Mord an Rassistenführer Südafrikas Rechtsextreme schwören Rache für Terre Blanche

Zu Tode gehackt im eigenen Bett: Nach dem Mord am Neonazi Eugene Terre Blanche versuchen Südafrikas Politiker, die Nation zu beschwichtigen. Drohen Racheakte und Unruhen zur WM? In letzter Zeit war es ausgerechnet der politische Ziehsohn von Präsident Zuma, der den Rassenhass schürte.

AFP

Aus Kapstadt berichtet Karl-Ludwig Günsche


Südafrikas Rechtsextremisten rufen nach Rache. Kaum 24 Stunden nach dem Mord an ihrem Anführer Eugene Terre Blanche forderte Generalsekretär André Visagie die Mitglieder der Afrikaner Weerstandsbeweging (AWB) am Sonntag zwar dazu auf, erst einmal Ruhe zu bewahren. Die AWB werde zunächst die Feierlichkeiten zur Beerdigung ihres Anführers regeln. Doch am 1. Mai solle entschieden werden, "welche Schritte wir unternehmen, um Mr. Terre Blanches Tod zu rächen".

Visagie lässt keinen Zweifel, dass Südafrikas Rechtsextremisten den Mord nicht ungesühnt hinnehmen werden: "Wir werden handeln." Den Fußballteams und ihren Anhängern, die zur WM anreisen wollen, werde seine Organisation deshalb raten, lieber zu Hause zu bleiben.

Aus Angst vor Ausschreitungen hat die Polizei die Terre-Blanche-Farm in Ventersdorp, auf der der 69-Jährige am Samstag von zwei Farmarbeitern ermordet worden war, am Sonntag bereits hermetisch abgeriegelt. Nur Polizeiminister Nathi Mthethwa und Südafrikas Polizeichef Bkeki Cele wurden durchgelassen, damit sie der Familie des Ermordeten ihr Beileid aussprechen konnten.

Zwei Monate vor dem Anpfiff zur Fußball-Weltmeisterschaft in Johannesburg hat der Mord Regierung und Opposition in Südafrika gleichermaßen aufgeschreckt. Die Chefin der größten Oppositionspartei, Helen Zille, brachte in einer ersten Stellungnahme die große Sorge der politischen Elite des WM-Gastgeberlands auf den Punkt: "Zu einem Zeitpunkt, zu dem die Spannungen in Südafrika ohnehin schon hoch sind, wird der Mord an Terre Blanche die Wut weiter anfachen."

"Zumas Rottweiler" schürt Rassenhass

Denn unerwartet kam die Bluttat an Terre Blanche nicht: Seit Wochen schürt die Jugendliga des regierenden ANC Rassenhass und ruft zur politisch motivierten Gewalt auf. Im Mittelpunkt steht wie immer der umstrittene ANCYL-Präsident Julius Malema, dem Staatspräsident Jacob Zuma noch vor wenigen Monaten bescheinigt hat, er habe das Zeug zu einem der künftigen Führer des Landes am Kap.

Andre Nienaber, AWB-Mitglied und Verwandter des Ermordeten, erklärte denn auch postwendend, der Tod des Rechtsextremisten, der sich mit seinen Anhängern nach der Apartheidzeit zurücksehnte, sei "eine Folge von Malemas Hasstiraden".

Malema ist das Idol der Unterprivilegierten, der Armen und Zukurzgekommenen. "Zumas Rottweiler" nennen ihn die Medien. Mal fordert er die Verstaatlichung der Minen, mal die Enteignung von Landbesitzern. Die politische Konkurrenz bezeichnet er ungerührt als "Hunde". Zille nennt er ein "rassistisches kleines Mädchen".

In der Kampagne zur Inthronisierung Zumas zum ANC-Chef erklärte er 2007 vor seinen jubelnden Anhängern: "Wir sind bereit, zu den Waffen zu greifen und für Zuma zu töten." Anfang März brachte er das Fass allerdings zum Überlaufen, wurde er vom politischen Clown endgültig zum Hassprediger: Vor Studenten in Johannesburg sang er unter tosendem Beifall das alte ANC-Kampflied "Tötet die Buren".

Nationale Empörung über ein altes Lied

In zwei Gerichtsurteilen wurde ihm das öffentliche Singen des Songs untersagt. Doch die Saat scheint aufgegangen. Zille erklärte entsetzt: "Das Absingen solcher Lieder schafft ein Klima, in dem Gewalt als angemessene Antwort auf Probleme des Einzelnen oder der Gemeinschaft angesehen wird."

Nach Berichten des "Cape Argus" zirkuliert in Südafrika eine SMS, in der für den Tod Malemas eine Belohnung von zwei Millionen Rand (200.000 Euro) ausgelobt wird. Die Jugendorganisation des Pan Africanist Congress drohte, Malema werde entweder in der Klinik oder im Leichenschauhaus enden. Und die Menschenrechtsorganisation AfriForum startete eine Kampagne "Stoppt Malema", der sich in wenigen Tagen 20.000 Unterstützer anschlossen, die jeweils zehn Rand in einen Fonds der Anti-Malema-Aktion einzahlten.

Malema, der auch wegen seines luxuriösen Lebenswandels in die Kritik geraten ist, ficht das alles nicht an. Bei einem Besuch in Zimbabwe wurde er am Karfreitag wie ein Staatsgast empfangen. Der ANCYL-Chef feierte den greisen Diktator Robert Mugabe als Freiheitshelden, und Anhänger der Mugabe-Partei Zanu-PF sangen zur Begrüßung des südafrikanischen Gastes trotzig: "Tötet die Buren".

Malema verkündete, er werde den Song auch weiterhin singen, "selbst wenn ich dafür ins Gefängnis gehen muss". Die Gerichtsbarkeit, die Medien und die Wirtschaft Südafrikas würden nach wie vor "von weißen Männern kontrolliert, die sich weigern, sich zu ändern", hetzte er. Am Schluss seiner Ansprache in Harare sang er unter tosendem Beifall Zumas Kampflied: "Bringt mir mein Maschinengewehr".

Zuma warnt vor Provokateuren

Zuma hat bisher stets nachsichtig auf die Ausfälle Malemas reagiert. Vor allem für die Kommunalwahl 2011, bei der der ANC empfindliche Stimmeneinbußen befürchten muss, hat Malema offenbar die Aufgabe, die Stimmen der protestierenden Bewohner der ländlichen Gebiete und der Armenviertel zu sichern.

Nach dem Mord an Terre Blanche zog allerdings auch Zuma die Notbremse. Er warnte davor, dass Provokateure die Situation ausnutzen könnten, um Rassenhass zu schüren, und rief die Südafrikaner zu Ruhe und Besonnenheit auf.

Der ANC mahnte, den Mord nicht zum Vorwand zu nehmen, das Land zu polarisieren. Die Angst wächst, die erste Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden könnte zum Flop werden. Fast täglich berichten die Zeitungen Südafrikas über zum Teil blutige Ausschreitungen in den ländlichen Gebieten. Der Generalsekretär des Gewerkschaftsbundes Cosatu, Zwelinzima Vavi, hat bereits mit Streiks gedroht, die auch das Fußballspektakel beeinträchtigen könnten.

Doch Südafrikas Polizei und die Fifa beteuern, für die Sicherheit von Spielern und Fans sei gesorgt. Rund 45.000 Polizisten sollen allein zu ihrem Schutz aufgeboten werden. Doch der Terre-Blanche-Mord könnte nicht nur den Extremisten Auftrieb geben, sondern vor allem - wie jede schlagzeilenträchtige Blutttat - die Diskussion um die Kriminalität in Südafrika erneut anfachen.

Prominente aus aller Welt, die zum Fußballspektakel ans Kap reisen, scheinen jedenfalls eher auf Selbsthilfe als auf die Polizei zu bauen: Private Sicherheitsdienste, die für 3000 Rand am Tag rund um die Uhr Personenschutz anbieten, verkündeten Anfang März, dass ihre Bodyguards für die Zeit der WM bereits ausgebucht seien.

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alwa 04.04.2010
1. Emsige Konstrukteure...
Terre Blanche wurde von seinen eigenen Mitarbeitern wegen eines Lohnstreits ermordet. Was hat das mit Zuma und Malema zu tun?
Arne11 04.04.2010
2. Die WM macht wenigstens auf die Situation aufmerksam
Zitat von sysopZu Tode gehackt im eigenen Bett: Nach dem Mord am Neonazi Eugene Terre Blanche versuchen Südafrikas Politiker, die Nation zu beschwichtigen. Drohen Racheakte und Unruhen zur WM? In letzter Zeit war es ausgerechnet der politische Ziehsohn von Präsident Zuma, der den Rassenhass schürte. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,687237,00.html
Wenigstens macht die WM auf die verfahrene Situation aufmerksam. Da hat sie ja einen wirklich konstruktiven Effekt. Südafrikaner beantragen bereits Asyl in anderen Ländern wegen ethnischer Verfolgung. Und ehe hier jemand in liebgewonnene Stereotype verfällt - es sind Weisse und Schwarze die Asyl beantragen. Grüsse, Arne
tellthetruth 04.04.2010
3. Verzerrte Darstellung
Ich frage mich, warum der Autor einseitig berichtet. Der Hauptgrund scheint mal wieder zu sein, die WM und Südafrika schlechtzureden. Sicherlich laufen auf verbaler, politischer Ebene einige Dinge etwas aus dem Rahmen, aber die Situation wird in dem Artikel stellenweise bewusst zu krass dargestellt. "Seit Wochen schürt die Jugendliga des regierenden ANC Rassenhass und ruft zur politisch motivierten Gewalt auf". Diese Behauptung wird in dem Artikel nicht weiter aufgegriffen. Äusserungen von Malema sind sicherlich bedenklich, aber zu diesem Zeitpunkt überbewertet. Die Medien greifen leider jede noch so dumme Äusserung auf um Schlagzeilen zu machen. Die folgenden 2 statements waren für mich allerdings der Hauptgrund diesen Artikel zu kommentieren: "Fast täglich berichten die Zeitungen Südafrikas über zum Teil blutige Ausschreitungen in den ländlichen Gebieten." Es ist korrekt, dass es in den letzten Wochen regelmässig zu sogenannten 'service delivery protests' gekommen ist. Allerdings haben sich diese Ausschreitungen nicht gegen Weisse gerichtet, sondern gegen die Regierung, die in vielen Armenvierteln immer noch nicht diverseste meschenunwürdige Probleme beseitigt hat. "Schon vor dem Mord an Terre Blanche war es immer wieder zu Ausschreitungen zwischen Schwarzen und Weißen gekommen. Die Regierung fürchtet nun eine neue Eskalation der Gewalt." Dieser Text stand unter einem Foto, auf dem brennende Townshiphütten zu sehen sind und es ist wahrscheinlich bei den Unruhen vor 2 Jahren entstanden. Bei den damaligen Unruhen sind schwarze Ausländer von schwarzen Südafrikanern aus ihren Häusern in den Townships vertrieben worden. Ausschreitungen von Weißen gegen Schwarze hat es zuletzt Ende der Apartheid gegeben - mit Weißen als Aggressoren.
Ylex 04.04.2010
4. Südafrika taumelt in die WM
Nach dem Mord an Terre Blanche sieht es noch düsterer aus für die Fußball-WM in Südafrika, die am 11. Juni, also in gut drei Monaten beginnt. Die "Afrikaner Weerstandsbeweging" (AWB) hat zwar nur noch ein paar hundert Mitglieder, aber die Symphatisanten gehen in die Hunderttausende. Der Tod von Terre Blanche ist für viele Weiße ein Fanal – dass er für mehrere blutige Bombenattentate verantwortlich war, interessiert diese Leute nicht. Der "weiße Hitler" Südafrikas stand für den Kampfgeist der Buren, für ihre Unbeugsamkeit. Vertieft werden die Gräben zwischen Schwarzen und Weißen durch den Psychophaten Julius Malema, unter dessen deskrutiven Einfluss die Dreierallianz zu zerbrechen droht – bisher wurde die südafrikanische Politik dominiert von ANC, SACP und dem Gewerkschafts-Dachverband COSATU (African National Congress, South African Communist Party und Congress of South African Trade Unions). Nicht nur der Hitzkopf Malema gefährdet das Bündnis, vielleicht noch verheerender wirkt sich die neoliberale Wirtschaftspolitik des ANC aus, die eine Mehrheit der Bevölkerung gegen ihn aufbringt. Früher wollte der ANC noch die kostenlose Versorgung der Armen mit Wasser und Strom durchsetzen – nun ist die Privatisierung des landesweit größten Energieversorgers ESKOM (Electricity Supply Commission) im Gespräch und auch der Verkauf der staatlichen Telefongesellschaft TELKOM. In den Städten und Townships sind die sogenannten "Roten Ameisen" gefürchtet, die den Menschen Strom und Wasser abdrehen. Südafrika taumelt bedenklich vor der Fußball-Weltmeisterschaft. Wenn selbst der schillernde Jacob Zuma zurückrudert und zur Ruhe mahnt, dann droht umso mehr, dass mit dem Mord an dem Ultra-Rassisten Terre Blanche ein Funke überspringt, der das ganze Land in Brand setzen könnte.
Kulturkontor, 04.04.2010
5. Bloß so ne Frage am Rande:
Zitat von sysopZu Tode gehackt im eigenen Bett: Nach dem Mord am Neonazi Eugene Terre Blanche versuchen Südafrikas Politiker, die Nation zu beschwichtigen. Drohen Racheakte und Unruhen zur WM? In letzter Zeit war es ausgerechnet der politische Ziehsohn von Präsident Zuma, der den Rassenhass schürte. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,687237,00.html
Was passiert eigentlich, wenn man sich als ausländischer Fußballfan in ein Slum verirrt? Bezahlt man das dann mit seinem Leben? Oder lassen die dann Gnade gewähren? Ich hab nämlich ne Karte, weiß aber nicht, ob ich mich dahintrauen kann.
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