Mord an Terre Blanche Rechtsextreme ziehen Drohungen zurück

Es war ein Lohnkonflikt, der blutig endete: Die Mörder des südafrikanischen Rechtsextremen Eugene Terre Blanche haben sich der Polizei gestellt und ihre Tat gestanden. Nach dem Ausscheiden eines rassistischen Motivs sinkt die Gefahr von Unruhen, ist aber nicht gebannt.

Bedrohlich: Die AWB ist wenige hundert Köpfe stark, aber weiterhin gefährlich
REUTERS

Bedrohlich: Die AWB ist wenige hundert Köpfe stark, aber weiterhin gefährlich


Ventersdorp/Hamburg - Zwei Landarbeiter haben gestanden, den südafrikanischen Rechtsextremen Eugene Terre Blanche getötet zu haben, nachdem dieser ihnen ihren Lohn nicht zahlen wollte. Nun hat die Afrikaner Weerstandsbeweging (AWB) ihre Drohungen zurückgezogen, mit Gewalt Vergeltung üben zu wollen. AWB-Sprecher Pieter Steyn erklärte im Rahmen einer Pressekonferenz, seine Organisation schwöre in diesem Fall aller Gewalt ab.

Noch am Sonntag hatte ein anderer Sprecher der radikalen AWB, die einst versucht hatte, das Ende der Apartheid auch mit Bombenattentaten und Morden zu verhindern, den Mord an Terre Blanche als "Kriegserklärung" bezeichnet und mit der Gründung eines eigenen Afrikaaner-Staates gedroht. Inzwischen besuchten Vertreter des regierenden ANC die Familie Terre Blanches, und Präsident Jacob Zuma bat in öffentlichen Statements, die Ruhe zu bewahren.

Am Montag stellte sich die Mutter eines der Täter, eines nicht namentlich bekannten 15-jährigen Jungen, der Presse und erklärte den Hergang der Tat.

Diese habe sich aus der Eskalation eines Lohnstreits ergeben: Als ihr Sohn und ein zweiter, 28 Jahre alter Landarbeiter von Terre Blanche ihren Lohn verlangten, habe dieser die Zahlung verweigert und weitere Arbeiten eingefordert. Als diese erledigt waren, hätte er jedoch auf erneute Einforderung des Lohnes diesen verweigert. Daraufhin habe der 28-Jährige sich eine Stange gegriffen und viermal auf Terre Blanche eingeschlagen. Ihr Sohn habe anschließend noch dreimal mit der Stange zugeschlagen.

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Eugene Terre Blanche: Karriere eines Extremisten

Die Situation in Südafrika ist seit Wochen angespannt, in ländlichen Gebieten kam es zu teils blutigen Zwischenfällen. Diese, so behaupten AWB-Vertreter, seien vor allem durch die Aktivitäten von Julius Malema, Kopf der Jugendorganisation des ANC, angeheizt worden.

Der Protegé von Präsident Zuma sorgte zuletzt für öffentliche Kontroversen, weil er unter anderem ein altes ANC-Kampflied zum Besten gab, in dem zum Töten von Buren aufgerufen werde. Das, so ein Sprecher des AWB am Sonntag, sei Aufstachelung zum Rassenhass. Vertreter des ANC bestreiten, dass das Lied wörtlich zu nehmen sei. In der vergangenen Woche wurde Malema in Anbetracht der empfindlichen Sicherheitslage dennoch aufgefordert, das Singen des Liedes zu unterlassen.

Der AWB, einst 70.000 Mitglieder stark, ist in den vergangenen Jahren auf wenige Hundert zusammengeschrumpft. Das Gewaltpotential der Organisation, deren Zeichen ein dreiachsiges Hakenkreuz ("Triskele") und ein stilisierter Adler sind, wird trotzdem als relativ hoch eingeschätzt. Nach dem Mord an Terre Blanche waren die Befürchtungen gewachsen, Südafrika könne wenige Wochen vor der Fußball-WM eine neue Welle von Rassenunruhen erleben. Ein AWB-Sprecher hatte in einer ersten Erklärung nach dem Mord gesagt, er würde den Teilnehmern und Besuchern der WM raten, nicht nach Südafrika zu kommen.

Die südafrikanische Presse nahm den vergleichweise profanen Grund für Terre Blanches Ermordung mit Erleichterung auf. Zwar wird der AWB nicht mehr als so gefährlich wie vor eineinhalb Jahrzehnten eingeschätzt, doch kann sich Südafrika angesichts einer schon jetzt problematischen Vermarktung der WM 2010 weitere Negativ-Schlagzeilen nicht leisten.

Eine "sinnlose Tat" sei der Mord gewesen, erklärte derweil Andries Terre Blanche, der Bruder des Ermordeten auf dem Grundstück der Familie in Ventersdorp, wo Terre Blanche am Freitag bestattet werden soll. Und das seine Familie gar keine Rassisten seien, fügte er hinzu: "Wir glauben nur an rassische Reinheit."

pat/AP



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