungen westlicher Ausländer während des libanesischen Bürgerkriegs. Imad Mughnija war eine Akte, die nie geschlossen wurde. Er mag sich für Jahre versteckt haben und auch mal vom Radarschirm verschwunden sein, aber er war immer ein Ziel. Manchmal muss man dann eben Glück haben, aber dieses Glück ist immer auch das Ergebnis harter Arbeit.

SPIEGEL ONLINE: Der Anschlag fand mitten in der syrischen Hauptstadt Damaskus statt. Inwieweit muss man, um so etwas zu planen, auf einheimische Helfer zurück greifen?

Melman: Bei einer Operation dieser Größenordnung fährt man alle Geschütze auf: Agenten, Informanten, einheimische Helfer. Vor allem aber auch High-Tech. Da werden Telefongespräche mitgehört, Wanzen gelegt und so weiter.

SPIEGEL ONLINE: Die Hisbollah hat bereits angekündigt, den Mord an ihrem zweiten Mann rächen zu wollen. Wie wird die Schiiten-Miliz dazu vorgehen?

Melman: Die Hisbollah wird mit Sicherheit Rache üben, auf altbekannte Manier: Bomben gegen isralische Botschaften irgendwo auf der Welt oder Morde an hochrangigen Israelis. Das kann aber noch dauern: Die Hisbollah hat ein Elefanten-Gedächnis und alle Zeit der Welt. Sie werden abwarten, beobachten und zuschlagen, wenn sie die Zeit gekommen sieht.

Das Interview führte Ulrike Putz



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