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Reaktionen auf Mord an maltesischer Bloggerin "Sie hat ihr Leben geopfert"

Nach dem Mord an der Bloggerin Daphne Caruana Galizia spricht Maltas Regierungschef Muscat von einer "tückischen Attacke auf die Meinungsfreiheit". Er war durch ihre Recherchen selbst in Bedrängnis geraten.

Die maltesische Bloggerin Daphne Caruana Galizia ist tot, sie kam bei einem Sprengstoffattentat mit einer Autobombe ums Leben: Auf diese Nachricht haben EU-Politiker mit großem Bedauern reagiert. "Brutaler Mord an Daphne Caruana Galizia: tragisches Beispiel einer Journalistin, die ihr Leben geopfert hat, um die Wahrheit ans Licht zu bringen", twitterte EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani.

"Ich bin tief schockiert über den Tod von Daphne Caruana Galizia", sagte Sven Giegold, Abgeordneter der Grünen/EFA-Fraktion im EU-Parlament. Caruana Galizia habe "eine entscheidende Rolle bei der Aufdeckung schwerwiegender Vorwürfe zu Geldwäsche und Korruption in Malta, einschließlich Anschuldigungen gegen hochrangige Mitglieder der maltesischen Regierung" gespielt, sagte Giegold und fügte hinzu: "Solche Vorfälle erinnern an Putins Russland, nicht an die Europäische Union."

Regierungschef nannte Enthüllungen "Lüge"

Die Hintergründe der Tat sind bislang unklar. Dem staatlichen TV-Sender TVM zufolge hatte sich Caruana Galizia vor zwei Wochen an die Polizei gewandt, weil sie Morddrohungen erhalten habe. Sie hatte vor allem mit Berichten zu den sogenannten Panama Papers für Aufsehen gesorgt. Demnach gehörte eine der Firmen, die in den geheimen Unterlagen des panamaischen Offshore-Dienstleisters Mossack Fonseca erwähnt wurde, der Frau von Regierungschef Joseph Muscat.

Der hatte diese Darstellung nach Bekanntwerden der Vorwürfe als Lüge bezeichnet. Nach dem Mord an Caruana Galizia versprach er aber, nicht nachzugeben, bis der Tod der Journalistin aufgeklärt sei. Den Anschlag bezeichnete er als eine "tückische Attacke auf einen Bürger und auf die Meinungsfreiheit".

Die Regierung von Malta war schon vor dem Artikel von Caruana Galizia von dem Skandal um Briefkastenfirmen in Panama erfasst worden. Die Dokumente enthüllten unter anderem, dass Energieminister Konrad Mizzi und Muscats Kabinettschef Keith Schembri in Panama ihre eigenen geheimen Firmen aufgezogen hatten. Die Folge waren vorgezogene Parlamentswahlen im Juni.

vks/dpa
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