Mord im Kleinen Tiergarten CDU-Politiker kritisiert russische Reaktion als "scheinheilig"

Russland steht im Verdacht, einen Mord in Berlin in Auftrag gegeben zu haben. Deutschland reagierte mit Ausweisungen von Botschaftsmitarbeitern. Moskau gibt sich unbeteiligt - und sorgt damit für Kritik.
Russland habe etwas zu verbergen: CDU-Politiker Roderich Kiesewetter glaubt Beteuerungen aus Moskau im Tiergartenmord nicht

Russland habe etwas zu verbergen: CDU-Politiker Roderich Kiesewetter glaubt Beteuerungen aus Moskau im Tiergartenmord nicht

Foto:

HAYOUNG JEON/ EPA-EFE/ REX

Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter hat deutliche Kritik am russischen Verhalten in der sogenannten Tiergartenmord-Affäre geübt. Die Regierung in Moskau habe nicht bei der Aufklärung des Mordes geholfen, deshalb habe Deutschland russische Diplomaten ausgewiesen, sagte Kiesewetter im Radiosender Bayern 2. Dass Russland die Bitte Deutschlands zur Aufklärung ignoriert habe, spreche dafür, "dass Russland nicht mitwirken will, also etwas zu verbergen hat".

Kritik am deutschen Verhalten wies Kiesewetter klar zurück: Der Aufschrei, der jetzt aus Russland komme, sei "scheinheilig". "Für uns ist klar, dass ein Land, das Auftragsmorde deckt - und das ist ja zumindest die geringste Erkenntnis - nicht auf Augenhöhe behandelt werden kann."

Im August war ein 40 Jahre alter Georgier im Kleinen Tiergarten in Berlin erschossen worden. Ein 49-jähriger Verdächtiger wurde festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft.

Kurz nach der Tat hatten Recherchen des SPIEGEL und seiner Kooperationspartner Bellingcat, The Insider und The Dossier Center Indizien zutage gefördert, die auf einen staatlichen Auftraggeber schließen ließen: Das Opfer hatte im zweiten Tschetschenien-Krieg gegen russische Kräfte gekämpft und später für Georgien und die Ukraine gegen russische Interessen gearbeitet. Seit 2016 lebte er in Deutschland (mehr dazu lesen Sie hier).

Russland bestreitet Beteiligung

Am Mittwoch übernahm der Generalbundesanwalt die Ermittlungen zu dem mutmaßlichen Auftragsmord. Er verfolgt den Anfangsverdacht, dass staatliche Stellen in Russland hinter dem Mord stecken. Damit bekommt das Verfahren eine neue Qualität. Die oberste Strafverfolgungsbehörde verdächtigt Russland faktisch des Staatsterrorismus auf deutschem Boden.

Die Bundesregierung wies im Zusammenhang mit dem Mordfall zwei russische Diplomaten aus. Russland dementiert jede Verwicklung in den Mord im Kleinen Tiergarten. "Das ist eine absolut haltlose Spekulation", sagte der Sprecher des Kremls, Dimitrij Peskow, bei einer Telefonkonferenz.

CDU-Politiker Kiesewetter rechnet indes nicht mit einer Eskalation der Spannungen im deutsch-russischen Verhältnis. "Ich rechne nicht mit einer Eskalation, sondern hoffe nur, dass Russland bereit ist, endlich mitzuwirken." Da Deutschland "sehr maßvoll reagiert" habe, gehe er davon aus, dass "wir weiter ein vernünftiges Verhältnis haben".

Sollte sich bestätigen, dass Russland den Mord in Auftrag gegeben habe, müsse auf EU-Ebene reagiert werden: "Dann brauchen wir eine europäische Antwort."

FDP-Fraktionsvize Stephan Thomae sagte im ZDF-"Morgenmagazin", es handele sich um einen äußerst gravierenden Fall, der den Beginn einer weiteren Krise darstellen könne. Die Ausweisung der zwei russischen Diplomaten aus Deutschland sei möglicherweise "nur der Anfang", er sehe noch "weitere diplomatische Eskalationsstufen".

mho/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.