Tödliche Schüsse in Berlin Kreml bestreitet russische Beteiligung an Mord im Park

Der Georgier Zelimkhan K. wurde in Berlin mit einem Kopfschuss getötet, mutmaßlich soll ein russischer Staatsbürger der Täter sein. Der Kreml bestreitet, etwas mit dem Mord zu tun zu haben.

Polizisten am Tatort in Berlin-Moabit
Fabrizio Bensch /REUTERS

Polizisten am Tatort in Berlin-Moabit


Russland wehrt sich gegen den Verdacht, dass der Berliner Mord mit geheimdienstlichen Aktivitäten des Landes in Verbindung stehen könnte. "Dieser Fall hat nichts mit dem russischen Staat und offiziellen Organen zu tun. Ich weise entschieden jede Verbindung zwischen diesem Vorfall, diesem Mord und der russischen Regierung zurück", sagte Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow.

Am Freitag der vergangenen Woche wurde der Georgier Zelimkhan K. in Berlin ermordet, er starb durch einen Kopfschuss. Der Tatverdächtige, der 49-jährige russische Staatsbürger Vadim S., hatte das Opfer mutmaßlich von einem Fahrrad aus erschossen. Er verhielt sich vor dem Haftrichter nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Berlin abgeklärt. Ersten Ermittlungen zufolge ist er erst kurz vor der Tat nach Deutschland eingereist. Sein Visum war nur kurzfristig gültig.

Generalsbundesanwalt könnte möglicherweise Ermittlungen übernehmen

Nach SPIEGEL-Informationen ermitteln die Sicherheitsbehörden zwar in alle Richtungen, sehen das Szenario eines "professionell geplanten und durchgeführten Auftragsmords" derzeit aber als das wahrscheinlichste an. Sicherheitsbehörden mehrerer Nato-Staaten bezeichneten ein politisches Motiv, womöglich ausgeführt durch einen Geheimdienst wie Russlands Militärdienst GRU, als plausibel. "Sollte sich herausstellen, dass ein staatlicher Akteur wie Russland hinter der Tat steckt, haben wir einen zweiten Fall Skripal mit allen Konsequenzen", hieß es in Sicherheitskreisen.

Auf ein politisches Motiv könnte auch die Biografie von K. Hinweise liefern: Nach SPIEGEL-Informationen arbeitete er in seiner Heimat Georgien mit den Sicherheitsbehörden zusammen. Demnach musste er in die Ukraine fliehen, nachdem er in Tiflis einen Mordversuch überlebt hatte.

Die Bundesanwaltschaft verfolgt die Ermittlungen genau. "Wir haben die Sache im Blick und stehen im engen Kontakt mit der Berliner Justiz", sagte ein Sprecher der obersten Strafverfolgungsbehörde in Karlsruhe auf Anfrage. Eine Übernahme des Falls durch den Generalbundesanwalt wäre denkbar, wenn der Verdacht sich erhärten sollte, dass hinter der Tat der "Geheimdienst einer fremden Macht" stehen könnte.

als/höh/Reuters

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